Wasserstoffzug vom Typ "Coradia iLint" des Herstellers Alstom

Klimaneutraler Umbau

Gutachten: Wasserstoffzüge im BW-Regionalverkehr keine Alternative

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Der regionale Schienenverkehr im Land soll klimaneutral werden und ohne Dieselantriebe auskommen. Ein Gutachten zeigt jetzt: Wasserstoffzüge kommen als Ersatz dafür nicht in Frage.

Baden-Württemberg soll bis 2040 klimaneutral werden. Deshalb will das Land im Regionalverkehr möglichst schnell von konventionellen Dieseltriebfahrzeugen umsteigen auf emissionsfreie Antriebe. Eine Studie, die das Verkehrsministerium in Auftrag gegeben hat, empfiehlt nun, bei diesem Umstieg nicht auf Wasserstoffzüge zu setzen. Auf vielen Streckenabschnitten, die noch keine Oberleitungen haben, sollen vielmehr sogenannte Batterie-Hybrid-Züge die klimaschädlichen Dieselantriebe ersetzen. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) stellte die Studie am Montag in Stuttgart vor.

Bau von Oberleitungen langwierig und teuer

"Damit das Land seine Klimaziele im Verkehrssektor erreicht, muss auch auf der Schiene der Dieselantrieb möglichst bald der Vergangenheit angehören", sagte Hermann. Der elektrische Antrieb mittels Oberleitungen sei nach wie vor die beste Methode. Der Bau von neuen Oberleitungen dauere aber lange und sei teils sehr teuer, daher brauche es auf einigen Abschnitten alternative Antriebe. Neben den konventionellen elektrischen Zügen, die mit Strom aus der Oberleitung angetrieben werden, wurden in dem Gutachten deshalb zwei weitere Antriebe betrachtet: Batterie-Hybrid-Züge, deren Batterien auf Streckenabschnitten mit Oberleitungen aufgeladen werden müssen und Wasserstoff-Hybrid-Züge, für die entsprechende Tankstellen nötig wären.

Batteriezüge setzen sich bei Gutachten durch

Das Ergebnis: In keinem der 16 untersuchten Streckenabschnitte konnte sich die Wasserstoff-Technologie durchsetzen. Die Kosten seien hoch und grüner Wasserstoff sei nur begrenzt verfügbar, sagte Hermann. Auf den meisten Strecken, vornehmlich im Nordosten rund um die Tauberbahn und ihren Nebenstrecken, rund um die Donauachse von Ulm nach Tuttlingen, sowie auf der Strecke von Pforzheim nach Horb empfahlen die Gutachter Batteriezüge. Nur auf fünf Streckenabschnitten befürworten sie einen Ausbau der Oberleitungen.


Die Grundidee bei der Batterielösung: Spezielle Züge, die eine Batterie im Dach oder Boden verbaut haben, können auch auf Strecken ohne Oberleitung elektrisch fahren und die Batterie dann in Abschnitten mit Oberleitung wieder aufladen. Als erstes sollen batterieelektrische Fahrzeuge auf der Ortenau-Bahn an den Start gehen, und zwar ab Dezember 2023. Die Empfehlungen der Studie will Verkehrsminister Hermann von den Grünen in einer Anhörungsphase mit den jeweiligen Regionen besprechen und erst dann die Züge bestellen. Die Lieferzeiten der Hersteller seien allerdings schwer einschätzbar so der Verkehrsminister.

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SWR