Industriestandort im Hochschwarzwald wirbt um Auszubildende

Praktikumswoche in Eisenbach: Unternehmen suchen händeringend Nachwuchs

Stand

Von Autor/in Jessica Hans

In Eisenbach im Hochschwarzwald buhlen jedes Jahr 18 Betriebe um neue Auszubildende. Weil das immer schwieriger wird, haben sich sieben von ihnen etwas einfallen lassen.

Ob Schreiner, Metzger, Industriemechaniker, Kunststofftechnologe oder Heizungsbauer - die Auswahl an Ausbildungen und dualen Studiengängen ist groß in Eisenbach (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). In der beschaulichen Gemeinde sind drei der wichtigsten deutschen Mittelständler angesiedelt. Dennoch leiden die Firmen auch dort unter Azubi-Mangel. So wie fast jedes zweite deutsche Unternehmen, laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer aus dem Jahr 2023.

Für die Ferienzeit haben sich die Betriebe etwas einfallen lassen

Auf der Suche nach Auszubildenden haben sich die Unternehmen in Eisenbach was einfallen lassen: eine Praktikumswoche. Dabei lernen Jugendliche an drei Tagen drei verschiedene Betriebe kennen. Hier können sie mit anderen Auszubildenden ins Gespräch kommen, gewinnen Einblicke in die Abläufe und am Ende der Praktikumswoche lockt noch ein gemeinsamer Event.

Metzgerei bietet viel und sucht dennoch verzweifelt

Viel Hoffnung in die Praktikumswoche setzt die Metzgerei Fritz. Hier ist der Azubi-Mangel schon seit mehreren Jahren allgegenwärtig. Wenn einmal im Jahr eine Bewerbung kommt, sei das wie ein Sechser im Lotto, berichtet Metzgermeister Martin Fritz. Auch wenn jemand neu anfängt, sei das keine Garantie: Sein letzter Lehrling habe nach nur drei Tagen die Ausbildung abgebrochen. Dabei biete die Metzgerei eine bessere Bezahlung als branchenüblich und sogar einen Dienstwagen.

Praktikant Enrico Heitzmann hängt frische Würste auf.
Praktikant Enrico Heitzmann hängt frische Würste auf. Bild in Detailansicht öffnen
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Eine Bewerbung ist schon ein Sechser im Lotto und wenn mal einer bleibt, wäre das ein Doppelsechser.

An jedem der drei Praktikumstage empfängt Fritz zwei Praktikanten. An der Aktion können Schüler und Schülerinnen ab 14 Jahre teilnehmen. Am ersten Tag konnten die Neuntklässler Enrico Heitzmann und Jonas Laule aus Eisenbach Würste auffädeln und die Mitarbeiter dabei beobachten, wie ein Schwein zerlegt und daraus Wurst und Schinken gemacht wird.

Auch Top-Unternehmen kämpfen um Nachwuchs

Auch der Getriebehersteller GSC Schwörer würde sich über mehr Bewerbungen freuen. Hier darf Rebecca Mügge aus Lenzkirch (Kreis Breisgau-Hochscharzwald) ihr eigenes Mühle-Spiel ins Metall fräsen. Für die 15-Jährige steht fest: Nach dem Abi will sie eine technische Ausbildung machen. Ihr Interesse hat die Firma auf jeden Fall geweckt und vielleicht schon eine zukünftige Auszubildende gefunden.

Das dürfte Ausbildungsleiter Markus Dannecker freuen. Zwar bekam das Familienunternehmen bisher noch alle Ausbildungsplätze besetzt, aber die Nachfrage sinke auch bei der viertgrößten Firma des Ortes, berichtet er.

Praktikantin Rebecca Mügge fräst ihr eigenes Mühle-Spiel in eine Metallplatte.
Praktikantin Rebecca Mügge fräst unter Aufsicht von Ausbildungsleiter Markus Dannecker ihr eigenes Mühle-Spiel in eine Metallplatte. Bild in Detailansicht öffnen
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Das liege zum einen am Standort, der abgelegenen Lage, aber auch an den steigenden Ansprüchen der jungen Generation. Eine Vier-Tage-Woche sei in der Industrie schwer umsetzbar - da komme man schlecht auf einen Nenner.

Große Hoffnungen bei den Unternehmen

Insgesamt sieben Eisenbacher Unternehmen haben sich zusammengeschlossen und bieten in diesen Sommerferien erstmals eintägige Praktika für die Schülerinnen und Schüler an. Ob es etwas bringt, wird man erst in ein paar Jahren sehen. Bis dahin eint sie die Hoffnung, junge Menschen so wieder fürs Handwerk begeistern zu können.

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