Auf dem Nachttisch eines kranken Jungen befinden sich Medikamente, Taschentücher und ein Fieberthermometer (Foto: picture-alliance / Reportdienste, / Frank May)

Apotheken schlagen Alarm

Mangel an Ibuprofen: Kein Fiebersaft für Kinder in der Pfalz

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Nicoletta Prevete

Seit etwa sechs Wochen gibt es kaum noch Fiebersaft für Kinder in den Pfälzer Apotheken. Und ein Ende sei nicht in Sicht, erklärt der rheinland-pfälzische Apothekerverband.

Elke Koch-Böhn, Besitzerin der Robert Koch Apotheke in Ludwigshafen ist sauer. Dass es keinen Schmerz- und Fiebersaft für Kleinkinder in einem Land wie Deutschland gibt, empfindet sie als eine Katastrophe. Natürlich habe der Mangel wirtschaftliche Gründe, die Leidtragenden seien aber die Kinder. "Wir haben oft Kunden im Nachtdienst, die direkt aus dem Krankenhaus kommen, um den Fiebersaft zu holen", sagt die Apothekerin. "Wenn ich denen erzähle, wir haben keinen, können die das kaum glauben!"

Wie die Deutsche Apothekenvereinigung ABDA mitteilt, sind Fiebersäfte bei Eltern kranker Kinder besonders beliebt, da diese von Kindern ohne Probleme geschluckt werden können.

Trotz Corona-Welle: Markt für Ibuprofen-Saft ist abgegrast

Der Markt für die Ibuprofen- oder Paracetamol-Säfte sei "abgegrast". Bis nach Frankfurt sei nichts mehr zu bekommen, erzählt die Apothekerin. Nur einige wenige Apotheken hätten noch ein paar Restbestände. Den akuten Mangel an Fiebersäften für Kinder bestätigt auch der rheinland-pfälzische Apothekerverband. Peter Schreiber, Geschäftsführer des Verbandes in Mainz, erklärt gegenüber dem SWR, die Lage habe sich verschärft. Und dieser Medikamentenmangel sei anders als die vorherigen. Bei anderen Medikamenten könne man häufig auf andere Hersteller ausweichen, dies sei beim Kinderfiebersaft nicht der Fall.

Ibuprofen-Saft: Es fehlen die Rohstoffe für die Produktion

Die Krankenkassen haben, so der Verband, tatsächlich nur mit einem Hersteller einen Vertrag – mit dem günstigsten. Dieser produziere in China und in Indien und habe Probleme, die Rohstoffe für die Herstellung des Fiebersaftes zu bekommen. Sowohl Ibuprofen– als auch Paracetamolsaft sei kaum erhältlich, so Peter Schreiber. Und das Lieferproblem sei nicht nur ein bundes- sondern gar ein europaweites und führe bei der Kundschaft zu extremer Verunsicherung.

Warum gibt es so wenig Fiebersaft?

Neben den fehlenden Rohstoffen seien die Rabattverträge der Krankenkassen Mitauslöser für den Mangel an Kinderfiebersäften. Laut dem rheinland-pfälzischen Apothekerverband habe man nur mit den allergünstigsten Herstellern solche Verträge. Dadurch würden andere Hersteller aus dem Markt gedrängt, die bislang auch diese Säfte hergestellt haben. Diese Mitbewerber haben die Produktion der Säfte eingestellt, da sich das wirtschaftlich für sie einfach nicht lohne, so Peter Schreiber, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Apothekerverbandes. Beginnen Kunden dann bei einem bereits existierenden Mangel, auch noch Saft zu horten, bekommt man dann irgendwann eben gar keinen mehr, so der Verband.

Keine Produktion in Deutschland

Diese Verunsicherung bekommt auch Apotheker Dr. Klaus Peter Trimborn von der Nibelungen-Apotheke in Ludwigshafen täglich zu spüren. "Die Kunden haben für den Mangel keinerlei Verständnis und halten uns für unfähig. Das Ganze ist in höchstem Maße ärgerlich“, erklärt der ehemalige Klinikarzt und Apotheker. Dass nicht wenigstens ein einziger Kinderfiebersaft in Deutschland hergestellt wird, findet Trimborn "ein Drama". Er versucht auf allen Wegen an den begehrten Saft heranzukommen. Versucht ihn selbst über Internetapotheken zu bestellen oder direkt bei den Herstellerfirmen zu ordern – der Aufwand sei enorm bei sehr geringem Erfolg, so der Apotheker aus Ludwigshafen.

Eine Mutter kontrolliert mit einem Fieberthermometer die Temperatur ihrer erkälteten dreijährigen Tochter Amy. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Patrick Pleul)
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Saft selbst in Ludwigshafen herstellen – zu aufwendig und zu teuer

Seine Apotheke stelle den Saft nicht selbst her. Das sei einfach zu aufwendig und zu kostspielig. Die Krankenkassen würden das nicht übernehmen. Und an die Rohstoffe heranzukommen, sei auch schwierig. Der Saft müsse haltbar gemacht werden und man müsse dafür sorgen, dass keinerlei bakterielle Verunreinigungen bei der Herstellung entstünden - ein kompliziertes Unterfangen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel sieht eine eigene Herstellung des Saftes in den Apotheken aktuell auch nur in Einzelfällen vor. Das Institut erklärt den Mangel mit einer außerordentlichen Nachfrage im Jahr 2022, die man sich nicht erklären könne. Nur wenn auf absehbare Zeit dieser Mangel nicht zu beheben sei, werde man eine Empfehlung für eine Herstellung des Saftes in den Apotheken selbst im großen Stil empfehlen. Doch noch wurde diese Empfehlung nicht herausgegeben. Fiebersaft für Kinder bleibt also auch weiterhin erst einmal Mangelware.

Apotheker aus Landau empfiehlt: Zäpfchen statt Fiebersaft

Doch was tun, wenn das Kleinkind Fieber hat? Wie Markus Moser von der Adler Apotheke in Landau erklärt, gibt es noch Alternativen - in Form von Zäpfchen. Als Alternative zu Medikamenten gibt es auch die Möglichkeit, lauwarme Wickel oder Waschlappen auf die Stirn zu legen und viel zu trinken.

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