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MRT mit Kontrastmitteln gelten als ungefährlich. Doch Patienten klagen über gravierende Nebenwirkungen durch das enthaltene Gadolinium.

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Gadolinium geschädigte Personen demonstrieren im November 2019 am Rande eines Radiologiekongresses in Dortmund. Organisiert wurde die Demo von der Mannheimerin Cornelia Mader (5. von links) (Foto: Demonstrationsteilnehmer via Autor Peter Jaeggi)
Gadolinium geschädigte Personen demonstrieren im November 2019 am Rande eines Radiologiekongresses in Dortmund. Organisiert wurde die Demo von der Mannheimerin Cornelia Mader (5. von links) Demonstrationsteilnehmer via Autor Peter Jaeggi

Jährlich kommen in Deutschland Millionen Patienten und Patientinnen in die Röhre. Starke Magnetfelder und Radiowellen durchdringen beim MRT den Organismus. Die entstehenden Schnittbilder ermöglichen tiefe dreidimensionale Einblicke in den menschlichen Körper. Da das MRT ohne Röntgenstrahlen arbeitet, gilt das Verfahren als ungefährlich.

Gewünscht sind für die Diagnose möglichst scharfe, detailreiche Bilder; dafür werden Kontrastmittel verwendet. Ein Schwermetall hilft dabei: das Gadolinium. Freies Gadolinium ist hochgiftig, man muss es chemisch verpacken. Das geschieht in einem Kontrastmittel entweder linear oder makrozyklisch.

Intravenös gespritzt verteilt sich das verpackte Gadolinium dann über die Blutbahn im gesamten Körper. Tumore und Entzündungsherde erscheinen heller und werden so deutlicher erkennbar. In Deutschland bekommen schätzungsweise jährlich fünf Millionen Menschen Gadolinium gespritzt.

Zahlreiche Patient*innen klagen über gravierende Nebenwirkungen nach Gadoliniumgabe

Als Reaktion auf verschiedene internationale Studien erlaubt die Europäische Arzneimittelagentur EMA seit Sommer 2017 intravenöse lineare Gadolinium-haltige Kontrastmittel nur noch in Ausnahmefällen. Makrozyklische Kontrastmittel hingegen halten die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für harmlos, und so geben es viele Fachärzte an ihre verunsicherten Patienten weiter.

MRT-Untersuchung (Foto: dpa Bildfunk, Andreas Gebert/dpa)
Bei einem MRT sind für die Diagnose möglichst scharfe, detailreiche Bilder gwünscht, dafür werden Kontrastmittel verwendet Andreas Gebert/dpa

Denn in den Medien ist in den vergangenen Jahren immer wieder über mögliche Folgen von MRT-Kontrastmitteln berichtet worden, zahlreiche Patientinnen und Patienten klagen über gravierende Nebenwirkungen wie Lähmungen, Geschmacksstörungen, Sehstörungen und Schmerzen.

Susanne Wagner ist Gadolinium-Forscherin der ersten Stunde und teilt die kritische Haltung gegenüber Gadolinium. Die Tiermedizinerin war in der damaligen Schering AG – heute Bayer – bei der Entwicklung des weltweit ersten Gadolinium-haltigen Kontrastmittels dabei. Heute forscht sie als unabhängige Wissenschaftlerin über alternative Kontrastmittel.

Susanne Wagner warnt, dass sich Gadolinium-Ionen im menschlichen Körper dort anlagern, wo normalerweise das lebenswichtige Kalzium sitzt. Wagner macht zudem darauf aufmerksam, dass Gadolinium-haltiges Kontrastmittel bereits im Jahr 1989 in seiner Urform als problematisch beschrieben worden ist.

MRT-Aufnahme eines Hirntumors (Foto: Imago, imago/Science Photo Library)
MRT-Aufnahme eines Hirntumors. Künstliche Intelligenz könnte künftig den Einsatz von Kontrastmitteln minimieren Imago imago/Science Photo Library

Auf Kritik stößt bei betroffenen Patientinnen und Patienten auch, was auf den Beipackzetteln der Gadolinium-haltigen Kontrastmittel steht. Zum Beispiel, dass es praktisch vollständig innerhalb der ersten 24 Stunden über die Nieren ausgeschieden wird. Doch die angegebenen Zeiträume für den vollständigen Abtransport scheinen Susanne Wagner nicht realistisch. In den Zulassungsunterlagen für Gadolinium-haltige Kontrastmittel gibt es detaillierte Daten, die zeigen, dass gewisse Mengen Gadolinium im Körper zurückbleiben, egal ob bei linearen oder zyklischen Kontrastmitteln.

Die schwermetallhaltige Flüssigkeit in die Blutbahn der Patienten zu injizieren, gilt für Hersteller und Radiologen jedoch weiterhin weitgehend als unproblematisch. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, also die zuständige deutsche Behörde für die Medikamentenzulassung, sieht in einer schriftlichen Antwort an den SWR bisher keine Hinweise für eine Schädigung der Patienten durch die Gadoliniumablagerung im Gehirn. Auffällig ist jedoch: Auch wenn Behörden und Interessenvertreter Ablagerungskrankheiten bestreiten, mahnen die meisten zu einem sorgfältigen Umgang mit Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln.

Virtuelle Kontraste statt chemische Kontrastmittel

Prof. Alexander Radbruch ist leitender Oberarzt der Radiologie an der Universitätsklinik in Essen. Kürzlich wurde Radbruch von einer internationalen Fachjury zu einem der einflussreichsten EU-Forscher in der Radiologie ernannt. Seine Studien haben unter anderem dazu geführt, dass die Europäische Arzneimittelagentur seit Sommer 2017 intravenöse lineare Gadolinium-haltige Kontrastmittel nur noch in Ausnahmefällen erlaubt.

Mittlerweile beschäftigt sich Radbruch mit sogenannten "virtuellen Kontrasten" mithilfe von künstlicher Intelligenz. Vereinfacht gesagt setzt der Computer dabei aus Millionen vorhandener Schichtaufnahmen und Diagnosen das richtige Bild zusammen. Vor einigen Monaten habe sein Vater eine MRT-Untersuchung nötig gehabt, erzählt Radbruch. Ohne zu zögern habe er ihm Gadolinium verabreicht, um eine wichtige Diagnose nicht zu übersehen. Wie bei jedem Medikament muss man auch bei Gadolinium eine Risiko-Nutzen-Abwägung durchführen.

Für die Zukunft wünscht sich Radbruch allerdings, dass der Einsatz von Gadolinium massiv reduziert wird – mithilfe des Einsatzes von künstlicher Intelligenz. Zudem unterstützt er die Forderung der Patienten und Patientinnen nach einer Anlaufstelle, in welcher die Beschwerden gesammelt und bearbeitet werden, denn Betroffene dürfen nicht alleine gelassen werden.

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