Das Gebäude von BCS in Radolfzell. (Foto: Pressestelle, BCS Radolfzell)

620 Beschäftigte betroffen

Autozulieferer BCS will Standort Radolfzell schließen

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Der Automobilzulieferer BCS hat am Freitag angekündigt, seinen Standort in Radolfzell am Bodensee (Kreis Konstanz) bis Ende 2024 zu schließen.

Am Freitag teilte die Unternehmensleitung den Arbeitnehmervertretern mit, dass alle Geschäftstätigkeiten des Radolfzeller Standortes an andere Standorte übertragen werden. Das bedeutet das Ende für den Standort Radolfzell zum Jahresende 2024. Der Standort in Radolfzell mache seit mehreren Jahren hohe Verluste in zweistelliger Millionenhöhe und es deute nichts darauf hin, dass sich das im laufenden Jahr wesentlich ändere, heißt es in einer Mitteilung. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, steigende Rohstoff- und Energiepreise sowie die schwierige Wirtschaftslage im In- und Ausland hätten die Situation am Standort Radolfzell zusätzlich verschärft, so das Unternehmen.

IG Metall wirft Management Versäumnisse vor

Bereits im Oktober 2020 wurde laut einer Sprecherin ein Ergänzungstarifvertrag mit der Gewerkschaft IG Metall geschlossen, wonach bis Ende 2024 etwa 200 Stellen gestrichen werden sollen. Was die Ankündigung, den kompletten Standort bis dahin zu schließen, für die derzeit rund 620 Beschäftigten in Radolfzell bedeute, werde nun mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt. Die Bereiche Fertigung, Entwicklung und Verwaltung sollen auf andere Standorte der BCS-Gruppe im Ausland übertragen werden.

Erst im vergangenen Jahr wurde am Standort Radolfzell ein neues Kompetenzzentrum eigenweiht, in dem volltautomatisch Steuerungselemente für Autos gebaut werden. Doch das Unternehmen habe es verpasst, auch Produkte zu entwickeln, die in der Industrie nachgefragt werden, so Frederic Striegler von der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben. Striegler wirft dem Management große Versäumnisse vor.

Keine Sonderrolle für Radolfzell

Das Werk Radolfzell gibt es seit 1949. Doch nur aufgrund dieser langjährigen Geschichte dürfe Radolfzell keine Sonderrolle einnehmen, so Wayne Dong, Chief Financial Officer der BCS Group. Für alle Standorte weltweit gelte derselbe Anspruch an Nachhaltigkeit und Profitabilität.

BCS baut und entwickelt in Radolfzell Bauteile und Bedienelemente für das Fahrzeuginnere, etwa am Lenkrad oder anderen Oberflächen. Im Jahr 2021 machte BCS in Radolfzell rund 92 Millionen Euro Umsatz. Vor mehr als fünf Jahren hatte ZF den Automobilzulieferer an den chinesischen Konzern Luxshare verkauft.

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