Eine Krankenschwester spricht mit einer Seniorin.

Rund 600 Auszubildende weniger als 2021

Fachkräftemangel in BW: Weniger Azubis in Pflegeberufen

Stand

Der Fachkräftemangel in der Pflege könnte sich weiter verschärfen. Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung zur Pflegekraft. Gleichzeitig steigt der Bedarf.

Im vergangenen Jahr sind weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als im Jahr davor. Allein in Baden-Württemberg haben knapp 600 Menschen weniger einen Ausbildungsvertrag in der Pflege abgeschlossen, als 2021. Das sei nach vorläufigen Zahlen ein Rückgang um neun Prozent, berichtete das Statistische Bundesamt am Dienstag. Insgesamt wurden 2022 somit knapp 5.900 Verträge abgeschlossen.

Frauenanteil bei Azubis in der Pflege liegt bei 76 Prozent

Bundesweit gab es 2022 rund 4.000 weniger neue Azubis als im Jahr 2021 - nach vorläufigen Zahlen ein Rückgang um sieben Prozent. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 146.500 Menschen in der Ausbildung zum Beruf der Pflegefachfrau beziehungsweise des Pflegefachmanns. Der Frauenanteil der Auszubildenden lag den Angaben zufolge bei 76 Prozent.

Es gebe allerdings noch Datenlücken, die vollständigen Zahlen werden voraussichtlich im Sommer vorliegen, hieß es. Während unter anderem Bremen, Rheinland-Pfalz und Sachsen davon ausgingen, dass es zu keinen größeren Abweichungen zwischen vorläufigen und endgültigen Ergebnissen kommt, gebe es bei den Ergebnissen in einigen anderen Bundesländern derzeit noch erhebliche Unsicherheiten.

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Pflegefachkraftmangel verschärft sich weiter

Ein weiteres Problem: Bis 2055 wird laut Statistischem Bundesamt die Zahl pflegebedürftiger Menschen um 37 Prozent zunehmen. Allein in Baden-Württemberg werden laut einer Studie der Krankenkasse Barmer aus dem vergangenen Jahr bis 2030 über 700.000 Menschen auf pflegerische Hilfe angewiesen sein. Dafür seien 4.000 zusätzliche Pflegekräfte nötig. Grund ist laut der Krankenkasse die demografische Entwicklung: Die Zahl der jungen Menschen sinkt, die der Älteren steigt deutlich an.

FDP: "Pflegenotstand muss vermieden werden"

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Jochen Haußmann, erklärte am Dienstag zu den neusten veröffentlichten Zahlen: "Die Zahlen geben Anlass zur Sorge und offenbaren den dringenden Handlungsbedarf." Die FDP habe bereits vergangenes Jahr ein Maßnahmenprogramm für Baden-Württemberg präsentiert. Darin fordere man unter anderem, "dass die Ausgestaltung der generalistischen Pflegeausbildung auch in Teilzeitform endlich vorangetrieben wird. Die Vereinbarkeit von Familienaufgaben - wie beispielsweise Kinderbetreuung oder die Pflege naher Angehöriger - mit der Berufsausbildung erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und erleichtert den Ausbildungszugang."

"Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt enorm an, das Personal fehlt, der Mix verschiedener fachlicher Qualifikationen ändert sich, die Kosten steigen - das ist die heutige Situation in der Altenpflege im Land."

Darüber hinaus müsse die Attraktivität der einjährigen Pflegeausbildung beibehalten und weiter gesteigert werden, zum Beispiel "durch Anrechnung von Leistungen für die generalistische Ausbildung." Man dürfe nicht auf einen Pflegenotstand zusteuern, so Haußmann weiter. Das Innenministerium solle prüfen, ob Beschäftigte aus Drittstaaten für die Zeit ihrer Ausbildung zum Pflegeberuf eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen können, mit der sie auch den Arbeitsplatz wechseln und mit der Ausübung ihres Berufes beginnen können. "Auch die Zeit bis zur Ausstellung eines Abschlusszeugnisses darf nicht zu einem Beschäftigungsverbot führen."

Pflegefachkraftmangel in Heilbronn spürbar

Dass schon jetzt immer weniger Pflegefachkräfte in Einrichtungen zur Verfügung stehen, ist spürbar - zum Beispiel in den Heilbronner Altenheimen. Im vergangenen Dezember hatte etwa der Geschäftsführer der Diakoniestation Heilbronn dem SWR von vielen unbesetzten Stellen berichtet. "Man merkt einfach, dass die Mitarbeitenden müde und angestrengt sind", so Geschäftsführer Maximilian Lang. Fehlende Kolleginnen und Kollegen müssten mit Überstunden ausgeglichen werden.

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