Schieß-Simulatoren und Roboter

Ukraine-Krieg: Höhere Nachfrage nach Waffen- und Militärtechnik aus der Region Stuttgart

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AUTOR/IN
Michael Lehmann

Kaum jemand weiß, wie viele Firmen in der Region genau Militär-Produkte herstellen. Die Branche ist zurückhaltend. Aber manche sprechen von höherem Ansehen durch den Krieg.

Es war eine historische Entscheidung aufgrund eines historischen Ereignisses, als der Bundestag aufgrund des Ukrainekriegs die Aufrüstung der Bundeswehr mit einem Volumen von 100 Milliarden Euro beschloss. Der Technologiekonzern Thales Deutschland mit Hauptsitz in Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) berichtet infolge des Kriegs von stärkerer Nachfrage nach seiner Rüstungstechnik.

Ein Produktfoto von Thales mit Sitz in Ditzingen zeigt einen Träger eines Nachtsichtgeräts. (Foto: Pressestelle, Pressestelle Thales )
Thales mit Sitz in Ditzingen stellt unter anderem Nachtsichtgeräte her (Produktfoto von Thales). Pressestelle Pressestelle Thales

Thales-Sprecher Marx zeigt sich erfreut, dass sich die öffentliche Wahrnehmung verändert hat und die Industrie "ein bisschen ihr Schmuddel-Mäntelchen verliert", wie er sagt:

"Es ist sicherlich positiv zu bewerten, dass (...) die Leute auch hinter uns stehen, da gab´s natürlich auch andere Zeiten."

Doch angesichts der Bilder aus der Ukraine verbiete es sich natürlich, sich über gestiegene Umsätze zu freuen, stellt er zugleich klar. Das Unternehmen berichtet allgemein von Gesprächen mit möglichen Kunden, beispielsweise mit Vertretern von Ministerien. "Wir haben aber, Stand heute, keinen dementsprechenden Auftrag“, sagt der Thales-Sprecher im Juli im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg.

Kauft jetzt die Bundeswehr auch in Ditzingen mehr ein?

Durch das 100-Milliarden-Euro-Paket für die Bundeswehr könnte ein Teil der damit verbundenen Rüstungs-Aufträge schließlich auch in Ditzingen landen. Dort wird beispielsweise auch Entschlüsselungstechnik und Nachtsichtgeräte produziert und gewartet. Thales-Sprecher Marx spricht von einem großen "Nachholbedarf in der Truppe".

In Ditzingen arbeitet demnach rund jede und jeder vierte Beschäftigte im sogenannten "Defence"-Bereich, was umgerechnet etwa 400 der 1.600 Mitarbeitenden sein dürften. Zu dieser Unternehmenssparte gehören nach Angaben eines Sprechers Funk- oder Radargeräte.

Thales-Sprecher Pitt Marx (Foto: Pressestelle, Pressestelle Thales )
Thales-Sprecher Pitt Marx Pressestelle Pressestelle Thales

"Wir machen aber auch Simulationen für die Bundeswehr im Bereich `Schießsimulator` oder auch Hubschrauber-Simulatoren."

Außerdem arbeitet der Konzern in Norddeutschland in einem sogenannten "Naval-Bereich" an Marine-Technik, wo es sowohl um Funk und andere Kommunikation geht, aber auch um Waffen-Einsatzsysteme - "das ist sozusagen das Gehirn eines Schiffes“, erklärt der Konzernsprecher.

Menschen sitzen in einem Simulator (Produktfoto von Thales) (Foto: Pressestelle, Pressestelle Thales )
Auch Simulatoren gehören zum Angebot des Herstellers aus Ditzingen (Produktfoto Thales). Pressestelle Pressestelle Thales

Roboter "made in Ostfildern" entschärfen Bomben

Das Unternehmen "Telerob" in Ostfildern (Kreis Esslingen) wiederum stellt beispielsweise Roboter zur Bombenentschärfung her. Eine Sprecherin sagt dem SWR auf Nachfrage, diese Roboter seien nicht in direkten Kriegshandlungen im Einsatz, weshalb habe der Ukraine-Krieg auf die Firma in der Nähe des Landesflughafens keine direkten Auswirkungen habe.

Branche spricht ungern über Rüstungsprojekte

Wie viele Unternehmen aus der Region Stuttgart genau direkt beteiligt werden, wenn der Fahrplan zur Bundeswehr-Modernisierung beschlossen ist, das wird die Öffentlichkeit wohl nicht erfahren. Einige Firmen halten sich völlig bedeckt und sprechen nicht über Umsatzzahlen im Rüstungsbereich. Möglicherweise lässt sich die Zurückhaltung der Unternehmen, über ihre Rüstungsprojekte zu sprechen, zum Teil auch damit erklären, dass das Thema jahrzehntelang verpönt war.

Auf den Internet-Seiten dieser Firmen wird allerdings zum Teil recht genau beschrieben, welche Art von Rüstungstechnik im Angebot haben. Bei "Kärcher Future Tech" mit Sitz in Schwaikheim bei Winnenden (Rems-Murr-Kreis) sind es demnach Feldlager oder Systeme, die Kampfstoffe dekontaminieren und dadurch unschädlich machen sollen.

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