Ilse Fackel-Kretz-Keller als Schwetzinger Spargelfrau. (Foto: SWR)

Landesschau Serie zu Schwetzingen

Mit 90 noch auf den Spargelacker

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Sie ist 90 Jahre, und auf dem Schwetzinger Spargelhof der Familie Fackel-Kretz-Keller macht Oma Ilse alles: Spargel waschen, sortieren, verkaufen und gelegentlich auch noch stechen.

Ilse Fackel-Kretz-Keller ist diese Woche in der Landesschau-Serie zur Schwetzinger Spargelsaison zu sehen. Die insgesamt vier Filme erzählen, wie eng das Leben der Menschen in Schwetzingen mit dem Spargel verbunden ist. Ganz besonders das der Familie Fackel-Kretz. In der vierten Generation bauen sie in Schwetzingen Spargel an. Der letzte Hof, der noch in der Innenstadt zuhause ist.

"Ohne Oma läuft hier nichts“, sagt Elfriede Fackel-Kretz (59), die Tochter von Ilse. Zusammen mit ihrem Bruder hat sie den Spargelbetrieb vor vielen Jahren im Nebenerwerb von ihrer Mutter übernommen. Und alle müssen in der Spargelsaison mit anpacken. Elfriede Fackel-Kretz hofft natürlich, dass ihre Tochter Katharina (32) den Hof irgendwann übernehmen wird. Immerhin war sie auch schon mal Schwetzinger Spargelkönigin. Die Familie Fackel-Kretz-Keller hat noch Schüler und Studenten als Erntehelfer. Ihr Hof ist allerdings auch der kleinste in Schwetzingen.

Erntehelfer kommen vor allem aus Rumänien

Die Familie Spilger dagegen besitzt 3,5 Hektar Spargelacker. Auf ihrem Aussiedlerhof bei Schwetzingen wohnt in der Spargelsaison ein Trupp Erntehelfer aus Rumänien. Sie kommen schon seit Jahren. Der 44-jährige Florin Slawa ist der Vorarbeiter. Dreimal am Tag aufs Feld für zehn Euro Mindestlohn. Bis zu 200 Kilo Spargel erntet er täglich. Er mag die Arbeit und versteht sich gut mit der Chefin, Daniela Spilger. Sie weiß, dass die Spargelpreise nur deshalb einigermaßen stabil bleiben, weil die rumänischen Arbeiter jedes Jahr kommen. Ohne sie wäre die harte Arbeit nicht zu schaffen.

"Sie machen die körperliche Arbeit und sorgen dafür, dass wir den Spargel haben. Aber bei der Arbeit bekommt man schnell Kreuzschmerzen, das hatten wir auch schon. Manche kommen dann nicht mehr, nicht weil ihnen die Arbeit nicht gefallen hat, sondern weil sie es vom Kreuz nicht mehr konnten."

Früher kamen vor allem Polen zum Spargelstechen nach Schwetzingen. Doch in Polen wächst die Wirtschaft und damit steigen auch die Löhne. Deshalb lohnt sich das Saisongeschäft für polnische Erntehelfer in Deutschland nicht mehr, sagt Spargelbäuerin Daniela Spilger.

Bei Gewitter schmeckt der Spargel am besten

Worüber sich allerdings viele Spargelliebhaber streiten: Wie isst man Spargel am besten? Bissfest oder weich gekocht? Mit Butter oder Hollandaise? Pfannkuchen oder Salzkartoffeln? Lachs oder gekochter Schinken? Darüber machen sich in Schwetzingen auch die Landfrauen Gedanken. Und sie wissen auch, wann er am besten schmeckt.

"Am besten ist gewittriges Wetter. Dann wachsen die wie wild und sind zart wie Butter."

Die Schwetzinger Landfrauen legen jedes Jahr für alle Spargelfreunde ein neues Rezept auf, das sie dann empfehlen. In diesem Jahr: Spargel-Flammkuchen mit Frischkäse und Lachs. Das hat sich Landfrau und Spargelbäuerin Anette Renkert ausgedacht. Anders als die Gourmetköche mag sie den Spargel nicht bissfest, sondern eher weich gekocht. Ihr Kollegin Helga Ulzhöfer ist über 80 und schwört auf gebräunte Butter mit Semmelbrösel oder Hollandaise.

Spargel, das Viagra des Barocks

Über Spargel sagt man ja, er sei das königliche Gemüse. Das kommt vom französischen Sonnenkönig, Ludwig dem 14. Der lies als erster für seinen Hof weißen Spargel anbauen und setzte damit einen barocken Trend. Nun wollten auch alle deutschen Fürsten Spargel essen, wie Kurfürst Karl-Ludwig von der Pfalz. Er ließ deshalb in seiner Sommerresidenz in Schwetzingen Spargel anbauen und begründete damit die Tradition, die die Stadt berühmt gemacht hat. Im Barock hielt man Spargel auch für ein Potenzmittel.

"Man aß im 17. Jahrhundert rote Beete, weil man dachte, das ist gut fürs Blut, weil es rot ist. Man aß Nüsse, gut fürs Hirn, weil sie aussehen wie Hirn. Und jetzt kommt natürlich der Spargel noch dazu. Und da gibt’s den Spruch. Dass Spargelspitzen in Weißwein gesotten, die angeschlagene Manneskraft wieder in den Sattel bringt."

Bei Kurfürst Karl-Ludwig scheint das funktioniert zu haben. Immerhin hatte er 13 Kinder.

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