Unbekanntes Zupfinstrument

Ein halber Meter Harfenklang: Schülerinnen entdecken die Veeh-Harfe

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AUTOR/IN
Michelle Habermehl
Bild von Michelle Habermehl, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern
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Dominic Konrad

Die Veeh-Harfe ist ein Instrument, das auch Anfängern schnelle Erfolge verspricht. Was eine Veeh-Harfe ist und wie man sie spielt, weiß Birke Falkenroth. Sie unterrichtet an der Emmerich-Smola-Musikschule in Kaiserslautern den ersten Veeh-Harfen-Kurs. Die Nachfrage für das unbekannte Instrument steigt.

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Ein halber Meter Harfe mit 25 Saiten

In der Emmerich-Smola-Musikschule ist es laut, Schüler und Schülerinnen rufen durch das große Treppenhaus. Aber hinter einer Tür hört man ganz andere Klänge. Im Harfenzimmer erklingen zauberhafte Töne.

Der Name der Veeh-Harfe und ihr zarter Klang könnten vermuten lassen, dass das etwas mit dem Märchenwesen „Fee“ zu tun haben könnte. Aber Fehlanzeige, der Name kommt von ihrem Erfinder Hermann Veeh.

Birke Falkenroth und ihre zwei Kursteilnehmerinnen, Iris und Maria, üben. Die Veeh-Harfe ist etwas höher als ein halber Meter und hat 25 Saiten. Sie liegt auf dem Schoß der Spielerinnen und lehnt am Tisch an. Auffällig ist: Die Noten sehen ganz anders aus als das gewöhnliche Notationssystem.

Eine Veeh-Harfe (2013)
Sie ist einen halben Meter hoch und wird am Tisch oder auf den Knien gespielt. Erfunden hat die Veeh-Harfe der bayerische Landwirt Hermann Veeh (1935 – 2020).

Das Notationssystem erinnert an Sternbilder

„Die Noten sind einfach unterschiedlich groß gedruckt“, erklärt Lehrerin Birke Falkenroth, „anhand dessen weiß man einfach, wie schnell man weiterspielen soll.“ Manchmal befänden sich in den anspruchsvolleren Noten Markierungen, an denen man erkennen könne, wo der Schwerpunkt des Taktes liege, doch nur bei fortgeschritteneren Stücken.

Die Noten der Veeh-Harfe stehen nicht auf einem Notenständer, sondern sie werden direkt unter die Saiten gelegt. Die notierten Punkte liegen direkt unter der zu spielenden Saite. Damit sehen die Noten mehr nach Sternbildern als nach einem Notationssystem aus.

NDR Hamburg Journal Musizieren im hohen Alter: Das Projekt "Veeh-Harfe" in Rissen

Die Veeh-Harfe ist gerade für ältere Menschen einfach zu lernen. Die Gruppe "Vielsaitig" probt im Gemeindehaus der Johanneskirche.

Als Instrument gut geeignet für Einsteiger

In dem System finden sich auch diejenigen schnell zurecht, die vorher noch nichts mit Noten zu tun hatten. Kursteilnehmerin Iris zum Beispiel hatte keine Vorkenntnisse. Sie hat noch nie in ihrem Leben ein Instrument gespielt. Die Veeh-Harfe kann sie aber trotzdem sehr schnell erlernen.

Das macht die Harfe besonders, findet Birke Falkenroth: „Im Vergleich zu anderen Instrumenten würde ich sagen, dass sie sehr leicht zu erlernen ist, dass man keine komplizierte Technik braucht. Es ist auch eigentlich egal, mit welchem Finger man sie spielt.“

Die Veeh-Harfe gebe Anfängerinnen und Anfängern direkt ein Erfolgserlebnis, ohne dass man viel üben oder besondere Vorkenntnisse mitbringen müsse, meint Falkenroth. 

Schwere Lieder ganz einfach spielen

Für ein sehr gutes Instrument könne man mit Kosten um 850 Euro rechnen, so Falkenroth. Sie habe auch gesehen, dass die Instrumente zum Teil von Büchereien verliehen werden, zum Beispiel in den Stadtbibliotheken Ulm oder Reutlingen.  

Auch für Kursteilnehmerin Maria, die wie sie selbst erzählt ihr Leben lang schon viel mit Musik zu tun hatte und Noten lesen konnte, hat die Veeh-Harfe ihren Reiz: „Damit kann man auch schwere Lieder spielen und singen, das haben wir auch schon versucht.“

Hannelore Baxmeyer aus Essen spielt eine Veeh-Harfe (2013)
Gerade für Menschen ohne musikalische Vorbildung und Senioren eignet sich die Veeh-Harfe als Einstiegsinstrument. Dank der eigens entwickelten Notation sind schnelle Fortschritte möglich.

Die kleine Harfe wird immer bekannter

Das hat auch Birke Falkenroth festgestellt, die eigentlich Lehrerin für Konzert-Harfe ist. Sie habe erst im letzten Jahr von der Veeh-Harfe gehört, aber dann auch gleich mehrfach. „Also ich habe schon den Eindruck, dass es zunehmend an Bekanntheit gewinnt“, meint sie. 

Der erste Veeh-Harfen-Kurs an der Emmerich-Smola-Musikschule ist beendet. Aber Iris, Maria und auch Birke Falkenroth wollen unbedingt, dass es weitergeht: „Also das Angebot der Musikschule besteht. Wenn wir genügend Teilnehmer haben, würden wir gerne den Kurs fortsetzen.“ 

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