Abgebrannte Böller vor Polizeiautos - in Koblenz-Neuendorf hatten Unbekannte Einsatzkräfte mit Feuerwerkskörpern attackiert. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Andreas Arnold)

Polizei setzt auf Super-Recognizer

Böllerangriffe an Silvester in Koblenz: Zwei Verdächtige ermittelt

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Nach den Angriffen auf Polizisten und Feuerwehrleute am Tag vor Silvester in Koblenz hat die Polizei erste Verdächtige identifiziert. Ein Beamter mit speziellen Fähigkeiten hilft dabei.

Nach den Attacken mit Feuerwerk auf Einsatzkräfte am Tag vor Silvester in Koblenz gibt es laut Polizei jetzt zwei Tatverdächtige. Weitere könnten im Laufe der Ermittlungen noch hinzukommen. Die Polizei hatte zur Aufklärung der Vorkommnisse eine eigene Ermittlungsgruppe gegründet.

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Schon mehr als 70 Hinweise nach Angriffen rund um Silvester

Bislang seien über 70 Hinweise eingegangen, die meisten von ihnen über ein spezielles Hinweis-Portal im Internet, auf dem auch anonym Fotos und Videos aus der Tatnacht auf den 31. Dezember 2022 hochgeladen werden können.

Koblenz

Polizei gründet in Koblenz Ermittlungsgruppe So verlief die Silvesternacht in der Region Koblenz

Nach zwei Jahren wurde im Norden des Landes wieder kräftig geböllert. Die Nacht verlief überwiegend ruhig. Eine Rakete flog in ein Wohnzimmer, und die Polizei wurde mit Böllern beschossen.

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Die Ermittlungsgruppe sei momentan dabei, diese Fotos und Videos auszuwerten, sagte Violetta Heinrich, Sprecherin der Polizei Koblenz, dem SWR. Sie bestehe aus Kräften der Kriminalpolizei und der Schutzpolizei, außerdem seien Experten für Jugendkriminalität mit dabei. Verstärkt wird die Gruppe demnach auch durch einen Beamten, der als sogenannter "Super-Recognizer" gilt.

Gehirnforschung Super-Recognizer vergessen kein Gesicht

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Super-Recognizer können besonders gut Gesichter erkennen

Super-Recognizer sind Menschen mit speziellen Fähigkeiten. Sie können sich besonders gut Gesichter einprägen und diese auch dann erkennen, wenn sie nur auf schlecht belichteten Fotos zu sehen oder halb verdeckt sind.

Diese Fähigkeiten des Super-Recognizers kämen nun zum Einsatz, weil die Fotos und Videos aus der Tatnacht in Koblenz-Neuendorf zum Teil nur schlecht belichtet seien.

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Offenburg

Beamte mit dem Wiedererkennungsgen Wenn die Spur ein Gesicht ist: "Super-Recogniser" in der Ortenau

Als drittes Polizeipräsidium in Baden-Württemberg setzt Offenburg Polizeibeamte mit außergewöhnlichem Wiedererkennungstalent ein. Sogenannte "Super Recogniser" helfen bei den Ermittlungen auf ganz besondere Weise.

Super Recognizer in der Ortenau im Einsatz

Sebastian Richau ist Kriminaloberkommissar im Bereich Cybercrime und digitale Spuren. Seine Arbeit bei der Kripo Offenburg dreht sich vor allem um Computersysteme, weniger um Menschen. Privat hat er aber hier und da bemerkt, dass er ein Talent für das Erkennen von Gesichtern hat - vor allem beim Anschauen von Filmen
Also ich konnte bei Filmen feststellen, dass wenn ich in irgendeiner Rolle jemanden gesehen habe, dass ich dieses Gesicht wiedererkenne. Wenn ich danach geguckt habe, wo der vielleicht vorher mitgemacht hat, und wenn’s fünf Jahre her war und vielleicht nur für fünf Sekunden eine Szene war, kann ich mich teilweise an diese Szene noch mit erinnern und weiß auch, okay, ich kenne dieses Gesicht.
Dass dieses Phänomen auf eine angeborene Fähigkeit zurückgeht, die nur ein bis zwei Prozent aller Menschen haben sollen, das hat Sebastian Richau allerdings erst durch Tests bei seinem Arbeitgeber erfahren. Nach Konstanz und Stuttgart hat sich Offenburg als drittes Polizeipräsidium im Land auf die Suche nach Beschäftigten mit dem sogenannten Wiedererkennungsgen gemacht. Philippe Kern Leiter der Arbeitsgruppe „Super Recognizer“:
„Gerade in Stuttgart war es so, dass die Super Recogniser nach der Krawallnacht in Stuttgart eingesetzt wurden und dort dann auch Erfolge erzielt werden konnten. Das war für uns natürlich dann eine interessante Geschichte. Da haben wir uns gedacht: Auf diesen Zug wollen wir aufspringen.“
Kern hat in Offenburg die Testphase koordiniert, in der sich mehr als 1.500 Beschäftigte prüfen lassen konnten. Die Tests dafür kamen von der Universität Greenwich in London. Sie enthielten hunderte Fotos und Videos, die verglichen und zugeordnet werden mussten. Recogniser Sebastian Richau schnauft, wenn er daran zurückdenkt.
„Das war sehr anstrengend. Es hat eine andere Art der Konzentration gefordert als man sie kennt. Also das hab ich vorher so noch nicht wahrgenommen und ich hab dazwischen auch immer mal wieder längere Pausen gebraucht, um wieder runterzukommen.“
Die Spezialität des Kripo-Beamten ist das sogenannte „Spotting“. Das heißt er ist sehr gut darin in einer Menge eine Person herauszufiltern. Andere Recogniser haben andere Schwerpunkte. Wo und wie sie künftig einmal eingesetzt werden, steht noch nicht fest. Philippe Kern:
„Super Recogniser“ können bei Fahndungsanlässen eingesetzt werden, genauso bei Überwachungseinsätzen, sprich bei Großveranstaltungen und Demonstrationen. Im Prinzip überall da, wo Gesichter, wo Personen wiederzuerkennen sind.“
Die ausgemachten „Super Recogniser“ kommen aus allen Bereichen des Präsidiums – von der Verkehrspolizei ebenso wie aus der Verwaltung. Künftig sollen sie bei Bedarf zu Ermittlungen dazu geholt werden. Sebastian Richau ist gespannt auf die neue Aufgabe. Doch auch Respekt ist dabei, vor der Verantwortung:
Ich freu mich auf die Aufgabe. Und gleichzeitig wird sich zeigen, wie das in der Realsituation dann aussieht. Da gibt’s ja eine gewisse Erwartungshaltung bei so einem Auftrag und da wird sich dann zeigen, wie gut man das dann kann.“

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