Frischgebackenes Brot (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Lukas Schulze)

Wie viel ist für eine Brezel noch ok?

Traditionsbäckerei in Tübingen schließt - Kosten machen Bäckereien zu schaffen

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Luisa Sophie Klink

Erst Corona, dann der Ukraine-Krieg - viele Bäckereien stecken in der Krise. Öfen müssen geheizt, Personal bezahlt und Zutaten gekauft werden. Nicht jeder Bäcker kann da mithalten.

Die Bäckerei Schneck im Tübinger Teilort Hagelloch hat den aktuellen Krisen nicht mehr Stand halten können. Die vielen Preiserhöhungen im Energie- und Lebensmittelbereich stellt auch andere Bäckereien momentan vor große Herausforderungen. Das Problem: viele Menschen haben in gewissen Bereichen eine Schmerzgrenze beim Preis. Insbesondere bestimmte Lebensmittelbetriebe wie Eisdielen oder Bäckereien haben es aktuell schwer, denn Eis oder Backwaren gibt es wesentlich günstiger beim Discounter zu kaufen.

Nach fast 100 Jahren muss Bäckerei Schneck schließen

Dass immer weniger Kunden kommen und der Umsatz trotz zweimaliger Preiserhöhung in diesem Jahr nicht steigt, hat Andreas Schneck, Chef der Traditionsbäckerei deutlich zu spüren bekommen. Es rechne sich in der Zukunft nicht mehr, erklärten ihm Vermögensberater.

Andreas Schneck ist wehmütig, denn er ist mit der Bäckerei aufgewachsen. In der aktuellen Situation denkt er öfter an das Lebenswerk seines Großvaters. Die Bäckerei existiert seit fast 100 Jahren in der dritten Generation, doch Schneck hat auch Verantwortung: "Ich bin der Chef, ich muss an meine Mitarbeiter und meine Familie denken." Noch rechneten sich die Preise, aber in der Zukunft sehe es düster aus.

Bäckerei Schneck (Foto: SWR, Luisa Klink)
Nach 92 Jahren muss Andreas Schneck auch seine beiden letzten Filialen schließen. Luisa Klink

Kein Platz für Maschinen

Besonders die kleinen Bäckereien mit einer Handvoll Filialen hätten es schwer. Eine Brezelschlinger-Maschine beispielsweise macht laut Schneck in der Stunde um die 1.500 Brezeln. Er selbst muss für diese Menge drei Mitarbeiter bezahlen, die von Hand die Brezeln schlingen: "Da wird's dann eng."

"Bei uns ist alles Handarbeit, wir haben gar keinen Platz für Maschinen."

Bäckermeister Beck bleibt optimistisch

Heiner Beck, Chef der Familienbäckerei Beckabeck in Römerstein (Kreis Reutlingen), bleibt trotz der aktuellen Situation optimistisch. Auch sein Betrieb musste die Preise schon erhöhen. Statt 85 Cent kostet eine Brezel jetzt 90 Cent. Dies sei kostendeckend und am Ende bliebe sogar noch etwas übrig. Momentan sei Unternehmergeist gefordert. Ihn störe das allgemeine Gejammer der Branche. Nicht jeder Betrieb stehe gleich schlecht da und müsste die Preise so erhöhen.

"Ich habe manchmal das Gefühl, dass viele auf der Welle mitschwimmen und das ärgert mich."

Transparenz ist Bäcker Beck wichtig. Er möchte ehrlich zu seinen Kunden sein: "Wenn ich nochmal erhöhe, dann brauche ich den Preis - jetzt aktuell ist er gut." Dass sich das Kaufverhalten der Kunden geändert hat, merkt er allerdings. Die Leute kauften bewusster ein und es würde auch nicht mehr so viel weggeschmissen.

Bäcker Beck - Heiner Beck, Bäckermeister Römerstein-Böhringen (Foto: SWR)
Familienoberhaupt Heiner Beck ist Bäcker mit Leidenschaft. Verträge per Handschlag, regionale Bio-Produkte und kaum Investitionen in Verwaltung - das ist seine Philosophie.

In Pfullingen will man kleinen Bäckereien die Treue halten

Eine SWR Umfrage auf dem Marktplatz in Pfullingen (Kreis Reutlingen) ergab, dass die meisten Menschen vor allem kleinen Bäckereien treu bleiben wollen. Sie schätzen das Handwerk und die Qualität. Dennoch spielt der Preis bei den meisten eine Rolle. Die Schmerzgrenze für eine Brezel lag ungefähr bei einem Euro.

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