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Malt Beethoven in seiner Pastorale ein Bild in Tönen oder handelt es sich um rein sinfonische Musik vor einem Landschaftsbild? Eine Frage, die sich jeder beim Hören selbst beantworten darf.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
10:05 Uhr
Sender
SWR2

"Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerey"

"Hier“ – am Schreiberbach, der zwischen zwei Wiener Vororten fließt, „habe ich die Szene am Bach geschrieben,“ schreibt Beethoven im Sommer 1807. „Und die Goldammern da oben, die Wachteln, Nachtigallen und Kuckucke ringsum haben mitkomponiert." Selbst wenn an dieser Geschichte nur die Hälfte stimmt, glaubt man sie beim Hören von Beethovens sechster Sinfonie aufs Wort.

Denn was hier an Atmosphäre hochsteigt, übersteigt das Terrain einer klassischen Sinfonie. Und doch war es auch Beethoven selbst, der solche träumerischen Bilder einer Sommerlandschaft relativierte. Denn seine Sinfonie sei "mehr Ausdruck der Empfindung als Malerey", erklärte er. Diese Empfindung speist sich aus Beethovens großer Naturliebe und all den Inspirationen, die er aus der Natur ziehen konnte.

"Ist es doch als ob jeder Baum zu mir spräche auf dem Lande: heilig, heilig! Im Walde Entzücken! Wer kann alles ausdrücken?", schwärmte Beethoven und unternahm in seiner Musik den Versuch, genau den naturpassenden Ausdruck zu finden.

Zu lang? Oder einfach fantastisch?

Die Pastorale ist eine Musik, die berührt. Hector Berlioz nannte sie gar die "schönste der Beethovenschen Kompositionen" und knüpfte nicht ohne Grund mit seiner "Symphonie phantastique" an das bildhafte Genre der Pastorale an. Doch der Erfolg dieser 1808 vollendeten Sinfonie stand nicht von vornherein fest.

Als sie im Dezember 1808 in einem vier Stunden dauernden Konzert in Wien bei bitterster Kälte gemeinsam mit der fünften Sinfonie uraufgeführt wurde, befand Johann Gottfried Reichardt, "daß man auch des Guten - und mehr noch des Starken - leicht zuviel haben kann". Für ihn war die Pastorale in erster Linie zu lang. Erst mit Berlioz 'Entdeckung' der Pastorale trat diese Sinfonie Beethovens aus dem Schatten der im 19. Jahrhundert so geliebten 'heroischen' Sinfonien heraus.

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