Marie Gediehn (Foto: SWR, Patricia Neligan )

"Zwei Minuten": Die Kolumne zum Wochenende

Meinung: Es geht um die Wurst

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Endlich Sommerwetter, endlich wieder Grillen, aber Achtung: In Deutschland wird um die Wurst auch gerne und erbittert gestritten, meint Marie Gediehn.

Eine Bratwurstbude sei die Schriftstellervereinigung PEN, sagt der Journalist Deniz Yücel. Und da wolle er nicht mehr Präsident sein. Jetzt fühle ich mich eigentlich nicht recht berufen, meinen Senf dazuzugeben, aber nur dieser winzige Gedanke: Eine Bratwurstbude ist doch per se kein Ungemach.

Die Kolumne von Marie Gediehn können Sie hier auch als Audio hören:

Gut, Präsidenten, Beisitzer und Kassenwarte gibt’s da selten. Aber insgesamt kommt es mir so vor wie in dem Fall mit dem ukrainischen Botschafter Melnyk, Bundeskanzler Scholz und der beleidigten Leberwurst. Und ich möchte lediglich anmerken, quasi als Advocatus Carnivorus: Die arme Wurst kann doch nichts dafür!

Fleisch-lastige Verbalattacken

Streiten in Deutschland ist offenbar nichts für vegan-besaitete Seelen. Männer, so scheint es gerade, tragen ihre Verbalattacken eher fleisch-lastig vor, wenn sie sich auf den Schlips getreten fühlen. Salamitaktik wird ja dem Gegner auch gerne vorgeworfen. Oder klargestellt, es gehe jetzt um die Wurst.

Fester Bestandteil der politischen Kommunikation: die Bratwurst (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Nicolas Armer)
Fester Bestandteil der politischen Kommunikation: die Bratwurst Nicolas Armer

Da wir ja eh gerade viele alte Gewissheiten überprüfen, vieles neu denken, uns von bestimmten Annahmen verabschieden müssen, egal ob wegen Klima, Krieg oder Pandemie: Vielleicht sollten wir einfach auch etwas, nun ja, ernährungstechnisch gesehen, ausgewogener schimpfen und argumentieren. Wäre gut fürs Gesprächsklima!

Immerhin nicht beleidigt

Und die beleidigte Leberwurst? RTL hat diese Woche hochinvestigativ gefragt: Kann der Kanzler Krise? Und trotz der, sagen wir, simplen Fragestellung war der Regierungschef erstaunlich gefasst als Gast dieser Sendung. Nun ja, nicht gerade Funken sprühend, aber eben auch nicht beleidigt. Ist doch schon mal was.

Und im Bundestag hat er ja dann nochmal mit für seine Verhältnisse großer Geste erklärt, man lasse niemanden allein, angesichts von Krieg und Krise. Der ganz große Wurf war diese Rede jetzt auch nicht, da waren sich alle einig in Berlin. Aber wie hat es Kevin Kühnert so schön gesagt: Am Ende müsse der Kanzler eben nicht den Ingeborg-Bachmann-Preis gewinnen, sondern regieren.

Hier gehört der Senf dazu

Und der PEN? Naja, die sollen ja schon eher schön schreiben und dürfen da auch gerne Preise für gewinnen. Und ja klar, die sollen ruhig auch streiten und diskutieren, aber eben vielleicht nicht ganz so beleidigt und beleidigend. Schließlich müssen sie ja dafür auch nicht regieren, die Autorinnen und Autoren. Sie sollen halt einfach ihren Senf dazu geben, denn ohne schmeckt die Wurst eben auch nicht so richtig gut.

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