Musikstück der Woche

Gottfried von der Goltz und Petra Müllejans spielen Bachs Doppelkonzert

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Doppelspitze im Doppelkonzert: Gottfried von der Goltz und Petra Müllejans sind Gründungsmitglieder des Freiburger Barockorchesters und teilten sich 30 Jahre lang dessen künstlerische Leitung. In Johann Sebastian Bachs Concerto für zwei Violinen übernehmen sie gemeinsam die beiden Solopartien.

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Bach als Geiger

Johann Sebastian Bach in Aktion: die meisten Leute stellen sich da wahrscheinlich den Thomaskantor vor, wie er vor einem großen Chor seine Kantaten dirigiert. Oder den konzentrierten Komponisten, der am Cembalo das Wohltemperierte Klavier entwickelt. Bach war aber auch Zeit seines Lebens ein ausgezeichneter Geiger:

„Rein und durchdringend bis zum ziemlich herannahenden Alter“ sei sein Ton auf der Violine gewesen, schreibt Carl Philipp Emanuel Bach über seinen Vater. Und so leitete Bach auch in Leipzig noch als Konzertmeister sein Orchester oder trat sogar als Solist auf.

Kaffee und Konzert

Ob auch mit dem Doppelkonzert in d-Moll, bleibt ungeklärt, und ebenso wer sein Partner an der anderen Sologeige gewesen sein könnte. Selbst über die Entstehungszeit des Konzerts streitet sich die Bachforschung. Womöglich hat er es für sein Orchester in Leipzig, das Collegium musicum, komponiert. Einmal pro Woche gab es Konzerte im modischen „Coffé-Haus“.

Viele von Bachs Schülern und seine Söhne spielten in diesem herausragenden Studentenorchester mit, und die Konzerte wurden für das Leipziger Publikum eine solche Institution, dass man sich auch noch Jahre nach Bachs Tod gerne daran erinnerte. Kein Wunder – auch musikalische Schmankerl wie die berühmte Kaffeekantate wurden bei diesen Gelegenheiten aufgeführt.

Mitreißend virtuos

Mitreißend auf eine ganz andere Art dürfte das Doppelkonzert auf das Publikum gewirkt haben. Im ersten Satz spielen die beiden Sologeigen stürmisch um die Wette.

Der Mittelsatz mit seinen schmachtenden Kantilenen und scheinbar unendlichen Melodiebögen könnte dagegen fast das Liebesduett einer Oper sein (wobei die Sänger einen ziemlich langen Atem bräuchten) und ist vielleicht einer der schönsten des barocken Konzertrepertoires.

Im dritten Satz – wieder Allegro – können die Soloinstrumente noch einmal mit ihrer ganzen Virtuosität auftrumpfen. Rhythmisch komplexe Läufe und raffinierte harmonische Übergänge – Bach hat sich einiges einfallen lassen, um sein Kaffeehaus-Publikum in Atem zu halten!

Petra Müllejans und Gottfried von der Goltz

Unter der Leitung von Petra Müllejans und Gottfried von der Goltz entwickelte sich das Freiburger Barockorchester von einem studentischen Experiment zu einem der renommiertesten Orchester für Alte Musik. Beide haben seit vielen Jahren eine Professur für Barockvioline an der Musikhochschule Freiburg (von der Goltz) bzw. an der Hochschule für Musik und darstellende Künste Frankfurt (Müllejans).

2018 löste Kristian Bezuidenhout Müllejans an der Doppelspitze des FBO ab.

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