Schülerinnen und Schüler nehmen in einem Hallenbad am Schwimmunterricht teil.

Bildungsministerium startet Wettbewerb

In RLP sollen mehr Kinder in der Schule schwimmen lernen

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Dirk Rodenkirch
Dirk Rodenkirch

Das Bildungsministerium hat einen Schwimmabzeichen-Wettbewerb gestartet, damit mehr Kinder in Rheinland-Pfalz in der Schule schwimmen lernen. Ein Wettbewerb reiche dafür nicht, kritisiert die CDU.

Die Zahl der Nichtschwimmer unter Kindern ist in Rheinland-Pfalz seit Jahren sehr hoch. Laut DLRG gilt jedes dritte Kind im Land als Nichtschwimmer und jedes fünfte Kind als kein sicherer Schwimmer. Das Bildungsministerin versucht nun, mit einem Schwimmabzeichen-Wettbewerb das Interesse bei mehr Schülerinnen und Schülern zu wecken, schwimmen zu lernen. Im Hallenbad im rheinhessischen Gensingen wurde die Aktion am Donnerstag von Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) gestartet.

Nicht alle Schulen in RLP können Schwimmunterricht anbieten

Mitmachen können alle Klassenstufen zwischen eins und zehn. Ziel sei es, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler ein Schwimmabzeichen erwerben, so Hubig. Je mehr Abzeichen innerhalb einer Schule erworben würden, desto größer sei die Chance auf einen Gewinn. Der Wettbewerb ist mit 15.000 Euro dotiert.

Das Problem: An vielen rheinland-pfälzischen Schulen gibt es keinen oder keinen regelmäßigen Schwimmunterricht, weil sie kein Schwimmbad in erreichbarer Nähe haben. Das gilt vor allem für ländliche Regionen. Das gestand auch Ministerin Hubig ein: "Wir wissen auch, dass Schwimmen manchmal nicht gelingt, weil Wasserzeiten fehlen."

Warum können so wenige Schüler schwimmen?

Hubig: Schwimmkurse in Projektwochen oder Ferien anbieten

Es sei deshalb wichtig, dass Schulen auch alternative Lösungen finden, etwa indem sie Schwimmkurse in Projektwochen oder in Ferienbetreuungen ermöglichen. Nach Hubigs Angaben klappt es dort mit dem Schwimmunterricht der Schulen, wo Badbetreiber, Schulträger und Verbandsbürgermeister engagiert zusammenarbeiten.

Hubig berichtete von guten Erfahrungen, wenn die verschiedenen Akteure zu "Runden Tischen" zusammenkommen, um beispielsweise Schülerbeförderung oder Wasserzeiten auch schulübergreifend zu planen. Dies wolle man ausweiten und auch künftig durch das Ministerium unterstützen.

"Als großartiges Beispiel" nannte die Ministerin die Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen mit ihren beiden Schwimmbädern. Dort werde Schulschwimmen gut organisiert - für 17 Schulen und sechs Kindertagesstätten.

Das Hallenbad, in dem der Unterricht stattfindet, ist komplett ausgebucht, berichtet Achim Mattes, Betriebsleiter der Schwimmbäder: "Wir haben keine Möglichkeit mehr, noch Schulen aufzunehmen. Anfragen sind ununterbrochen da." Alle Lücken im Belegungsplan seien gefüllt, jetzt werde es problematisch.

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Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Rheinland-Pfalz kennt das Problem. Der Landesverband kann die Nachfrage nach Schwimmkursen kaum bewältigen, weil Wasserflächen im Land fehlen. Die Wartezeit für einen DLRG-Kurs betrage zwischen ein und zwei Jahren. Nach Angaben des Fachportals Bäderleben sind in Rheinland-Pfalz seit 2020 insgesamt 16 Hallen- und Freibäder geschlossen worden. Die DLRG fordert deshalb von der Landesregierung, Geld für den Bau neuer Bäder bereitzustellen.

CDU: RLP braucht eine echte Schwimm-Offensive

Als "alarmierend" bezeichnet die rheinland-pfälzische CDU-Landtagsfraktion die Situation der schulischen Schwimmausbildung im Land. Auch die CDU beklagt, dass es zu wenige Schwimmbäder gibt. Der jetzt gestartete Schwimmabzeichen-Wettbewerb sei nicht ausreichend, um die Lage zu verbessern. "Ein Wettbewerb ersetzt nicht den regelmäßigen Schwimmunterricht", so Jenny Groß, die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion.

Rheinland-Pfalz brauche eine echte "Schwimm-Offensive", fordert Groß. Dazu mache die CDU-Landtagsfraktion regelmäßig konstruktive Vorschläge, etwa den Einsatz mobiler Schwimmcontainer an den Schulen zur Wassergewöhnung für Schülerinnen und Schüler. "Echte Antworten, wie Kinder in Rheinland-Pfalz einen sicheren und angstfreien Umgang mit dem Element Wasser lernen sollen, bleibt die Landesregierung bis heute schuldig."

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