Erich Kästner zum 125. Geburtstag

Biograf Sven Hanuschek über Erich Kästner – Viel mehr als ein Kinderbuchautor

Stand
INTERVIEW
Philine Sauvageot

„Emil und die Detektive“, „Das doppelte Lottchen“, „Pünktchen und Anton“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ – kein Wunder, dass viele Erich Kästner für einen Kinderbuchautoren halten. Das war er – auch! Zugleich aber war Kästner sehr viel mehr als das: Die Online-Enzyklopädie Wikipedia zählt ihn zu den „Autoren von Weltgeltung“. Vor 125 Jahren, am 23.02.1899, wurde er in Dresden geboren.

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Veränderter Blick auf Kästner

Zu Kästners 125. Geburtstag hat der Literaturwissenschaftler Sven Hanuschek seine Biografie des Schriftstellers auf den neuesten Stand gebracht. Denn, so Hanuschek im Interview mit SWR2, bis in die 1990er-Jahre stand der Kinderbuchautor Kästner im Mittelpunkt.

Inzwischen aber sei die Erwachsenen-Literatur Kästners in den Mittelpunkt gerückt, was auch mit ihrer Qualität zusammenhänge: „Man denkt, weil die Texte so leicht daherkommen, ist es leichte Literatur.“ Aber – weit gefehlt, so Kästner-Biograf Hanuschek: Ähnlich wie bei Brecht und Tucholsky seien auch Kästners Texte „einfach sehr dicht, sehr ökonomisch und sehr auch für ein großes Publikum geschrieben.“

Porträt zum 125. Geburtstag Erich Kästner – Autor, Soldat und Friedensaktivist

Emil und die Detektive, Fabian, Das doppelte Lottchen – Erich Kästners Bücher sind bis heute sehr beliebt. Leicht und lustig im Stil, ist der Autor aber tiefsinniger als viele meinen. Seine Themen sind heute wieder besonders aktuell.

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Mal Romancier, mal Kinderbuchautor

Während Kästners Kindergeschichten eher positiv und optimistisch gehalten sind, gelte dies allerdings für seine Erwachsenenliteratur nicht unbedingt, sagt Hanuschek. Wobei er einschränkt: „Auch diese Texte haben ein Gespür für Humor, für Komik.“

Genau hier liege Kästners besondere Kunst: klar zu sagen, „was Sache ist und einen ziemlich realistischen Blick zu haben – und es trotzdem nicht als völlig vernichtend darzustellen.“

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Prof. Dr. Sven Hanuschek, Erich Kästner-Biograf, München
Prof. Dr. Stefan Neuhaus, Literaturwissenschaftler, Universität Koblenz
Andrea O'Brien, Leiterin des Erich-Kästner-Hauses für Literatur, Dresden

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Kästner, der Politische

Nach einer Sozialisierung in der Weimarer Republik musste Kästner miterleben, wie seine Bücher im Dritten Reich verboten und verbrannt wurden – und blieb dennoch in Deutschland. „Diese Diktaturerfahrung hat ihn sehr stark verändert“, sagt Hanuschek.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Kästner, Reden zu halten, sich an Protesten und Demonstrationen zu beteiligen, „was für einen Autor seiner Generation ganz ungewöhnlich ist“, so Hanuschek. Er verweist auf eine besonders eindrückliche Metapher aus einer Rede Kästners 1958. Damals hatte der Schriftsteller im Rückblick auf Nazidiktatur und Bücherverbrennung gesagt: „Man muss den Schneeball zertreten, weil eine Lawine niemand mehr aufhält.“ Der Satz ist 2024 so aktuell wie damals.

Erich Kästner zum 125. Geburtstag

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10.5.1958 | Erich Kästner setzt sich nach dem Krieg in der Bundesrepublik aktiv für die Demokratie ein. Am 10. Mai 1958, bei einer Rede in Hamburg, erinnert der Schriftsteller an die Bücherverbrennung und mahnt: Drohende Diktaturen ließen sich nur bekämpfen, ehe sie die Macht übernommen hätten. Danach sei es zu spät.

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