Interview mit Mitorganisator Hans Peter Thomas

150. Treffen des Ulmer Stammtischs für Querschnittgelähmte mit Samuel Koch

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Anita Schlesak
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Maren Haring (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Der Ulmer Stammtisch für Querschnittgelähmte trifft sich seit 2009, um Betroffenen zu helfen und Mut zu spenden. Am Dienstag war ein "Jubiläums-Stammtisch".

Die Mitglieder des Stammtischs treffen sich traditionell in Seligweiler bei Ulm. Am Dienstag war das 150. Treffen, und dieses Mal mit dabei war Samuel Koch.

Beim Ulmer Stammtisch für Querschnittgelähmte war Samuel Koch zu Gast: Der junge Schauspieler war in der Fernsehshow "Wetten, dass...?" schwer gestürzt und ist seitdem querschnittgelähmt. (Foto: Wolfgang Frisch)
Beim Ulmer Stammtisch für Querschnittgelähmte war Samuel Koch zu Gast: Der junge Schauspieler war in der Fernsehshow "Wetten, dass...?" schwer gestürzt und ist seitdem querschnittgelähmt. Wolfgang Frisch

Der junge Schauspieler war in der Fernsehshow "Wetten, dass...?" schwer gestürzt und ist seitdem querschnittgelähmt. Mitorganisator des Ulmer Stammtischs ist Hans Peter Thomas.

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SWR: Herr Thomas, Sie haben im Rollstuhl den Weg zu uns ins Studio gefunden, war dieser Weg für Sie leicht oder ein Hürdenlauf?

Hans Peter Thomas: Leicht. Das bin ich gewohnt, seit 41 Jahren, deswegen ist es für mich keine Hürde gewesen, zu Ihnen ins Studio zu kommen. 

Sie fahren auch Auto. 

Ja, ich fahre auch Auto. Mein Gas und meine Bremse sind an der rechten Hand, das kann man eigentlich mit einem Finger bedienen, so einfach ist das. 

Sie feiern als Verein den 150. Stammtisch für Querschnittgelähmte im Rasthof Seligweiler an der A8. Was bedeutet Ihnen persönlich die Begegnung mit Samuel Koch?

Der Samuel, natürlich ist das ein blöder Unfall gewesen, damals bei "Wetten, dass...?". Ich finde es gut, was er macht und vor allem ist durch ihn natürlich auch die Öffentlichkeitsarbeit größer geworden, ist natürlich besser. Und da sind wir nicht unglücklich darüber, dass es ein bisschen nach außen getragen wird, das Thema Querschnittlähmung. 

Den Stammtisch gibt es seit 2009, das ist damals eine absolute Neuheit gewesen in Deutschland, dass sich Querschnittgelähmte so treffen. Wie wichtig ist Ihnen der Austausch mit anderen Menschen? 

Der ist mir von Anfang an schon sehr wichtig gewesen. Zu meiner Zeit, 1981 auf der ersten Reha, war es ja auch so, dass ich mich an anderen, die schon länger im Stuhl gesessen sind, an denen hab ich mich aufgerichtet und die haben mich auch motiviert.

Und genauso ist es jetzt da eben auch, dass wir aktuelle Patienten von der Klinik zum Stammtisch nach Seligweiler fahren (vor Corona, derzeit geht es nicht), damit sie dort ein bisschen Normalität erleben dürfen, dass sie alte Hasen treffen, die ihnen ihre Fragen beantworten. Wir stehen den Leuten zur Seite mit unserer Erfahrung, mit Tipps und Tricks und es ist die ideale Plattform, um Informationen, Neuigkeiten und Verbesserungen zu erfahren. 

Sie sagen, Sie sind ein alter Hase, seit 41 Jahren im Rollstuhl, und wirken auf mich wie das blühende Leben. Was hat Ihnen geholfen, mit der Lähmung gut klar zu kommen, was war das Entscheidende? 

Der Sport. Der Sport hat mir meine eigene Leistungsfähigkeit wieder gezeigt. Und natürlich sucht jeder in seinem Leben nach Anerkennung, gerade in der Situationen zu Anfang einer Querschnittlähmung, und da war der Sport einfach die Brücke, die alles miteinander verbunden hat. 

Handbike fahren ist eine der Sportarten...

Das ist eine Art Fahrrad, das man mit den Händen antritt. Das hat auch eine E-Unterstützung. Wir waren jetzt am Wochenende in Füssen, meine Lebensgefährtin und ich, und sind dann auf die Alm hochgefahren. Also wir fahren richtig Alpenpässe hoch, richtig in die Berge. Das gibt eine Freiheit, ein Gefühl, man kann wieder hochfahren auf die Berge, mit der eigenen Muskelkraft, ohne dass man einen Aufzug braucht. Ich kann sagen, ich bin ein glücklicher Mensch, auch mit der Querschnittlähmung. 

Diese Energie, in diesen Mut geben Sie im Krankenhaus weiter. 

Das versuchen wir. Ein Kollege und ich, wir sind zu zweit am RKU. Wir versuchen, die Jungs oder Mädels zu motivieren. Wir gehen in die Stadt, wir gehen zum Essen, wir gehen ins Kino, wir gehen auf den Stammtisch, wenn es möglich ist wegen Corona. Wir fahren auf Jazz-Festivals, wir machen alles Mögliche mit dem Patienten. Wir können ja niemandem was abnehmen. Aber wenn wir es schaffen, wieder ein ehrliches Lächeln ins Gesicht zu zaubern, dann ist es genau das, womit wir uns wohl fühlen.