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Gábor Paál (Foto: SWR, Gábor Paál)

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Wetterfühligkeit – das sagt sich so leicht. Oft ist es jedoch schwer, Zusammenhänge zwischen Wetter und Gesundheit wirklich zu beweisen. Manche Leute schwören darauf, dass sie bei Regen öfters Kopfschmerzen bekommen. Und da kann man natürlich jetzt nach Ursachen fahnden: Führt der niedrige Luftdruck zu irgendwelchen Verspannungen? Lässt ein plötzlicher Kälteeinbruch die Blutgefäße verengen? Oder beeinträchtigt die erhöhte Luftfeuchtigkeit die Atemwege? Das kann alles sein, vielleicht ist es aber auch viel banaler. Denn warum sprechen wir bei Dauerregen vom Mistwetter – weil wir Sonne lieber mögen. Sonne, das ist schönes Wetter, und schönes Wetter ist grundsätzlich erstmal gut für die Gesundheit – eben weil es schön ist, alles ist entspannter, man geht eher mal raus, und das ist alles hilft dann vielleicht auch gegen Kopfschmerzen. Aber ist das schon Wetterfühligkeit?

Der positive Einfluss von Sonnenlicht aufs Gemüt gehört zu den wenigen Faktoren, für die es wirklich starke Belege gibt. Sonnenlicht hemmt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Deshalb macht es wach und beugt Depressionen vor. Ebenso offensichtlich ist, dass allzu große Hitze nicht gut tut und längere Hitzeperioden gerade älteren Menschen zu schaffen macht - Notärzte wissen ein Lied davon zu singen. Und schließlich beeinflusst das Wetter im Frühjahr auch den Pollenflug – für manchen Allergiker kann ein kräftiger Regenschauer deshalb auch mal ein Segen sein. Aber damit erschöpfen sich auch schon die Zusammenhänge, die wirklich auf der Hand liegen.

Wie schwierig die sogenannte Wetterfühligkeit zu beweisen ist, zeigt gerade das Thema Kopfschmerzen. In aufwändigen Untersuchungen fanden Forscher heraus: Ja, unter ganz bestimmten Umständen führt ein Wetterumschwung tatsächlich statistisch zu mehr Kopfschmerzen, aber eben gerade nicht bei einem Kälteeinbruch, sondern im Gegenteil, wenn die Temperaturen steigen. Ein Anstieg von 5 Grad Celsius innerhalb eines Tages erhöht das Kopfschmerzrisiko um etwa 8 Prozent. Wenn es noch wärmer wird, erhöht sich auch das Risiko entsprechend. Keinen Zusammenhang konnten die Wissenschaftler beim Faktor Luftverschmutzung feststellen. Schadstoffe in der Luft sind zwar generell eine Belastung für den Körper, erhöhen aber offenbar nicht das Kopfschmerz-Risiko. Und das sind, wie gesagt, alles nur rein statistische Zusammenhänge.

Die Wirkung des Wetter auf den einzelnen kann sehr unterschiedlich sein. Wegen all dieser Unsicherheiten hat der amtliche Schweizer Wetterdienst seine Biowettervorhersage vor zwei Jahren eingestellt. Zur Begründung hieß es damals unter anderem: Es besteht die Gefahr, dass Menschen, wenn sie lesen, welche Beschwerden auftreten könnten, gerade deshalb diese Beschwerden auch bekommen.