Der Film "Auf nach Ravensburg" wurde am Montagabend im Kulturzentrum Linse in Weingarten gezeigt.  (Foto: Pressestelle, Türkisch-Islamische Gemeinde Ravensburg)

Film zu Erfahrungen türkischer Gastarbeiter

"Auf nach Ravensburg" - 60 Jahre Einwanderer

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AUTOR/IN
Moritz Kluthe

Vor mehr als 60 Jahren sind die ersten Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland gekommen, auch nach Ravensburg. Die Türkisch-Islamische Gemeinde hat darüber einen Film gemacht.

Mehr als 60 Jahre ist es her, dass die ersten Gastarbeiter aus der Türkei angeworben wurden. Diese Menschen brachen auf in eine für sie komplett neue Welt mit einer neuen Sprache und Kultur. Familien waren zeitweise getrennt. Oft kamen zunächst nur Männer nach Deutschland. Wie es ihnen damals erging, zeigt ein Dokumentarfilm mit Interviews, den die Türkisch-Islamische Gemeinde Ravensburg produziert hat. Am Montag wurde der Film im Kulturzentrum Linse in Weingarten (Kreis Ravensburg) gezeigt.

Im Film kommen Zeitzeugen zu Wort

Drei Jahre lang haben Hamza Erdogan, der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde Ravensburg, und seine Mitstreiter an dem Film gearbeitet, um die persönlichen Erlebnisse von Zeitzeugen, alle über 70 Jahre alt, über die Migration nach Ravensburg und das Leben dort festzuhalten.

"Wir als dritte Generation in Ravensburg wollten die damals erlebten Geschichten nicht in Vergessenheit geraten lassen. Wir wollten diese Geschichten festhalten und archivieren."

Erfahrungen in einer neuen Gesellschaft und oft ohne die eigene Familie

In dem Film erzählen die Zeitzeugen, wie es damals war, nach Ravensburg zu kommen, welche Schwierigkeiten, aber auch welche Chancen sie dort erwarteten. Oft hausten die Männer in ärmlichen Unterkünften ohne Bad. Die Familie war anfangs oft in der Türkei zurückgeblieben. Denn ursprünglich sollten die Gastarbeiter nach einigen Jahren wieder in ihre Heimat zurückkehren. Doch es kam anders.

Ein Mann erzählt im Film, dass seine Frau erst nach zehn Jahren zu ihm nach Ravensburg nachzog. Die Männer schildern ihre Erlebnisse mit Vorurteilen und über kulturelle Missverständnisse. Am Ende steht in dem Film die Erkenntnis der Männer, dass sie in Ravensburg eine neue, eine zweite Heimat gefunden haben.

Das Projekt wurde gefördert vom Bundesprogramm "Demokratie leben!". Der Film "Auf nach Ravensburg / Haydi Ravensburg’a" hat eine Laufzeit von rund 45 Minuten. Die Interviews führte Hamza Erdogan selbst. Die Zeitzeugen erzählen ihre Geschichten auf Türkisch. Es gibt deutsche Untertitel.

Film wird in Ravensburger Moschee am Samstagabend gezeigt

Insgesamt kam der Film beim Publikum im Kulturzentrum Linse in Weingarten gut an. Die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer hatten türkische Wurzeln. Eine weitere Aufführung des Films "Auf nach Ravensburg" ist für Samstag geplant. Dann soll er in der Ravensburger Mevlana-Moschee ab 20:30 Uhr gezeigt werden. Außerdem will die Türkisch-Islamische Gemeinde den Film demnächst auf ihrem Youtube-Kanal veröffentlichen.

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