Musikstück der Woche

Pieter Wispelwey spielt Beethovens Cellosonate op. 69

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AUTOR/IN
Christiana Nobach

1808 war Ludwig van Beethoven mit der Komposition beschäftigt, die ihn wohl am berühmtesten machte: die Sinfonie mit dem "tatatataa"-Beginn, seine 5. Sinfonie. Zeitgleich schrieb er eine Sonate, die ganz und gar anders klingt. Mit ihrem kantablen Thema und einem ausgewogenen Gleichgewicht zwischen Cello und Klavier ist sie Lieblingswerk im Repertoire und Maßstab für Komponisten wie Mendelssohn und Brahms geworden.

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Seine monumentale Cellosonate in A-Dur schuf Beethoven 1807/08 während der Arbeit an der Fünften und Sechsten Sinfonie. Ein konkreter Anlass für die Komposition ist nicht nachzuweisen.

Gewidmet hat er sie einem Freund, dem Freiherrn Ignaz von Gleichenstein. Ob Gleichenstein selbst auch Violoncellist war, ist nicht bekannt. Angeblich soll Beethoven ihm ein Widmungsexemplar mit den Worten „Inter lacrimas et luctum“ vermacht haben, was aber ebenfalls nicht überliefert ist.

Unklar ist auch, ob diese Worte zwingend auf die damalige Kriegslage anspielten, wie häufig zu lesen ist. „Inmitten von Tränen und Trauer“, das kann ebenso ein Hinweis Beethovens sein auf die Umstände, unter denen die Sonate entstand: neben den politischen Verhältnissen vielleicht auch eine unglückliche Liebe, seine Taubheit, das bekannte Zerwürfnis mit dem Freund Gleichenstein.

Beethovens Cellosonaten - Höhepunkt der Violoncello-Literatur

Die insgesamt fünf Violoncello-Sonaten Beethovens sind - neben Bachs Solosuiten - ein bis dahin unerhörter Höhepunkt innerhalb der Literatur für Violoncello. Erschienen zwischen 1797 und 1817 decken sie einen Großteil von Beethovens gesamtem Schaffenszeitraum ab und spiegeln wichtige Stationen seiner kompositorischen Entwicklung.

Geradezu paradigmatisch scheinen sie die drei Schaffensphasen zu repräsentieren, in die Beethovens Werke häufig eingeteilt werden, auch wenn eine solche Unterteilung in einen Früh-, Mittel- und Spätstil nicht unproblematisch ist.

Doch unterscheiden sich die Werke nicht nur stilistisch, sondern auch in Bezug auf ihre Entstehungsbedingungen erheblich voneinander. Etwa ein Jahrzehnt liegt jeweils zwischen der Komposition der beiden frühen Sonaten op. 5 (1796), der A-Dur-Sonate und Beethovens letzten beiden Werken für diese Besetzung.

Bereits in den beiden frühen Sonaten schwebte Beethoven eine ausgewogene Behandlung von Violoncello und Klavier vor. Von einer wirklichen Gleichberechtigung der Instrumente kann allerdings erst in der A-Dur-Sonate die Rede sein. Beethoven überwand hier die unterschiedlichen Klangkapazitäten der beiden Instrumente, ihm gelang die größtmögliche Ausgewogenheit und ideale Registeranpassung.

Nach klassischem Sonatensatz-Muster

Wie die Sonate insgesamt, so folgt auch der Kopfsatz dem klassischen Sonatensatz-Modell, in zunächst leuchtendem Dur und mit einem ungewöhnlich selbstbewussten, unbegleiteten Cellosolo zu Beginn. Das Cello gibt auch weiterhin überwiegend den gesanglichen Ton an, das Klavier übernimmt diese Dominanz dann eher in der kontrastreichen Durchführung.

Ein bizzares Scherzo in Beethoven-typischer Fünfteiligkeit schließt sich an. Im Wechsel von synkopiertem A-Teil und melodiösen Trioteilen mündet der Satz in eine fahle Unisono-Coda.

Das sich anschließende Adagio entpuppt sich schnell als bloßes Vorspiel zum schwungvollen Sonatensatz-Finale, mit brillanter abschließender Coda. Das großangelegte, aber in Melodik und Ausgewogenheit kaum zu übertreffende Werk ist die beliebteste und meistgespielte Cellosonate Beethovens.

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