Jazz

Wolfgang Dauners Nachlass kommt als erster Jazznachlass in die Landesbibliothek Stuttgart

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AUTOR/IN
Karin Gramling

Das umfangreiche Werk von Wolfgang Dauner ist der erste Nachlass eines Jazzmusikers, der in die Musiksammlung der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart kommt. Der 2020 verstorbene Künstler gilt als Gründervater des europäischen Jazz. Dauners Alben, Filme, 2000 Bänder mit Tonaufnahmen und zahlreiche Musikautografen gehören zum Nachlass. Ebenso sein Studio, in dem er als einer der ersten mit Synthesizern experimentierte. Anhand dieses Materials soll künftig sein künstlerischer Nachlass erforscht werden.

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Kuriose Instrumente, 2000 Bänder mit Tonaufnahmen und 15 Meter Musikautografen

Auf dem Tisch liegen Notate für die Kompositionen von Wolfgang Dauner. Daneben kuriose Instrumente, eine Schlauchposaune etwa – ein messingfarbener Metalltrichter mit einem grünen Schlauch dran, sowie ein längliches Holzinstrument mit runden Tasten. Es kleben kleine Zettel darauf.

„In Indien heißt es Ubul Tarang, in Japan Nagoya Harfe, das ist noch von Wolfgang Dauner geschrieben“, erklärt Randi Bubat, die Witwe und ehemalige Managerin von Wolfgang Dauner, der offen war für musikalische Einflüsse aus der ganzen Welt.

Eine Dokumentation von Wolfgang Dauners künstlerischem Leben

Für Randi Bubat war es wichtig, dass der riesige Nachlass des vielfältigen Jazzmusikers zusammenbleibt. Mit einem Experten sortierte sie ihn vor. Dauners Alben, Filme, 2000 Bänder mit Tonaufnahmen und 15 Meter Musikautografen mit Entwürfen und Arrangements – von dem, was noch auf Computerfestplatten liegt, gar nicht zu reden. Außerdem das elektronische Studio des Künstlers, der als einer der ersten in Deutschland mit Synthesizern experimentierte.

Weil Wolfgang Dauner alles akribisch notierte, kann man nachvollziehen, wie seine Werke entstanden. Angefangen von den Ideen bis hin zu ganzen Orchestersätzen, Filmmusiken oder Choreographien aus seiner wilden Zeit – als er, zum Beispiel 1970 eine Auftragsarbeit für die Musiktage Donaueschingen schrieb und auch aufführte. Eine Arbeit, bei der unter anderem Pingpong-Bälle durch die Gegend geschleudert wurden.

Für Ute Becker, Leiterin der Musiksammlung, ist das ein großer Schatz. „Wenn ich mir jetzt schwer vorstellen kann, wie die Partitur von Donaueschingen zu lesen ist oder einfach mal hören möchte, wie die klingt, dann kann ich im Archiv schauen, ob es eine Aufnahme gibt, bestenfalls im Bild und Ton. Das macht diesen Nachlass aus, dass wir im Prinzip eine Dokumentation dieses künstlerischen Lebens haben.“

Selbstporträt Wolfgang Dauner im Nachlass von Wolfgang Dauner  (Foto: Pressestelle, Archiv der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart)
Selbstporträt Wolfgang Dauner

Dauners Nachlass ist jetzt mitten im Stadtzentrum Stuttgarts zugänglich

Darüber hinaus lässt sich an Wolfgang Dauners Werk die Geschichte des Europäischen Jazz erforschen, als dessen Gründervater Dauner gilt. Denn früh emanzipierte sich dieser innovative und einflussreiche Musiker von den amerikanischen Vorbildern. Dass sein bedeutender Nachlass in die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart kommt, ermöglichte -  neben einigen Stiftungen - auch das Land Baden-Württemberg.

Kunstministerin Petra Olschwoski freut sich darüber, dass der Nachlass nun mitten im Stadtzentrum Stuttgarts zugänglich ist, denn„Wolfgang Dauner war eine Künstlerpersönlichkeit, die natürlich nationale und europäische gar internationale Ausstrahlung hatte, aber er war mit seiner Arbeit schon Zeit seines Lebens in Stuttgart und damit Baden-Württemberg verwurzelt.“ Nun sei der Nachlass ganz nah an all den Institutionen im Kunstquartier zugänglich mit denen Dauner auch gearbeitet hat.  

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Karin Gramling