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Am 15. Januar 2021 wird Wikipedia 20 Jahre – ein Alter, das viele der Online-Enzyklopädie nicht zugetraut hätten. Denn nicht ein großer Konzern steckt hinter den frei zugänglichen, Artikeln, sondern die Stiftung „Wikimedia Foundation“ sowie hunderttausende Freiwillige weltweit.  Mit 50 Millionen Artikel in rund 300 Sprachen zählt Wikipedia zu den meistgeklickten Onlineplattformen. Die deutschsprachige Version feiert am 16. März 2021 ebenfalls 20-jähriges Bestehen.

Jimmy Wales, Mitbegründer der freien Enzyklopädie Wikipedia (2010) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Jimmy Wales, Mitbegründer der freien Enzyklopädie Wikipedia (2010) Picture Alliance

Deutschsprachige Wikipedia auf Platz vier

Die deutschsprachige Enzyklopädie liegt mit etwa 2,5 Millionen Artikeln auf dem vierten Platz aller Sprachen. Die größte Plattform ist die englischsprachige (6,1 Millionen Artikel), auf Platz zwei Platz liegt die philippinische Version in der Sprache Cebuano. Auch das schwedische Wikipedia hat etwa eine Million mehr Beiträge als das deutsche. In beiden Sprachen gibt es jedoch auch automatisiert oder teilautomatisiert von Bots erstellte Artikel.

20 Jahre Wikipedia: Eine verlässliche Quelle?

Wie verlässlich ist Wikipedia als Quelle? Wie finde ich raus, wie gut ein Artikel rechechiert ist? die Inhalte als "absolutes Wissen" angesehen. Wo muss ich vorsichtig sein? SWR Wissenschaftsredakteur Gábor Paál gibt Tipps für den erfolgreichen Umgang mit Wikipedia.

Gábor Paál (Foto: SWR, SWR -)
SWR Wissenschaftsredakteur Gábor Paál SWR -

Kontrollverfahren mehrfach verschärft

Im Regelfall verfassen ehrenamtliche „Wikipedianer“ die Artikel, allein 3,6 Millionen sind für das deutsche Angebot gemeldet. Diese hohe Zahl macht die Plattform besser, aber auch angreifbarer und beeinflussbarer. Entsprechend wurde das Kontrollverfahren der Artikel mit der Zeit laufend aktualisiert.

So wurde etwa 2008 zuerst in der deutschsprachigen Wikipedia eingeführt, dass Artikeländerungen von erfahrenen Autor*innen geprüft werden, bevor ein*e Besucher*in der Website sie sehen können. Anonym agierende Lobbyist*innen oder Adressen von diffamierenden Nutzer*innen können gesperrt werden.

„Women edit“: mehr Frauen in Wikipedia

Die Zahlen der Neueinsteiger*innen bei Wikipedia sind, wohl auch aufgrund der Strenge und der Kritik anderer Nutzer*innen, zuletzt gesunken, und weiterhin sind sie vorrangig männlich. Mit der Initiative „Women edit“ versuchte Wikipedia bis 2014, mehr Autorinnen zu gewinnen. Seit 2016 engagiert sich ein Freiwilligen-Team in dem Nachfolgeprojekt „WomenEdit“ für die Vernetzung und Stärkung von Frauen in Wikipedia.

TheWikiGame - Finde den Weg durch das Link-Chaos

Das „The Wiki Game“, dass vor einigen Jahren große Popularität erlangte, verdeutlicht, wie leicht sie Nutzer*innen in den Tiefen von Wikipedia verlieren, indem sie immer wieder von Artikel zu Artikel springen. Ziel des Spiels ist es, mit möglichst wenig Klicks von „A“ nach „B“ zu gelangen. Ein Programm gibt dabei Start- und  Zielseite vor. Achtung Suchtfaktor für Besserwisser!

Screenshot „The Wiki Game“ (Foto: SWR)
Screenshot „The Wiki Game“

Zensur, Konkurrenz – und Alternativprojekte

Ein Projekt von Google, eine Alternative zu Wikipedia aufzubauen, scheiterte. Über die Jahre entwickelten sich jedoch zahlreiche Rand- und Ergänzungsprojekte. So entstand etwa Marjorie-Wiki. Hier werden Artikel gesammelt, die in der deutschsprachigen Wikipedia gelöscht wurden, bis Oktober waren es mehr als 41.300.

In China wurde die Plattform mehrere Jahre gesperrt, im Iran wurde die kurdische Version blockiert, und auch die usbekische Version war eine Zeitlang nicht aufrufbar. Darüber hinaus gibt es immer wieder Proteste gegen einzelne Artikel. Und Russland versucht seit einigen Jahren, eine russische Alternative aufzubauen.

Protest gegen EU-Urheberrechtsreform

Auch Wikipedia selbst protestiert immer wieder mit einer Sperrung der Seite gegen Gesetzesinitiativen, wodurch der Rechtsrahmen eingeschränkt oder gefährdet schien - etwa gegen die EU-Urheberrechtsreform. 2019 gingen zahlreiche Wikipedia-Sprachversionen , darunter die deutsche, für 24 Stunden offline.

Wikipedia-Protest gegen EU-Urheberrechtsreform

ARD Dokumentation: Das Wikipedia Versprechen

Vor 20 Jahren erstellte Jimmy Wales den ersten Eintrag auf Wikipedia: "Hello world". Eine Einladung an das Internet, bei dem Wissensprojekt mitzuschreiben. Heute hat die Online-Enzyklopädie mehr als 50 Millionen Artikel. Die ARD Dokumentation ist bis zum 4. April 2021 in der Arte Mediathek zu sehen.

20 Jahre Wikipedia: Eine verlässliche Quelle?

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia hat Geburtstag: 20 Jahre wird das Portal alt, das tagtäglich milliardenfach für Recherchen aufgerufen wird. Oft werden die Inhalte als "absolutes Wissen" angesehen. Doch hier ist Vorsicht geboten, sagt SWR-Wissenschaftsredakteur Gabor Paal im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Astrid Meisoll. Nicht selten seien Artikel zu finden, die von einem einzelnen Autor geschrieben wurden, und "über die niemand so richtig drübergeguckt hat", sagt Paal. Vorsicht sei auch geboten, wenn in einem Artikel „wertende Formulierungen“ auftauchten.  mehr...

Enzyklopädie 20 Jahre Wikipedia: gendergerechte Sprache noch ausbaufähig

20 Jahre nach ihrer Gründung herrscht bei der Internet-Enzyklopädie Wikipedia ein Mangel an Autorinnen. Zwar gab es viele Versuche, mehr Frauen zu gewinnen - Erfolg hatten sie kaum. Eine Folge: Im Internet-Lexikon wird nach wie vor nicht gegendert.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Gespräch Wissenswunder Wikipedia wird 20 - Pavel Richter, Wikipedianer

Das größte Lexikon aller Zeiten wird 20. Pavel Richter war geschäftsführender Vorstand des Vereins Wikimedia Deutschland und ist Autor des Buches Die Wikipedia-Story  mehr...

SWR2 Tandem SWR2

Wissensgesellschaft 20 Jahre Wikipedia – Wie steht es um das freie Wissen?

Wikipedia hat die Welt verändert. Doch vielen ist nicht bewusst, wer und was dahintersteckt. Wikipedia hat viele Ideen für die Zukunft – kämpft aber auch mit manchen Problemen.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Psychologie Studie: Verzerrte Sichtweisen auf historische Konflikte bei Wikipedia

Geschichtsschreibung ist selten neutral: Tendenziell neigen Menschen dazu, ihre eigene soziale Gruppe positiver zu bewerten als die Fremdgruppe – das ist der sogenannte Eigengruppenfehler. Psychologen haben diesen nun in der Online-Enzyklopädie Wikipedia untersucht. Ralf Caspary im Gespräch mit Prof. Aileen Oeberst von der FernUniversität in Hagen.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Veraltet, manipulativ und fehlerhaft Ist dem Online-Lexikon Wikipedia noch zu trauen?

Es diskutieren:
Jan Apel - Leiter Kommunikation, Wikimedia Deutschland, Berlin
Prof. Dr. Leonhard Dobusch - Wirtschaftswissenschaftler, Universität Innsbruck
Prof. Dr. Christian Stegbauer - Soziologe, Universität Frankfurt am Main
Gesprächsleitung: Gregor Papsch  mehr...

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