Schauspieler Ncuti Gatwa hebt feierlich die Hand. Im Hintergrund blaue Lichter

Frischer Wind für Kult-Serie

Schauspieler Ncuti Gatwa: Der „Doctor Who“ für eine neue Generation

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Dominic Konrad
Dominic Konrad, Autor und Redakteur bei SWR Kultur und SWR Musik

Die neue Staffel „Doktor Who“ hat Fans und Kritiker begeistert wie schon lange keine mehr. Ein Grund: Mit Ncuti Gatwa hat die britische Kult-Serie einen jungen und mitreißenden neuen Doktor gefunden. Wer ist der Schauspieler, der gerade das angestaubte Franchise aufwirbelt?

Ncuti Gatwa blickt direkt in die Kamera bei der Premiere der neuen "Dr. Who" Staffel
Einer der meistbeachteten jungen Mimen Großbritanniens: Der ruandisch-schottische Schauspieler Ncuti Gatwa ist der 15. Doktor in der Kult-Serie „Doctor Who“.

Der neue „Doktor Who“ ist jung und Schwarz

Die Rolle des Doktors in der britischen TV-Serie „Doctor Who“ ist einer der großen Wanderpokale der Fernsehgeschichte. Seit 1963 haben 13 Schauspieler und eine Schauspielerin dem zeitreisenden Timelord ihr Gesicht geliehen. Der Wechsel von einem Doktor zum nächsten wird vor allem in der britischen Presse immer wieder mit Spannung erwartet.

Entsprechend groß war das Medienecho, als im Mai 2022 der 30-jährige Ncuti Gatwa die Rolle übernehmen sollte. Zuletzt spielte Jodie Whittacker den Doktor als erste weibliche Darstellerin der Hauptfigur. Darauf folgte ein kurzes Intermezzo von Fanliebling David Tennant, der schon in den 2000ern den 10. Doktor gespielt hatte.

Die Besetzung des Schwarzen Schauspielers, damals 30 Jahre jung, bedeutete eine deutliche Abkehr von früheren Inkarnationen des Doktors, der traditionell von reiferen weißen Männern gespielt wurde.

Ich denke, der Doktor hat eine Einsamkeit, einen Kummer und eine Traurigkeit, die er versucht, mit Abenteuern, Chaos und Übermut zu füllen.

Geboren in Ruanda, aufgewachsen in Schottland

Geboren wird Ncuti Gatwa 1992 in der ruandischen Hauptstadt Kigali. Seine Eltern flüchten 1994 vor dem ruandischen Völkermord. Gatwas Vater, ein Journalist und offener Kritiker von Präsident Juvénal Habyarimana, fürchtete um die Sicherheit seiner Familie.

Die Familie findet Asyl in Schottlands Hauptstadt Edinburgh. Hier verbringt Ncuti Gatwa seine Kindheit und Jugend. 2013 schließt er seine Schauspielausbildung am Königlichen Schottischen Konservatorium in Glasgow ab.

Vogue World London 2023: Ncuti Gatwa in gender-queerer Mode auf dem roten Teppich
Auf dem roten Teppich inszeniert sich Ncuti Gatwa gerne eindeutig uneindeutig mit auffälligem Make-Up und genderneutraler Mode. Seine Fans feiern seine Looks.

Mit seinem energiegeladenen Spiel tut sich Gatwa schnell auf den Bühnen hervor. 2014 findet seine Darbietung als Mercutio in „Romeo und Julia“ in Manchester große Beachtung. Ein Jahr später gibt er in einer Nebenrolle in „Shakespeare in Love“ sein Debüt im Londoner Westend, 2016 spielt er Demetrius in einer gefeierten Inszenierung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ am Globe Theatre.

Internationaler Durchbruch in „Sex Education“

Der Durchbruch kommt für Ncuti Gatwa 2019 mit der Netflix-Serie „Sex Education“. In der Serie über den Sohn einer Sexualtherapeutin, der an seiner Schule Sex-Sprechstunden für hormonell überforderte Teenagerinnen und Teenager anbietet, spielt Gatwa Eric, den besten Freund von Hauptfigur Otis (Asa Butterfield), den schwulen Sohn einer konservativ-gläubigen ghanaisch-nigerianischen Familie.

Szene aus "Sex Education": Eric (Ncuti Gatwa) und sein bester Freund Otis (Asa Butterfield) laufen Arm in Arm über den Schulhof.
Mit „Sex Education“ wird die Öffentlichkeit auf Gatwa aufmerksam. Er spielt Eric Effiong, einen Schüler, den seine Homosexualität in keine Sinneskrisen stößt und der oft für seinen besten Freund Otis (Asa Butterfield, rechts) als moralischer Kompass fungiert.

Schnell etabliert sich Gatwa als Fan-Favorit. Seine positive Ausstrahlung, seine offen und positiv konnotierte Queerness und schließlich seine Beziehung zum früheren Pausenhoftyrannen Adam (Connor Swindells) kommen beim Publikum gut an. Die Rolle spielt Gatwa über vier Staffeln bis zum Serienfinale 2023.

Seine Rolle bewegt ihn zum Outing im realen Leben

Gatwa ist nicht nur im Fernsehen queer: 2023 outet sich der Schauspieler in einem Interview mit der Zeitschrift „Elle“. Er hätte es bislang bevorzugt, sich nicht zu Spekulationen zu äußern, doch seine Rolle in „Sex Eucation“ und der Kontakt zu anderen ruandischen queeren Menschen hätten ihn in seiner Identität bestätigt.

Kingsley Ben-Adir, Ryan Gosling und Ncuti Gatwa als drei Inkarnationen der Ken-Puppe im Film "Barbie".
Feeling the Ken-ergy: In Greta Gerwigs „Barbie“, dem Sommerhit des Jahres 2023, spielt Gatwa (rechts) einen von mehreren Kens neben Kingsley Ben-Adir (links) und dem Oscar-nominierten Ryan Gosling (Mitte).

2023 ist Gatwa auch im Sommerhit des Jahres zu sehen: In „Barbie“ spielt er neben Ryan Gosling und Simu Liu eine weitere Version der Ken-Puppe. Zwar agiert Gatwa hier vorwiegend im Hintergrund, seine Körperlichkeit beschert ihm aber – wie generell den Kens im Film – hohe Sympathie-Werte.

„Doktor Who“: So gut wie lange nicht mehr

Promoshoot der  neuen "Dr. Who"-Staffel: Ncuti Gawa als der Doktor und Millie Gibson als dessen Begleiterin Ruby Sunday. Sie stehen in einer Schleuse
Als 15. Doktor in „Doktor Who“ begibt sich Ncuti Gatwa mit seiner Begleiterin Ruby Sunday (Millie Gibson) auf Reisen durch Raum und Zeit.

Nun ist Gatwas erste Staffel als Titelheld von „Doktor Who“ zu Ende gegangen. Die Bilanz der Presse: So gut wie jetzt war die Serie lange nicht mehr. Die New York Times redet sogar von einer neuen Ära.

Die Lorbeeren hierfür gehen nicht alleine an den Hauptdarsteller – immerhin kehrte mit Erfinder Russell T Davies der Mann als Showrunner zurück, der 2005 die Figur wiederbelebte und bis heute als eine der Triebfedern für den anhaltenden Erfolg der Serie gilt.

Ncuti Gatwa beantwortet eine Frage auf dem roten Teppich bei der Premiere der neuen "Doktor Who"-Staffel.
Auch auf die Bühne kehrt Ncuti Gatwa Ende des Jahres zurück. Am Londoner Nationaltheater wird der dann 34-Jährige die Rolle des Algernon Moncrief in Oscar Wildes Komödie „Ernst sein ist alles“ spielen.

Der Doktor einer neuen Generation

Ncuti Gatwa ist es gelungen, seinen Doktor mit jugendlichem Charme und Dynamik einem neuen Publikum zu öffnen – und er ist der erste Doktor mit queeren Gefühlen: In einer an „Bridgerton“ angelehnten Folge küsst Gatwas Doktor einen anderen Mann.

Ein schwuler Doktor? Für Ncuti Gatwa passt das absolut: „Wir wählen unsere Familien“, sagt er im Gespräch mit dem Guardian, „und der Doktor ist ein einsamer Wanderer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Ich kenne viele schwule Männer, die ich so beschreiben könnte.“

Eine 15. Staffel von „Doktor Who“ wurde bereits im Juli 2023 angekündigt. Ncuti Gatwa bleibt seiner Rolle bis auf weiteres treu – in seiner Zeitmaschine TARDIS auf dem Weg in eine vielversprechende Zukunft.

„Doktor Who“, Staffel 14 auf Disney Plus

Erfolgreiche Coming-of-Age-Serie Vierte Staffel „Sex Education“ – Mutmacher für „obenrum“ und „untenrum“

Die vierte und wohl letzte Teil der erfolgreichen britischen „Sex Education“ auf Netflix führt den Otis Milburn und seinen besten Freund Eric an das Cavendish College. Selbstbestimmung und sexuelle Toleranz werden hier ganz groß geschrieben.

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Dominic Konrad, Autor und Redakteur bei SWR Kultur und SWR Musik