Auch Mut in der Forschung wird geehrt

BW-Wissenschaftsministerium vergibt Landesforschungspreis

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In diesem Jahr geht die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung an eine Physikerin aus Karlsruhe und einen Heidelberger Krebsforscher.

Gewürdigt werden laut Wissenschaftsministerium Anke-Susanne Müller vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Stefan Pfister vom Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ). Die mit jeweils 100.000 Euro verbundene Auszeichnung für Spitzenleistungen in der Grundlagenforschung und in der Angewandten Forschung gilt als höchstdotierter Forschungspreis eines Bundeslandes. Er wird alle zwei Jahre verliehen.

Porträt der Physikerin Anke-Susanne Müller vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Landeswissenschaftspreis für Anke-Susanne Müller vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Ministerium ehrt auch Mut in der Wissenschaft

Auch ein Preis für mutige Wissenschaft wird in diesem Jahr wieder vergeben: Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung teilen sich die Wirtschaftswissenschaftlerin Katrin Schmelz (Universität Konstanz) und die Archäologin Sireen El Zaatari (Universität Tübingen). "Beide erfahren weltweit allerhöchste Hochachtung", sagte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) am Donnerstag in Stuttgart über die Forschungspreisträger. Wissenschaft, Forschung und Innovation lebten zudem immer vom Mut, neue Wege einzuschlagen. Deshalb würden auch Schmelz und El Zaatari ausgezeichnet. Mit dem Geld können die Preisträger ein Forschungsvorhaben ihrer Wahl angehen, wie es weiter hieß.

Ministerium spricht von "bahnbrechenden Beiträgen"

Die 50-jährige Physikerin Anke-Susanne Müller leitet das Institut für Beschleunigerphysik und Technologie des KIT und beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Teilchenbeschleuniger effizienter und energiesparender betreiben lassen. Müller und ihr Team hätten "bahnbrechende Beiträge zur Erzeugung von hochintensiven, ultrakurzen Elektronenpaketen in Teilchenbeschleunigern geleistet", lobte das Ministerium. Sie hätten unter anderem Hardware- und Softwarekomponenten entwickelt, mit denen Teilchenstrahlen auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz kontrolliert werden können.

Der 48-jährige Krebsforscher Stefan Pfister hat sich einen Namen gemacht durch das Erforschen und Entwickeln neuer Diagnose- und Therapieverfahren bei kindlichen Hirntumoren. Mit seinem Team am Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ, am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) entwickelte er Software-Pakete mit künstlicher Intelligenz, durch die Hirn- und andere Tumoren sehr präzise molekular klassifiziert werden können.

Extra Preis für Forschung unter schwierigen Bedingungen

Auf kontroverse Fragen zur Corona-Politik hat sich die Konstanzer Psychologin Katrin Schmelz eingelassen. Mit ihrer Verhaltensforschung hat die 44-Jährige gezeigt, dass einige - aber nicht alle - Maßnahmen Widerstand in der Bevölkerung auslösen können, wenn sie verpflichtend durchgesetzt werden. Dadurch könnten diese Maßnahmen die freiwillige Bereitschaft untergraben und letztlich kontraproduktiv sein.

"Ihre Forschung stellt die Grundannahmen ihrer Disziplin in Frage", lobte das Ministerium. Auch zu verpflichtenden Klimaschutzmaßnahmen hat Schmelz geforscht und herausgefunden, dass sie mehr Widerstand hervorrufen können als beispielsweise eine Corona-Impfpflicht.

"Die Leute wollten, dass ich mich positioniere. Meine Forschung hat aber sowohl das Pro als auch das Contra der Maßnahmen aufgezeigt, insbesondere bei der Impfpflicht." 

Archäologin führt Feldstudien im Libanon

Die im Libanon aufgewachsene Forscherin Sireen El Zataari will als Archäologin die durch den Krieg beendete paläolithische Forschung in ihrer Heimat wiederbeleben. Dafür führt sie unter schwierigen politischen und sozialen Bedingungen Feldstudien durch. "Wir konnten uns bereits vergewissern, dass es im Libanon ein großes Potenzial für die Forschungsarbeiten und neue Funde gibt", sagt die 45-Jährige. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir unser Wissen über die Wanderungen unserer Vorfahren über die Kontinente der Alten Welt - Afrika, Asien und Europa - erweitern können."

Landesforschungspreis hat lange Tradition

Der Landesforschungspreis wird seit 1989 verliehen. Preisträger und prämierte Wissenschaftlerinnen kamen bislang aus den Bereichen Biologie oder Finanzwissenschaft, ebenso wie aus der Paläoanthropologie oder der Erforschung der Künstlichen Intelligenz. Das Ministerium verleiht den Landesforschungspreis im jährlichen Wechsel mit dem Landeslehrpreis.

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