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Agrarwende von unten? – Bürger machen Landwirtschaft

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Stephanie Eichler
Stephanie Eichler (Foto: Stephanie Eichler)
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Ulrike Barwanietz
Candy Sauer

Viele Bürgerinnen und Bürger engagieren sich in der Landwirtschaft. Weil ihnen Gärtnern Spaß macht. Und weil sie wieder mitbestimmen wollen, wie ihr Essen produziert wird.

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Eine große Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich eine andere Landwirtschaft. Das geht aus dem aktuellen Ernährungsreport des Landwirtschaftsministeriums hervor. Zwei Drittel der Bevölkerung bevorzugen eine artgerechte Tierhaltung, einen umweltverträglichen Anbau und eine faire Bezahlung der Bauern.

Alternative Ernährungsnetzwerke sind möglich

Annette Piorr vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg östlich von Berlin untersucht alternative Ernährungsnetzwerke. Die Wissenschaftlerin erforscht, wie Verbraucher und Verbraucherinnen die Landwirtschaft nach ihren Wünschen gestalten können, wenn sie sich mit Landwirten zusammenschließen. Befragungen in den Großräumen München, Hamburg und Berlin ergaben ergaben folgende Motive, sich zu engagieren:

  • Genuss von frischem Gemüse
  • Kontakt mit Gleichgesinnten und Landwirten
  • Positionierung gegen globalisierte Nahrungsversorgungsketten
  • Sensibilisierung durch Lebensmittelskandale

Solidarische Landwirtschaft sichert engagierte Landwirte ab

Doch wie können solche alternativen Ernährungsnetzwerke konkret aussehen? Beim Konzept der Solidarischen Landwirtschaft, kurz: SoLaWi, werden Verbraucherinnen und Verbraucher zu Mitgliedern eines bäuerlichen Betriebs. Sie zahlen dem Bauern einen jährlichen Festbetrag und sichern ihn somit finanziell ab: Ob bei guter oder ungünstiger Witterung – die Landwirtin und der Landwirt können immer mit der gleichen Summe rechnen. Im Gegenzug erhalten die Verbraucher und Verbraucherinnen ihren Anteil an der Ernte.

Bundesweit gibt es mehr als 250 SoLaWis, also Betriebe der Solidarischen Landwirtschaft. Die Mitglieder stehen im engen Kontakt mit den Bauern und Bäuerinnen und haben Einfluss darauf, wie die Landwirte arbeiten. In manchen Betrieben können sie mitentscheiden, ob zum Beispiel alte Apfelsorten angebaut werden oder das Futter für die Kühe aus der Region stammen soll.

Tierwohl kostet Geld

Dass es Bürgern und Bürgerinnen gelingen kann, in der Landwirtschaft etwas zu bewegen, zeigt die Entstehungsgeschichte des SoLaWi-Betriebs in Lentföhrden. Einen Teil seiner Milch verkauft Bauer Möller seit Jahren in Supermärkten. Bei Verkostungen kommt er mit den Kunden und Kundinnen ins Gespräch.

Dabei ist eine Idee entstanden, die das Leben auf dem Hof komplett umgekrempelt hat – das Leben der Menschen, vor allem aber das der Kühe und Kälber. Denn bei Bauer Möller ist die Kälberaufzucht jetzt muttergebunden: Ein paar Monate lang bleiben Kuh und Kalb zusammen. Allerdings hat das Tierwohl seinen Preis: Hans Möller verzichtet pro Kuh jährlich auf 800 bis 1.000 Liter Milch, denn diese Menge trinkt das Kalb.

Ein Kalb auf der Weide am Euter der Mutterkuh (Foto: IMAGO, IMAGO / Countrypixel)
Ein Kalb auf der Weide am Euter der Mutterkuh

Damit der Bauer trotzdem keinen Verlust macht, muss die Milch im Supermarkt zwei Euro kosten. Beim direkten Vertrieb ohne Zwischenhändler reicht es aus, wenn Möller für einen Liter mit 80 Cent kalkuliert. Die SoLaWi gibt ihm darüber hinaus die Sicherheit, seine teuer produzierte Milch auch loszuwerden.

In der Landwirtschaft aktive Menschen werfen weniger Essen weg

Aus der Studie der Wissenschaftlerin Annette Piorr geht hervor, dass Menschen, die in Selbsterntegärten oder in der Solidarischen Landwirtschaft aktiv sind, weniger Essen wegschmeißen. Sie wertschätzen Lebensmittel mehr, weil sie wissen, wie viel Arbeit es macht, Gemüse anzubauen oder Kühe zu halten.

Umdenken in der EU-Agrarpolitik notwendig

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