Es soll die größte Studie zu pflanzenbasierter Ernährung im deutschsprachigen Raum werden. Das Max Rubner-Institut (MRI) arbeitet mit anderen Studienzentren in ganz Deutschland und Österreich zusammen. Rund 6.000 Erwachsene nehmen deutschlandweit an der COPLANT-Studie teil.
Untersucht werden vier verschiedene Ernährungsweisen: Vegan, vegetarisch, pescetarisch - also kein Fleisch, aber Fisch - und Mischkost, was bedeutet, diese Menschen essen alles. Als eine von 800 Testpersonen am Karlsruher Max-Rubner-Institut hat sich Petra Pojer gemeldet. Ihre Essgewohnheiten sollen Daten für die Studie liefern.
Untersuchungen am Max-Rubner-Institut in Karlsruhe
Früh morgens ist Petra Pojer aus Emmendingen nach Karlsruhe angereist. Als freiwillige Probandin der COPLANT-Studie beginnt ihr Tag mit Untersuchungen zur Gesundheit. Blutdruck, Puls und die Handgreifkraft werden gemessen. Auf Fragebögen wird die persönlichen Lebensweise abgefragt.

Außerdem erhält jeder Proband für sieben Tage einen Bewegungssensor, der die körperlichen Aktivitäten aufzeichnet. Und Petra Pojer bekommt "Hausaufgaben". Wie und wann sie zu Hause ihre Essgewohnheiten protokollieren soll, bekommt sie erklärt. Auch Urin- und Stuhlproben gehören zur Datenerfassung dazu.
Jedes Salatblatt wird genau protokolliert
Danach darf Petra Pojer in die Cafeteria zum Mittagessen. Dort notiert und protokolliert sie alles, was sie isst, zum ersten Mal ganz genau. Als erstes geht sie zum Salatbuffet. In ihrer Hand eine Waage und ein Notizblock. Die unterschiedlichen Salatsorten werden einzeln in einem Glasschälchen abgewogen.
Parallel notiert sie alle einzelnen Komponenten ihres Essens auf einem Notizblock. Für die Dokumentation hat sie zuvor eine spezielle App auf dem Smartphone bekommen. Damit werden dann Nährwerte, Fette und viele andere Inhaltststoffe in den Lebensmitteln erkannt und protokolliert.
Zum ersten Mal bei einer Studie dabei
Es ist das erste Mal, dass Petra Pojer an so einer Studie teilnimmt. Die Teilnehmer sollen ihr Essverhalten nicht verändern, sondern in gewohnter Weise weiterführen, wie Isabelle Schwingen bestätigt. Sie ist für die praktische Umsetzung und Organisation der Studie zuständig.
Die 65-Jährige Probandin Petra Pojer ist verheiratet, hat drei Kinder und arbeitet an einer Hochschule. Ernährung ist ein Thema, das sie schon lange interessiert. Bei der COPLANT-Studie fällt sie in die Kategorie "Mischköstlerin". Das bedeutet, dass sie alles isst.
Das war nicht immer so, wie sie zugibt. Sie hat schon sehr viele Ernährungsweisen ausprobiert - von vegetarisch über vegan bis hin zu Trennkost. Petra Pojer möchte durch die Ereignisse der Studie herausfinden, ob man ohne Nahrungsergänzungsmittel gesund leben kann. Außerdem erhofft sie sich von der Teilnahme an der COPLANT-Studie grundlegende Erkenntnisse zum Thema Ernährung.
Dass man einfach erkennt, dass Ernährung etwas ganz individuelles ist. Dass jeder seine eigene Ernährung kennenlernen muss, indem er sich selbst beobachtet, was tut mir gut, was tut mir nicht gut.
Petra Pojer erhält zum Ende einen ausführlichen Check-up über die eigene Gesundheit, so wie alle anderen Probandinnen und Probanden. Das heißt, jede Testperson bekommt ohne Kosten einen ausführlichen Bericht über den eigenen gesundheitlichen Zustand.
So funktioniert die COPLANT-Studie
Die COPLANT-Studie wird an acht unterschiedlichen Standorten im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Bis die Daten aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhoben sind, kann es bis zu drei Jahren dauern. Für die einzelnen Probanden bedeutet die Teilnahme an der großangelegten Studie einen Zeitaufwand von wenigen Tagen innerhalb von rund zwei Monaten, in denen die Ernährungsweise protokolliert wird.
Teilnehmen kann jeder zwischen 18 und 69, der ein wenig Zeit hat und eine Krankenversicherung vorweisen kann. 800 Probanden werden in Karlsruhe am Max-Rubner-Institut gebraucht. Zum Institut selbst müssen die Probanden nur an drei Terminen zu Untersuchungen und Tests kommen.
Ausführliche Informationen zur Ernährungsstudie hat die SWR-Wissensredaktion in diesem Artikel zusammengefasst:
Start der 20-jährigen Forschung auch in Heidelberg und Karlsruhe Vegan und vegetarisch wirklich gesünder? Neue Studie startet
Bei einer neuen, großangelegten Studie werden auch die sozialen Folgen einer Ernährung mit und ohne Fleisch und Fisch geprüft.
COPLANT-Studie soll Datenlücke füllen
In bisherigen Ernährungsstudien seien nicht ausreichend Daten zum Thema pflanzenbasierter Ernährung erhoben worden, sagt Projektleiter Benedikt Merz. Mit der COPLANT-Studie soll diese Datenlücke geschlossen werden. Man habe überhaupt keine Probleme, junge weibliche Vegetarier und Veganer dafür zu gewinnen.
Ein bisschen schwierig werden die männlichen, über 60-jährigen Veganer. Die in ausreichender Zahl zu rekrutieren, wird eine kleine Herkulesaufgabe sein.
Laut Merz sind in der bisherigen Forschung zu wenig Veganer berücksichtigt worden. Besonders die Zunahme an pflanzlichen Ersatzprodukten für Fleisch stellt ein neues Forschungsfeld dar, das nun in der Studie berücksichtigt werden soll.