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Noch zu seinen Schulzeiten im Wiener Konvikt schrieb Franz Schubert, als 16-Jähriger, seine erste komplette Sinfonie. Die genialischen Werke dieser Jahre sind allesamt für ein sehr gutes Laienorchester geschrieben und wirbeln gehörig Staub auf – zeichnen sie sich doch durch einen Schwung aus, der jugendlicher und unbekümmerter kaum sein könnte.

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„Immerhin vom Range Mozarts“

Die meisten von Schuberts 13 Sinfonien, von denen die Hälfte unvollendet geblieben ist, sind in atemberaubend kurzer Zeit entstanden, einige sogar innerhalb weniger Tage. Die frühen Sinfonien, vor allem Schuberts erste, tat man freilich im Rückblick als „Jugendwerke“ ab, da sie noch komplett in der Nachfolge der Werke Joseph Haydns und vor allem Wolfgang Amadeus Mozarts standen.

Neben Ludwig van Beethoven, noch dazu in derselben Stadt Wien, Sinfonien zu komponieren, stellte ohnehin mehr als nur ein Wagnis dar. Dass Schubert später, ab den 1820er-Jahren, im Hinblick auf sein sinfonisches Schaffen heftig zweifelte, liegt auch daran, dass dieses Schaffen in eine Zeit des Umbruchs und des Aufeinandertreffens zweier Epochen fiel: Die starren Formgesetze der ausgehenden Wiener Klassik wurden mehr und mehr durch die Errungenschaften der jungen deutschen Romantik ersetzt.

„Würdig die Bahn der Meister betreten“

Völlig legitim erscheint zu dieser Zeit Schuberts Praxis, sich spieltechnisch und künstlerisch an den geliebten und viel gespielten Vorbildern Haydn und Mozart zu orientieren. In der Nachfolge dieser Meister zu stehen war schließlich eines der höchsten Ziele des 19. Jahrhunderts.

Dabei überragen Schuberts frühe Sinfonien in Erfindung, Verarbeitung, Einfallsreichtum, innerer Einheit und vor allem in ihrer Experimentierlust alles, was in der Zeit von sogenannten „Kleinmeistern“ angeboten wurde – seien es Anton Eberl, Friedrich Witt, Bernhard Heinrich Romberg oder Franz Krommer, die allesamt von ihren Zeitgenossen sogar noch höher als Beethoven eingeschätzt wurden!

Letztendlich sind Schuberts Jugendwerke bereits auf eine Stufe mit Mozarts späten Sinfonien zu stellen.

Die erste Sinfonie: Erstaunlich selbstbewusst

Bereits die erste Sinfonie ist von satztechnischer Meisterschaft. Sie ist gleichsam der Versuch, unter Sammlung und Aufbietung aller Kräfte die sinfonische Form im Sturm zu erobern. Es überrascht der erstaunlich selbstbewusste Umgang, wenn Schubert z. B. in der Reprise des Kopfsatzes unüblicherweise sowohl die langsame Einleitung – jetzt in verdoppelten Notenwerten – und das Hauptthema wiederholt, eigentlich ein „unerhörter“ Vorgang.

Genau so, wie das folgende Seitenthema von der Gewichtung über das Hauptthema zu stellen und es auch noch (vielleicht augenzwinkernd?) mit Anklängen an das Finalthema aus Beethovens Eroica-Sinfonie zu verbinden. Und mit dem langsamen Satz trifft Schubert auf Anhieb jenen romanzenhaften, innigen und gesanglichen Ton, der für den Komponisten so typisch werden sollte.

Es folgt ein kunstvoll-einfaches Menuett im Stil eines „neumodischen“ Wiener Walzers und ein leichtgewichtiger Finalsatz, der sich aber immer auf die Sonatenform und den sinfonischen Ton des Kopfsatzes besinnt – und mit einer grandiosen Coda endet.

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