Zwei getunte Autos auf der Tuning World Bodensee in Friedrichshafen (Foto: SWR, Isabel Heine)

"Zu laut und nicht mehr zeitgemäß"

Konstanzer OB Burchardt kritisiert Messe Tuning World Bodensee

STAND

Der Konstanzer Oberbürgermeister kritisiert die Automesse Tuning World Bodensee öffentlich scharf. Er fordert auf Facebook gar ein Verbot bestimmter Veränderungen an Autos.

Die Städte versuchten mit viel Aufwand, Lärm aus den Städten herauszubekommen, um die Aufenthaltsqualität für die Menschen zu erhöhen, schreibt OB Uli Burchardt (CDU) auf seiner Facebook-Seite. Die Bürgerinnen und Bürger beschwerten sich seit Jahren über die getunten Autos, die sinnlos laut seien.

Der OB fordert deshalb, dass alle Vorrichtungen, die den Lärm absichtlich vergrößern, nicht mehr auf deutschen Straßen zugelassen werden dürfen. Und dann teilt er gegen die Tuning World Bodensee aus, die ab Donnerstag an der Messe Friedrichshafen stattfindet.

"Dass wir mit dieser Messe eine solche Szene und die zugehörige Industrie auch noch mit öffentlichen Mitteln fördern, halte ich persönlich für komplett falsch."

In Friedrichshafen löste die Kritik des Konstanzer OBs Unverständnis aus. Er nehme diese zur Kenntnis, sei aber auch irritiert über den Ratschlag aus der Nachbarstadt auf der anderen Seeseite, so Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand (parteilos).

Poser und Tuner nicht in einen Topf werfen

Für seine öffentliche Kritik erhält Burchardt Zustimmung. In den Kommentaren zu seinem Post werfen ihm aber auch viele User vor, die Tuningszene zu Unrecht zu verurteilen. Wer sein Fahrzeug optisch verschönere, sei nicht zwangsläufig ein Poser, der einfach nur Krach machen wolle, schreibt ein Nutzer. Der Projektleiter der Messe Friedrichshafen, Dirk Kreidenweiß, reagierte gelassen. Burchardt sei wohl noch nie auf der Tuning World Bodensee gewesen, so Kreidenweiß. Er lud daher den OB ein, selbst einmal vorbeizukommen und die Tuner selbst kennenzulernen.

Ein getunter Volkswagen bei der Tuning World Bodensee (Foto: SWR, Isabel Heine)
Stolz präsentieren die Autofans auch ihre eigenen Wagen auf der Messe. Isabel Heine

Treffen für Autofans von nah und fern

Die Tuning World Bodensee bezeichnet sich selbst als das größte reine Tuning-Event Europas. Das Interesse an der Veranstaltung sei riesig, so Projektleiter Dirk Kreidenweiß. 850 Aussteller und über 1.500 getunte Autos werden erwartet. In den vergangenen zwei Jahren fiel die Messe wegen der Corona-Pandemie aus. Zuletzt fand sie 2019 statt. Damals kamen 82.000 Besucherinnen und Besucher nach Friedrichshafen.

Staus und Lärm rund um die Messe

Weil viele Autofans mit dem eigenen Wagen anreisen, führte die Tuning World in der Vergangenheit zu vermehrten Staus in Friedrichshafen und Umgebung. Die Polizei kontrollierte stichprobenhaft Fahrzeuge und Geschwindigkeit rund um die Messe. Immer wieder wurden dabei Verstöße festgestellt, weil zum Beispiel Autofans nicht zugelassene Teile an ihren Fahrzeugen verbaut hatten.

Diskussion um Sexismus

In diesem Jahr wird es einen Programmpunkt bei der Tuning World Bodensee nicht mehr geben: Die Wahl zur Miss Tuning World. Es werde auch keinen Miss Tuning-Kalender geben, teilte die Messe mit. Die Organisatoren der Miss Tuning-Wahl sahen sich wiederholt mit Sexismus-Vorwürfen konfrontiert.

Polizei hält getuntes Auto an (Foto: dpa Bildfunk, Uwe Anspach)
Die Auto-Poser-Szene trifft sich regelmäßig in Singen. Die Polizei kontrolliert regelmößig solche Treffen (Symbolbild). Uwe Anspach

Ärger mit der sogenannten "Poser-Szene" in Singen

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Probleme in Singen und anderen Städten in der Region Bodensee-Oberschwaben mit der sogenannten Poser-Szene gegeben. Meist junge Männer treffen sich mit ihren Autos auf Parkplätzen, um dort laut Musik zu hören und ihre getunten Autos zu zeigen und aufheulen zu lassen. Die Polizei schritt immer wieder ein, die Stadt Singen erteilte gar Aufenthaltsverbote.

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