Schatten: Eine Frau wird von einem Mann gewürgt. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa | Jan-Philipp Strobel)

"Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen"

Nach Vergewaltigung: Hilfe im SLK-Klinikum Heilbronn

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Gewalt gegen Frauen ist Alltag, auch in der Region. Wenn Betroffene die Polizei nicht einschalten wollen, wird es oft kompliziert - und teuer. In Heilbronn gibt es Unterstützung.

Im SLK-Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn gibt es Angebote, die Frauen und Männer nach einer Vergewaltigung unterstützen sollen. Frauenärztin Julia Seipel und ihr geschultes Team betreuen Betroffene von der Pforte über die Notaufnahme bis hin zur Frauenklinik.

Kostenlose Hilfe im Krankenhaus

Neben einer Versorgung der Wunden vor Ort im SLK-Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn haben Betroffene die Möglichkeit, die Gewalttat entweder direkt anzuzeigen oder auf Kosten der Klinik erstmal nur die Beweise zu sichern. Dafür macht Julia Seipel zum Beispiel Abstriche, um die DNA des Täters zu sichern und sie schießt Fotos von Verletzungen, wie etwa von ausgerissenen Haaren oder Blutungen in den Augen, wenn die Opfer gewürgt wurden. Diese Beweise werden ein Jahr lang rechtssicher aufbewahrt. Auch Maßnahmen zur Vermeidung einer Schwangerschaft bietet die Klinik für Frauen an.

Anzeige oft gefährlich für die Opfer

Die Kosten für die Spurensicherung werden nur bei einer Anzeige von der Polizei übernommen. Wer sich erstmal nur für die Sicherung, aber nicht für die Anzeige entscheidet, muss mit Kosten von bis zu 200 Euro rechnen. Durch eine klassische Anzeige könnte für Betroffene die Situation gefährlich werden - denn oft stehen sie noch in Kontakt zum Täter. Denn etwa jede fünfte Frau wird Opfer von physischer oder sexueller Gewalt durch den aktuellen oder früheren Partner. Männer können ebenfalls Opfer werden, sind es aber deutlich seltener.

In Deutschland ist das Heilbronner SLK-Klinikum eines von wenigen Krankenhäusern, die die Kosten für Betroffene unbürokratisch selbst übernehmen. Das ist Teil des gemeinsamen Projekts der Stadt Heilbronn und der Beratungsstelle Pro Familia. Für Frauenärztin Julia Seipel ist das Projekt eine Herzensangelegenheit, denn sie weiß: Hinter Zahlen wie "jede zwanzigste Frau wird vergewaltigt" stecken wahre Schicksale.

Im Jahr 2021 wurden in der Stadt Heilbronn 179 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung polizeilich registriert, davon 15 Vergewaltigungen/Nötigungen.

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