Digitalpakt: Lehrer und Schüler sollen digitale Medien künftig stärker nutzen, das Bild zeigt eine Lehrerin mit einem tablet in der Hand, die an einer Tafel Matheformeln schreibt (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Anforderungen steigen durch ukrainische Schulkinder

Kretschmanns Vorschlag zur Mehrarbeit von Lehrern: Empörung und konstruktive Debatte im Netz

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Ministerpräsident Kretschmann meint, dass man mit einer Stunde Mehrarbeit von Teilzeitkräften umgerechnet 1.000 Lehrerstellen in BW bekommen würde. Die User reagieren empfindlich.

Für seinen Vorstoß, dass einige Lehrerinnen und Lehrer etwas mehr arbeiten sollen, um die zusätzliche Belastung von rund 9.000 geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine an den Schulen im Land zu stemmen, erntet Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) scharfe Kritik. Die Idee von längeren Arbeitszeiten für verbeamtete Teilzeit-Lehrkräfte lehnen Gewerkschaften und Verbände kategorisch ab. Doch auch in den Sozialen Medien ist die Empörung groß. Während einige Userinnen und User mit Unverständnis, Wut oder Sarkasmus reagieren, steigen andere in eine konstruktive Diskussion ein.

"So wird der Beruf sicher attraktiver. Dabei haben sich die Kultusminister schon so viel Mühe in den letzten Monaten gegeben, zu beweisen, dass Bildung und Respekt im Schulsystem von untergeordneter Bedeutung sind", schreibt eine Userin als Reaktion auf einen SWR-Tweet.

Für eine bessere #Bildung im Land fordert #BW-Ministerpräsident Winfried #Kretschmann längere Arbeitszeiten für Lehrkräfte. Die GEW kritisiert den Vorschlag. https://t.co/iDwluT3EQ7

Userin sieht Ungleichbehandlung im Vergleich mit anderen Beamten

Eine andere Frau stört sich an der Ungleichbehandlung im Vergleich zu anderen Beamtinnen und Beamten. Die Lehrerin meint, sie und ihre Kollegen und Kolleginen würden in der Summe nicht nur 25 bis 28 Stunden pro Woche arbeiten, wie vielleicht von einigen Menschen vermutet wird.

Diese Zeit sei die reine Unterrichtszeit. Hinzu käme die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, die Korrektur von Klassenarbeiten, Elterngespräche und vieles mehr. Daher arbeite man 41 Stunden - wie Beamte aus anderen Bereichen, schreibt sie und ergänzt:

"So oder so ist das ein Schlag ins Gesicht nach zwei nervenaufreibenden Jahren Pandemie."

Ein anderer User kritisiert zwar auch die Landesregierung, die nie mit den Lehrkräften, sondern nur über sie spreche. Allerdings hat er auch Lösungsvorschläge:

@SWRAktuellBW Wie wäre es den Lehrkräftemangel richtig anzugehen? Den Beruf attraktiver machen, das Studium reformieren, Studierende ernst nehmen und unterstützen, usw. Also alles, was man seither nicht getan hat und durch die Pandemie noch schlimmer wurde. Um die Bildung steht es schlecht.

Auch auf dem Facebook-Kanal des SWR wird das Thema rege kommentiert. Der größere Teil der Userinnen und User hat dabei wenig Verständnis für Kretschmanns Äußerungen. "Wer es sich leisten kann, LehrerInnen über die Sommerferien zu entlassen, der braucht nicht nach Mehrarbeit schreien", schreibt eine Userin hinsichtlich der nicht verbeamteten Lehrkräfte, die in den Sommerferien teilweise keine Anstellung haben.

Monika Stein, Landeschefin der Bildungsgewerkschaft GEW, zeigte sich empört über Kretschmanns Vorschlag: "Das ist total daneben".Posted by SWR Aktuell on Tuesday, April 26, 2022

Vereinzelte Zustimmung für Kretschmanns Vorstoß

Vereinzelt gibt es aber auch Zustimmung für Kretschmanns Idee. Man verstehe die ganze Aufregung nicht. Auch in anderen Berufen sei es üblich, etwas mehr zu arbeiten, schreibt eine Userin und ein anderer User hält fest: "Absolut gute Idee, bin ich voll dafür."

Das löst wiederum ein Echo aus, bei dem die mangelnde Solidarität kritisiert wird. Es sei unbegreiflich, wie man sich anmaßen könne, so über Lehrer zu urteilen, schreibt eine Userin, erhält dafür zahlreiche Likes und fährt fort:

"Auch hier zeigt sich mal wieder, dass wir Bürger nicht zusammenhalten können. Anstatt sich gegen die Politik zu stellen, wird noch kräftig zugestimmt. Echt traurig."

Winfried Kretschmann selbst reagierte auf die scharfe Kritik von Verbänden und Gewerkschaften im übrigen recht deutlich. Man sollte in dieser besonderen Situation nicht das "übliche Latein" abspulen, sagte er mit Blick auf die Gewerkschaftsfunktionäre. Allerdings räumte der Regierungschef auch ein, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn er auf die spontane Äußerung zu den längeren Arbeitszeiten verzichtet hätte.

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