Leiterin des Jugendamts Rhein-Neckar im Interview

Ukrainische Waisenkinder in Weinheim: Hilfsangebote und Heimweh

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Seit einigen Wochen werden in der Jugendherberge in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) ukrainische Waisenkinder betreut. Wie es ihnen geht, schildert die Leiterin des Jugendamts, Susanne Keppler, im Interview.

Am 24. Februar startete Russlands Präsident Putin den Angriff auf die Ukraine. Seitdem tobt dort der Krieg, und seitdem kommen immer wieder Kriegsflüchtlinge nach Baden-Württemberg, zum Beispiel nach Weinheim. Dort stand die Jugendherberge leer, die eigentlich hätte renoviert werden sollen. Stattdessen wurde sie quasi über Nacht wieder fit gemacht. Nun wohnen dort 50 Waisenkinder und Pflegekinder aus der Ukraine, zusammen mit ihren Betreuerinnen und Betreuern. Sie leben dort auch unter der Obhut des Jugendamtes des Rhein-Neckar-Kreises.

SWR Aktuell: Wie geht es den Kindern und Jugendlichen inzwischen, haben sie sich schon ein bisschen eingelebt?

Susanne Keppler: Ja, das kann man so sagen. Die Stimmung ist gut, und die "Familien" kommen gut klar und unterstützen sich gegenseitig. Ich nenne sie "Familien", denn die Kinder sind ja bereits in der Ukraine in einem familienähnlichen Rahmen betreut worden. Was auch ein bisschen deutlich wird, ist, dass doch einige Heimweh äußern und sich wünschen, irgendwann wieder zurückkehren zu können.

Wie verläuft denn jetzt der Alltag bei den Jugendlichen in der Jugendherberge?

Die Betreuungspersonen werden durch Ehrenamtliche unterstützt, um mit den Kindern den Tag zu gestalten. Aktuell wird auch geklärt, wie die Beschulung der Kinder möglich ist. Ziel ist, dass wir bis spätestens Anfang des nächsten Schuljahres für jedes Kind eine passende Beschulung ermöglichen können. Die Ehrenamtlichen werden unterstützt durch Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, sodass eine Alltagsgestaltung möglich ist.

Wie läuft es mit dem Deutschlernen?

Das geht voran. Es gibt auch zwei Ehrenamtliche, die ein Sprachangebot insbesondere auch für die Betreuungskräfte in der Jugendherberge anbieten. Und ich glaube, dass Kinder ohnehin doch recht schnell Deutsch lernen.

Sie haben gesagt, das Heimweh ist groß. Wie äußert sich das? Fließen da öfter mal Tränen? Muss viel getröstet werden?

Davon ist mir jetzt nichts bekannt, aber die Betreuungspersonen äußern das in den Gesprächen, dass sie gerne wieder zurück möchten, einfach nach Hause möchten. Uns gegenüber sind noch keine Tränen geflossen. Also ich denke, die unterstützen sich da vor allen Dingen selbst gegenseitig, dann auch in ihrer Muttersprache. Es ist natürlich auch viel einfacher, dann über solche Emotionen zu reden, vermute ich.

Finden die Kinder und Jugendlichen denn sonst Anschluss, in Vereinen zum Beispiel oder in der Schule?

Ja, das haben sich auch die Ehrenamtlichen jetzt zur Aufgabe gemacht, einfach zu schauen, welche Interessen haben die, um dann auch zu schauen, in welchen Verein können die ihre Interessen leben oder gestalten? Vorrang hat jetzt vor allen Dingen natürlich die Klärung der Beschulungsmöglichkeiten. Aber die haben das auch schon ganz gut im Blick.

Für wie lange ist das Projekt angelegt? Wie lange können die Kinder bleiben?

Das können wir jetzt im Moment noch gar nicht genau sagen. Das hängt natürlich auch von der Entwicklung in der Ukraine ab. Ein dauerhafter Verbleib in der Jugendherberge, ich sage mal auf Jahre hin gedacht, ist sicher nicht möglich. Das müssen wir jetzt in den nächsten Monaten beobachten und gemeinsam mit der Stadt Weinheim klären.

Für den Moment jedenfalls bietet Weinheim erstmal diesen Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine einen sicheren Hafen, zumindest übergangsweise ein Zuhause?

So ist es. Genauso kann man es wirklich sehr schön beschreiben.

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