Das Foto vom 01.06.2016 zeigt einen Ausschnitt eines Modells, das den Standort "Oak Garden" in Hoppstätten-Weiersbach (Rheinland-Pfalz) zeigt. (Foto: picture alliance / dpa | Harald Tittel)

Geschäfte im "Oak Garden" laufen zäh

Corona trifft chinesische Unternehmenssiedlung im Hunsrück

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AUTOR/IN
Sabine Rappen
Sebastian Grauer
Foto von Sebastian Gauer, Redakteur bei SWR Aktuell im Regionalbüro Traben-Trarbach (Foto: SWR)

Die chinesische Unternehmenssiedlung "Oak Garden" im Hunsrück war auf dem Weg ein neues großes Handelszentrum zu werden. Doch dann kam Corona. Seither laufen die Geschäfte zäh.

Dass wohl deutlichste Zeichen dafür, dass im "Oak Garden" die Corona-Pandemie die Geschäfte verhagelt hat, ist ein halbfertiges Gebäude. Die Mauern sind nicht verputzt. Dort wo normalerweise Türen sind, sind Bretter davor genagelt. Die Briefkästen sind provisorisch an einem Holzbrett befestigt. Das mehrstöckige Geschäftsgebäude steht inmitten zweier fertiggestellter Gebäude. Die ICCN GmbH, die den "Oak Garden" betreibt, nennt den Komplex "Hauptquartier der Weltfabrik".

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Weniger Unternehmensansiedlungen

Geschäftsführerin Jane Hou bestätigt, dass die Geschäfte in den vergangenen zwei Jahren nicht rund liefen. Vor Corona hätten sich pro Jahr bis zu 50 neue Unternehmen angesiedelt. Das habe sich geändert, sagt Hou. "Wir haben aktuell 300 chinesische Firmen hier im "Oak Garden". Es sind in den vergangenen Jahren aber nicht so viele mehr geworden, wie das geplant war." Eines der Geschäftsfelder der ICCN GmbH sei es aber, Gebäude zu bauen und die Büros unter anderem an die chinesischen Unternehmen zu vermieten - es gab also zu viele Büros für zu wenige Firmen. Das halbfertige Gebäude diene deswegen jetzt nur noch als Lager.

Jane Hou und ihr Mann Andreas Scholz (Foto: picture alliance / dpa | Harald Tittel)
Die beiden Geschäftsführer des "Oak Garden" Jane Hou und ihr Mann Andreas Scholz im Juli 2016 hinter einem Modell, das den Standort "Oak Garden" zeigt. Die Unternehmensansiedlung liegt auf einem ehemaligen US-Militärstützpunkt in der Gemeinde Hoppstädten-Weiersbach. picture alliance / dpa | Harald Tittel

Jane Hou sieht die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 als Grund für den Rückgang der Unternehmensansiedlungen. Chinesische Unternehmer hätten überlegt, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt sei, um nach Europa zu kommen. Es sei schwierig gewesen, Einreisegenehmigungen zu bekommen. Die Unternehmer hätten sich vor Ort nicht umschauen können.

Verbandsgemeindebürgermeister: Weniger Gewerbesteuereinnahmen

Der Verbandsgemeindebürgermeister von Birkenfeld, Bernhard Alscher (Freie Wähler), hat ebenfalls bemerkt, dass die Geschäfte im "Oak Garden" in der Vergangenheit nicht gut gelaufen sind. Er geht von deutlich weniger Unternehmen in der Siedlung aus, als das die Betreiberin Jane Hou tut.

Der Verbandsgemeindebürgermeister schätzt, dass dort derzeit nur noch 180 Unternehmen ansässig sind, mit Auswirkungen auf die Kasse der Kommune. "Wir hatten einen mittleren sechsstelligen Betrag an Gewerbesteuer, der uns ja als überschuldete Kommune gut getan hat. Das ist natürlich deutlich gesunken." Bernhard Alscher blickt angesichts dieser Zahlen pessimistisch in die Zukunft.

Alscher: Verhältnis zwischen China und Deutschland schwieriger

Der Birkenfelder Verbandsgemeindebürgermeister Bernhard Alscher hinter seinem Schreibtisch (Foto: SWR)
Der Birkenfelder Verbandsgemeindebürgermeister Bernhard Alscher beobachtet, immer weniger Chinesen in der Region. Viele seien weggezogen, sagt er.

"Die Chinesen waren schon eine Bereicherung für den ländlichen Raum. Das war ein positives Zusammenleben. Wir hatten gar keine Widerstände."

Er befürchtet, dass es für chinesische Unternehmen in Zukunft immer schwieriger werden könnte in Deutschland und damit im "Oak Garden" bei Hoppstädten-Weiersbach Fuß zu fassen. "Ich sehe das schon als schwierig, weil sich auch die politischen Rahmenbedingungen geändert haben. Das Verhältnis zwischen Deutschland und China ist schwieriger geworden". Das sei aber das Verhältnis der Chinesen zu den Hunsrückern nie gewesen, sagt Alscher. "Die Chinesen waren schon eine Bereicherung für den ländlichen Raum. Das war ein positives Zusammenleben. Wir hatten gar keine Widerstände."

Unternehmerin Jane Hou ist optimistisch

Jane Hou ist zuversichtlich, dass die Geschäfte in den kommenden Jahren wieder anziehen werden. Das sei bereits daran zu erkennen, dass es in diesem Jahr schon wieder neue Unternehmensansiedlungen im "Oak Garden" gebe. Ihr neuster Kunde sei beispielsweise eine Unternehmerin, die mir Solarpaneelen handele und gerade erst die Firma in Deutschland gegründet habe.

In Zukunft, so hofft Jane Hou, sollen sich auch Unternehmen aus anderen Ländern im "Oak Garden" ansiedeln. "Wir wollen in Zukunft unseren Oak Garden als internationalen Unternehmenspark entwickeln und nicht nur für Chinesen." Außerdem soll es im kommenden Jahr auch wieder ein deutsch-chinesisches Kulturfest geben, das wegen der Corona-Pandemie jetzt drei Jahren nicht stattgefunden habe, sagt Hou.

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