Ralf Bendix (Foto: IMAGO, Horst Galuschka)

Schlagerlegende

Ralf Bendix - Babysitter der Nation

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AUTOR/IN
Hans-Jürgen Finger

Er entdeckte Heino und führte ein anstrengendes Doppelleben. Als Diplom-Ökonom Dr. Karl Heinz Schwab arbeitete für eine Fluggesellschaft und unter dem Namen Ralf Bendix war er Dauergast in den Hitparaden.

Bereits während seines Studiums in Frankfurt machte sich Ralf Bendix einen Namen als Gitarrist. Die Kenntnisse hatte er sich in der Schulzeit selbst beigebracht. Nach erfolgreichem Abschluss wurde der frischgebackene Doktor der Nationalökonomie Direktor bei einer amerikanischen Fluggesellschaft mit Sitz in Düsseldorf.

Genau genommen nahm seine musikalische Karriere ihren Anfang in den Vereinigten Staaten. 1955 besuchte er eine Party seines Arbeitgebers und griff zu vorgerückter Stunde zur Gitarre. Die Folge war ein Auftritt im Fernsehen in Pittsburgh: „Dieses Auftreten brachte eine erstaunliche Flut von Zuschauerbriefen hervor, aber ich hatte die Vereinigten Staaten innerhalb von acht Tagen zu verlassen“ erinnerte sich Ralf Bendix in einem Interview. Schuld daran waren die amerikanischen Gewerkschaften, die ihm die Arbeitserlaubnis verwehrten.

"Mach's doch besser, Du Döskopp"

Zurück in der Heimat besuchte er eines Abends die Düsseldorfer „Tabu-Bar“. Dort suchte eine Plattenfirma unter dem Motto „Die große Chance“ Schlager-Nachwuchs. Die Talente mühten sich zum Teil mehr schlecht als recht auf der Bühne ab. Als eine Gesangsgruppe ihren kläglichen Auftritt hatte, begann Ralf Bendix schallend zu lachen, womit er die Akteure vollends aus der Fassung brachte. Aufgebracht schrie der Gitarrist ihm „Mach’s doch besser, Du Döskopp“ zu und streckte ihm sein Instrument entgegen. Er nahm die Herausforderung an und das Publikum tobte vor Vergnügen.

Dr. Karl Heinz Schwab, wie er damals noch hieß, bekam den ersten Preis und somit einen Schallplattenvertrag. Als Geburtshelfer der zweiten Karriere war Paul Kuhn beteiligt, der bei der Veranstaltung in der Jury saß und mit dem er später häufig zusammenarbeite. Fortan wurde aus Dr. Schwab Ralf Bendix, den alten Job im Chefsessel der TWA behielt er aber bei.

Gleich seine erste Platte, die Indianer-Ballade „Minne-Minne- Haha“, startete glänzend.  Doch im Aufnahmeprotokoll stand der Name „Rolf Bergen“ zu lesen. Ein Pseudonym, welches dem Künstler überhaupt nicht gefiel. Kurzerhand nahm er ein Telefonbuch zur Hand und blätterte darin, bis er beim Buchstaben „B“ wie „Bendix“ hängen blieb: „Von der Bendix-Corporation stammen viele Gerätschaften in den Clippern meiner Gesellschaft, der Name ist mir sympathisch“. 

Ralf Bendix in historischen Fotos (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance / Helmut Morell)
Ausschnitt aus der Fernsehshow "Schaffe schaffe Häusle baue" mit Ralf Bendix (M) auf der Deutschen Funkausstellung in Stuttgart 1965. Picture Alliance / Helmut Morell

Mit der Schöpfungsgeschichte auf den Index

Es folgte eine lange Liste großer und beständiger Erfolge. Er packte das Publikum sowohl mit heißen Rhythmen wie auch mit melodiösen Liedern. Er scheute sich auch nicht davor, ausgefallene Nummern aufzunehmen, welche teils für Empörung sorgten. So entstand 1956 mit „Es war im Anfang“ eine moderne Fassung der Schöpfungsgeschichte. Zu jener Zeit war es völlig undenkbar, religiöse Themen im modernen Gewand zu präsentieren und die Rundfunk-Intendanten setzten die Platte auf den Index. Jahre später setzte eine ganze Welle von kirchlichen Liedern ein, an denen sich dann niemand mehr störte. Ralf Bendix war also seiner Zeit weit voraus gewesen.

Neben Film und Fernsehen interessierte sich auch die Regenbogenpresse für ihn und nutzte seine Popularität dankbar für entsprechende Berichte. Nicht nur in der „Bravo“ sondern sogar in der italienischen Zeitschrift „Sorrisi e Canzoni“ stand die spektakuläre Geschichte zu lesen, dass er bei einem Zusammentreffen in Rom mit der Ex-Kaiserin Soraya übereingekommen wäre, ein Duett zu singen und sie als Schlagersängerin zu produzieren. Ralf Bendix kommentierte dies später als „völligen Quatsch“.

Dann passierte der "Babysitter-Boogie"

Ralf Bendix in "Musik aus Studio B" (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/Siegfried Pilz)
Ralf Bendix in "Musik aus Studio B" Picture Alliance/Siegfried Pilz

5 Wochen Platz 1, 18 Wochen Top 10 und 26 Wochen Hitparaden-Präsenz total - das sind die nüchternen Charts-Zahlen des „Babysitter-Boogie“, der ihm 1961 einen Millionenerfolg bescherte. Das Original stammte aus Amerika und die deutsche Fassung wurde von Ralf Bendix am 28. März 1961 in Köln aufgenommen. Produziert wurde der Titel von Hans Bertram, der auch noch auf eine andere Art und Weise zum Gelingen maßgeblich beitrug: die „kleine Elisabeth“, die den Babypart übernahm, war seine Tochter.

Das aufgeweckte Mädchen war von beiden Elternteilen künstlerisches Rüstzeug mit in die Wiege gelegt: Ihre Mutter rief 1957 das deutschsprachige Programm von Radio Luxemburg ins Leben und war als Moderatorin europaweit über die „fröhlichen Wellen von Radio Luxemburg“ als „Elisabeth“ sehr populär. Später schrieb sie unter dem Pseudonym „Lilibert“ zahlreiche Schlagertexte.

Im Handumdrehen wurde Ralf Bendix zum populärsten und beliebtesten Babysitter. Aus allen Musikboxen schallte die Nummer mit dem echten Babylachen. Der Erfolg blieb nicht auf Deutschland beschränkt. Die Platte erschien auch in Amerika und Brasilien. Parallel hierzu nahm er eine englische Fassung auf, die auch in Großbritannien auf den Markt kam. Selbst Italien brauchte auf ihn und „la piccola Elisabetta“ nicht zu verzichten. Für den sonnigen Süden sang er sogar italienisch.

Der "Goldene Schnuller" war ihm sicher

 Im Rahmen der Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden ging am 17. Februar 1962 ein wahrer Goldregen auf ihn nieder: neben der „Goldenen Schallplatte“ bekam er von seiner Plattenfirma den „Goldenen Hund“ und von seinem Verleger als Unikat den „Goldenen Schnuller“ überreicht. Ein weiterer Höhepunkt des Jahres war sein erstes Engagement im Show-Mekka Las Vegas. Als er nach drei erfolgreichen Wochen wieder in die Heimat zurückkehrte, war ein weiter Vertrag bereits unterschrieben in seiner Tasche.

Ralf Bendix in historischen Fotos (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance / Thomas Schulze)
Heino (r) und sein "Entdecker" Ralf Bendix 2005 während der Generalprobe einer Fernsehshow anlässlich Heinos 50-jährigen Bühnenjubiläums. Picture Alliance / Thomas Schulze

Wenige Jahre später hatte es Ralf Bendix erneut mit Nachwuchs zu tun. Bei einer Modenschau entdeckte er einen jungen, blonden Sänger, der erste Gehversuche im Musikgeschäft unternahm. Er wurde sein Förderer und Produzent und gleich dessen erste Schallplatte "Jenseits des Tales" wurde 1965 ein Hit - sein Name: Heino.

Mit dem wachsendem Erfolg als Produzent und Talentsucher trat Ralf Bendix in seiner eigenen Karriere kürzer. 1984 machte er seine letzten Schallplattenaufnahmen. Nach seinem Rückzug aus dem Showgeschäft lebte er überwiegend in Florida und Monaco, später in der Schweiz. Dort ist er auch kurz nach seinem 90. Geburtstag verstorben. Der Mann mit dem verschmitzten Lächeln und fast schon obligaten Hut bleibt unvergessen.

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