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Es stimmt, viele Comicfiguren haben nur einen Daumen und drei weitere Finger. Natürlich sind vier Finger leichter zu zeichnen, aber das ist nicht der einzige Grund. Denn bei Comic-Heften wäre das wirklich ein vernachlässigbarer Aufwand.

Ich habe mal zwei Comic-Zeichner gefragt – nämlich Markus Witzel („Mawil“) und Felix Görmann („Flix“). Die haben mir erklärt, diese Tradition der „vier Finger“ geht auf die frühen Zeichentrickfilme der 20er- und 30er-Jahren zurück, vor allem auf die alten Disneyfilme. Die waren ja, verglichen mit heutigen Animationsfilmen, noch sehr einfach gezeichnet. Und da die Zeichner für die Filme viele Bildabfolgen zeichnen mussten, haben sie tatsächlich Zeit gespart, wenn sie einen Finger weggelassen haben.

Hinzu kommt, dass für alle wesentlichen Ausdrucksformen vier Finger reichen. Man kann über die Gestik mit Daumen und Zeigefinger schon ziemlich viel ausdrücken, den Mittelfinger bräuchte man nur für irgendwelche obszönen Gesten, als Stinkefinger, der aber in diesen klassischen Comics nicht vorkommt. Das heißt mit den Trickfilmen hat das angefangen – und später haben die Figuren die vier Finger beibehalten.

Heute hat der Verzicht auf einen Finger oft stilistische Gründe. Man findet die 4-Finger-Hand vor allem bei den Figuren, die eher skizzenhaft gezeichnet sind, wie ein Cartoon. Wenn man an Calvin denkt aus „Calvin und Hobbes“ – der hat auch nur vier Finger. Ebenso „Hägar der Schreckliche“. In diesen Fällen, so sagen mir die Comic-Experten, würde es sogar überladen oder unharmonisch aussehen, wenn so eine an sich einfache, knubbelige Figur plötzlich fünf filigrane Finger hätte. Bei den Comics dagegen, die wirklich schon aufwändiger gezeichnet sind und mehr von den Details leben, haben die Figuren dann meist auch fünf Finger. Asterix zum Beispiel hat fünf Finger. Tim aus „Tim und Struppi“ hat ebenfalls fünf Finger, weil Hergé ein sehr genauer Zeichner war.