SWR-Interview mit Martin Daum, CEO von Daimler Truck.  (Foto: Pressestelle, Bild aus Daimler-Image Film zur IAA )

Chance für Standort Baden-Württemberg

Daimler Truck-Chef: "Wir müssen alle schneller werden"

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Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele (Foto: Dirk Bannert)
INTERVIEW
Geli Hensolt

Mehr grünen Strom fordert Daimler Truck-Chef Martin Daum anlässlich der IAA im Interview. Die Energiekrise zeige, dass wir den Ausbau erneuerbarer Energien rasant steigern müssen.

SWR Aktuell: Wie stark trifft Sie die Energiekrise?

Martin Daum: Die Energiekrise trifft Daimler Truck insofern, als das alles teurer wird - genau wie jedes andere Unternehmen auch. Die Energiekrise ist nicht gut, aber für uns lösbar: Weil wir keine energieintensive Produktion haben. Wir können ziemlich schnell von Erdgas auf Heizöl umstellen, wenn wir das dürfen. Dann werden wir das auch tun. Also von daher sind wir nur mittelbar von der Energiekrise betroffen.

SWR Aktuell: Welche Probleme hat Daimler Truck?

Daum: Unsere Herausforderungen sind die Reichweite und die Batteriekosten. Daran arbeiten wir intensiv. Aber genauso wichtig ist die Infrastruktur: Wir brauchen mehr grünen Strom. Wenn uns die jetzige Gaskrise eins gelehrt hat, dann dass wir zu wenig alternative Energien haben. Und hier muss ein Ausbau rasant und elementar sein. Dieser Strom muss nicht nur erzeugt werden. Er muss dorthin, wo der Lkw geladen werden muss.

"Wir brauchen mehr grünen Strom."

SWR Aktuell: Welche Projekte sind gerade besonders wichtig?

Daum: Daimler Truck arbeitet intensiv mit Energieunternehmen zusammen und sogar mit den Wettbewerbern. Wir haben mit der Traton Group und der Volvo Group zusammen ein Joint Venture gegründet, um viele Ladepunkte entlang den Hauptarterien in Europa aufzubauen. Da ist die Politik gefordert. Die politischen Ziele sind grundsätzlich toll. Wir verstehen uns mit den Spitzen der Politik wunderbar gut. Es muss nur die Umsetzungsgeschwindigkeit da sein. Es kann nicht sein, dass Projekte Jahre dauern, bis sie freigegeben werden. Wir müssen schneller werden in allen Belangen.

SWR Aktuell: Wie ist die Auftragslage?

Daum: Wir könnten deutlich mehr Lkw ausliefern, wenn wir alle Ersatzteile hätten. Da gibt es noch Lieferschwierigkeiten. Das Bestellverhalten unserer Kunden ist weiterhin hoch. Unser Auftragsbestand ist in Rekordhöhen. Von der Seite geht es Daimler Truck noch relativ gut im Moment.

"Unser Auftragsbestand ist in Rekordhöhen."

SWR Aktuell: Wie blicken Sie in die Zukunft?

Daum: Ich sehe viele Herausforderungen: Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben. Dabei sind die Energiekosten und die Löhne in Deutschland ganz wichtig. Wir müssen Innovationen fördern. Da ist der Staat gefragt. Wir dürfen uns nicht den Lebens-Ast abschneiden, indem wir denken, wenn man Lkw verbietet, dann wird die Umwelt besser. Wenn wir Lkw verbieten, dann hört unsere arbeitsteilige Wirtschaft auf und die Arbeitsplätze wandern woanders hin. Wir müssen zusammenarbeiten und nicht gegeneinander. Da gibt es viele Herausforderungen. Die gehen wir mit Optimismus und Zuversicht an.

SWR Aktuell: Wie läuft es in Weilheim?

Daum: Wir wollen in Weilheim das größte Brennstoffzellen-Werk Europas errichten, zusammen mit Volvo. Das ist eine tolle Möglichkeit, eine Chance für den Standort Baden-Württemberg. Die Landesregierung und sämtliche Parteien stehen voll dahinter. Wir haben einen Bürgerentscheid mit mehr als 70 Prozent für uns entschieden. Momentan geht es darum, dass wir alle Grundstücke bekommen, die wir brauchen. Es gibt ein paar wenige, die nicht verkaufen wollen. Wir können nur eine gewisse Zeit an Verzögerung akzeptieren.

SWR Aktuell: Wie ist der zeitliche Rahmen?

Daum: Die Zeit drängt: Das Auto muss 2026, 2027 auf die Straße. Wir müssen demnächst anfangen mit der Planung und dem Bau. Es wird in Weilheim eine gigantische tolle Fabrik mit einer komplett neuen Technologie, die ansonsten - ich würde sagen - nur in China verfügbar ist. Und wir können es hier in Europa in Baden-Württemberg möglich machen. Wenn wir diese Chance verstreichen lassen, würden wir noch viele Jahre hinterher trauern.

SWR Aktuell: Wie gut verkaufen sich E-Trucks?

Daum: Im Jahr 2021 hat Daimler Truck 714 Fahrzeuge mit E-Motoren verkauft und 455.000 Verbrenner. Das Verhältnis wird sich dann umkehren, wenn man eine entsprechende Infrastruktur hat und genügend grüne Energie. Es wird sich dann umkehren, wenn für unsere Kunden das Fahren mit E-Lkw günstiger ist als mit Verbrennern. Und es wird sich dann umkehren, wenn wir ein deutlich breiteres Produktangebot haben. Wir werden dieses Jahr definitiv mehr als doppelt so viele E-Fahrzeuge verkaufen. Das wird exponentiell bei uns hochgehen.

SWR Aktuell: Spielt die Optik beim Lkw eine Rolle?

Daum: Design und Effizienz schließen sich überhaupt nicht aus. Aerodynamik ist ganz wichtig für den Verbrauch: beim E-Lkw genauso wie beim normalen, konventionellen Lkw. Besserer Verbrauch erlaubt größere Reichweiten bei der gleichen Batterie. Und zum anderen ist es doch einfach toll, in einem schönen Produkt zu fahren. Ist doch besser als in einem hässlichen Produkt zu sitzen. Wir sind stolz darauf, wie gut unsere Produkte aussehen.

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