Kommentar

Machtpoker um Georg Fritzsch am Badischen Staatstheater: „Die Mitarbeitenden wollen keinen Alleinherrscher“

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AUTOR/IN
Marie-Dominique Wetzel

Generalmusikdirektor Georg Fritzsch darf bis Sommer 2027 in Karlsruhe bleiben. Über ein halbes Jahr lang gab es erbitterten Streit um seine Vertragsverlängerung. Jetzt ist der Machtpoker beendet. Zurück bleibt ein angeschlagener designierter Intendant, der sich verzockt und viel Vertrauen verspielt habe – noch bevor er sein Amt im kommenden Jahr offiziell antritt. Und Orchestermitglieder, die sich nicht mehr alles bieten ließen, kommentiert SWR2-Redakteurin Marie-Dominique Wetzel.

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85 Prozent der Musiker haben sich für Fritzsch ausgesprochen

Christian Firmbach hat sich bei seinem Machtpoker verzockt und steht nun vor einem Scherbenhaufen: Ansehen mächtig angekratzt und massiv Vertrauen verloren. Das muss man erstmal hinkriegen – noch bevor man richtig im Spiel beziehungsweise im Amt ist.

Hat Christian Firmbach wirklich geglaubt, er könne einfach den beliebten Generalmusikdirektor Georg Fritzsch vor die Tür setzen? Eine große Mehrheit des Orchesters, nämlich 85 Prozent, hatte sich für die weitere Zusammenarbeit mit Georg Fritzsch ausgesprochen, weil die Musikerinnen und Musiker seine Arbeit schätzen und gerne unter seiner Leitung spielen.

Firmbach wischte das Votum des Orchesters vom Tisch

Und bisher hatte das Votum des Orchesters in Karlsruhe immer Gewicht. Und dann kam Christian Firmbach und wischte als designierter Intendant dieses Votum des Orchesters einfach mal vom Tisch. Er wolle nicht mit Georg Fritzsch zusammenarbeiten. Triftige Gründe nannte er dafür keine.

Als im Theater erster Zorn hochkochte, lenkte Firmbach scheinbar ein, wollte mit Fritzsch einen neuen Vertrag auf Basis des alten ausarbeiten. Aus Theaterkreisen heißt es aber, dass er versucht habe, den bisherigen Vertrag ständig auszuhöhlen.

Hat Firmbach gehofft, dass Fritzsch irgendwann entnervt aufgibt?

Über ein halbes Jahr zog sich diese Hinhalte- und Zermürbungstaktik hin. Hat Firmbach gehofft, dass Fritzsch irgendwann entnervt aufgibt? Hätte dieser vielleicht auch, wenn das Orchester nicht so fest hinter ihm gestanden wäre und keinen öffentlichen Druck aufgebaut hätte.

Eins ist klar geworden: Die Mitarbeitenden des Badischen Staatstheaters wollen keinen Alleinherrscher mehr an ihrer Spitze. Das Machtgebaren von Christian Firmbach hat böse Erinnerungen wachgerufen an den autoritären Führungsstil des früheren Generalintendanten Peter Spuhler. Dem neuen Mann an der Spitze nur den Titel „General“ aus der Stellenbeschreibung zu streichen, reicht eben nicht aus, um wirklich einen neuen Führungsstil zu etablieren.

Politisch Verantwortliche haben lange tatenlos zugeschaut

Die politischen Verantwortlichen in Stadt und Land haben sehr lange dem Machtgebaren von Christian Firmbach tatenlos zugeschaut. Schlussendlich konnte man im Karlsruher Rathaus und im Stuttgarter Kunstministerium dann wohl doch nicht mehr ignorieren, dass Firmbach gerade dabei war, die Atmosphäre im Theater wieder zu vergiften und er auch dem Ansehen des Hauses geschadet hat.

Man hätte dem Badischen Staatstheater gewünscht, dass es endlich zur Ruhe kommt und jemand ans Haus kommt, der mehr diplomatisches Geschick hat und es ernst meint mit einer neuen Führungskultur, mit mehr Partizipation und Transparenz.

Der künftige Intendant steht für ein altes Führungsmodell

Doch wenn dieser Streit um die Zukunft des Generalmusikdirektors eines deutlich gezeigt hat: Der künftige Intendant Christian Firmbach steht für ein altes, überholtes Führungsmodell. Die nächsten Konflikte mit der selbstbewusster gewordenen Mitarbeiterschaft sind damit quasi vorprogrammiert.

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