Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hebt im Gespräch mit Journalisten die linke Hand zu einer Geste.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)

Vorschlag aus Berlin

Kretschmann und Gewerkschaften einig: Prämie für Lehrer keine Lösung

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Die von Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger (FDP) vorgeschlagenen Leistungsprämien für Lehrer lehnt BW-Ministerpräsident Kretschmann ab. Auch die Gewerkschaften sind skeptisch.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und die Gewerkschaften haben möglichen Leistungsprämien für besonders engagierte Lehrerinnen und Lehrer eine Absage erteilt. "Das bedeutet einen sehr hohen Aufwand, ist fehleranfällig und hat nicht zu dem geführt, was man sich davon erhofft hat", lehnte der Regierungschef einen entsprechenden Vorschlag von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) ab. Außerdem sei die Höhe der Leistungszulagen gemessen am Gehalt doch eher bescheiden.

Bundesbildungsministerin will finanzielle Anreize schaffen

Die Bundesministerin plädiert hingegen dafür, angesichts des dramatischen Lehrermangels neue Anreize zu schaffen. "Eine leistungsorientierte Bezahlung könnte ein Weg sein, um den Job attraktiver zu machen", argumentiert sie. In manchen Bundesländern gebe es das schon, es werde nur nicht wirklich gelebt. Da Bildungspolitik in Deutschland Ländersache ist, kann die Bundesbildungsministerin den Bundesländern keine einheitlichen Vorgaben machen - sie kann aber Debatten anstoßen.

Allerdings stößt die Idee von Lehrerprämien auch bei der Lehrergewerkschaft GEW auf wenig Gegenliebe. Es sei zwar schön, wenn der Lehrberuf attraktiver gemacht werde, damit sich junge Menschen freiwillig und begeistert für die Ausbildung entschieden, sagte die baden-württembergische GEW-Landesvorsitzende Monika Stein. Allerdings sei das nicht zu erreichen, wenn nur Teilen des Lehrpersonals eine Prämie in Aussicht gestellt werde.

GEW will lieber Entlastung durch mehr Personal

Mit einem Zuschlag nur für einen Teil eines Kollegiums steige vor allem das Konkurrenzdenken, kritisierte Stein. Das sei nicht der richtige Weg. Wichtig sei es vielmehr, zusätzliches Personal einzustellen und Lehrkräfte zu entlasten. Gute Lehrerinnen und Lehrer wählten den Beruf auch nicht wegen des Geldes.

Kretschmann sieht das ähnlich. Das Problem sei nicht die Bezahlung, sondern die stressigen Arbeitsbedingungen. "Wir müssen über die Rahmenbedingungen und die Attraktivität des Lehrerberufs sprechen", sagte Kretschmann der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Prämie hin oder her: "Der Beamte muss sowieso mit vollem Einsatz arbeiten", sagte der Grünen-Politiker. "Das steht im Beamtengesetz."

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Der Deutsche Lehrerverband unterstützt dagegen den Vorschlag von Bundesministerin Stark-Watzinger. "Man kann durchaus erkennen, welche Lehrkraft gut ist", sagte der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger der "Bild" bereits Anfang Dezember. Die meisten Bundesländer verfügten bereits über Gesetze, die Zusatzleistungen für gute Lehrerinnen und Lehrer ermöglichen. Üppig seien diese Töpfe aber nicht, und nur die wenigsten Länder nutzten diese Option. Mehr Mittel seien erforderlich, sagte Meidinger: "Die Prämie müsste zehn Prozent eines Gehalts umfassen können."

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