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Carl Maria von Weber ist weit mehr als „nur“ der Komponist seiner romantischen Oper „Der Freischütz“. Er schrieb auch wunderschöne Sinfonien, Klavierwerke und Kammermusik. Seine zweite Sinfonie ist unser SWR2 Musikstück der Woche. Sie erklingt in einer Einspielung vom Heidelberger Frühling 2016 mit dem Irish Chamber Orchestra unter der Leitung von Jörg Widmann.

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Carlsruhe ist nicht gleich Karlsruhe

Als Meister der romantischen deutschen Oper ist Carl Maria von Weber noch heute gegenwärtig. Bevor jedoch sein „Freischütz“ mit großem Triumph im Juni 1821 uraufgeführt wurde, hatte er schon sehr weitreichende Erfahrungen mit dem Orchester sammeln können. Für den Klangkörper des württembergischen Prinzen Eugen entstanden um das Jahr 1807 zwei Jugendsinfonien in C-Dur. Das Schloss des Prinzen, auf dem Weber tätig war, befand sich bei Carlsruhe. Dabei handelt es sich jedoch nicht um die badische Stadt Karlsruhe, vielmehr um einen Ort im damaligen Schlesien.

Starke Bläser

Die Kapelle, die Weber auf dem Carlsruher Schloss zur Verfügung stand, verfügte offenbar über zahlreiche gut ausgebildete Bläser. Anders lässt sich die herausgehobene Stellung dieser Instrumentengruppe kaum erklären, die in Webers zweiter Sinfonie hörbar wird. Seien es Oboe, Flöte oder Fagott – die Musikerinnen und Musiker an diesen Instrumenten bekommen reichlich Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Das gilt vor allem für den ersten Satz, dessen Hauptthema an eine schmissige Fanfare erinnert und insgesamt sehr energetisch wirkt.

Kontraste und Freiheiten

Im zweiten Satz dominiert dann statt der Dynamik eher die Kantabilität – ein denkbar großer Kontrast. Erneut sind es die Bläser, welche der Musik in dialogischem Austausch große Farbe verleihen. Gerade die Hörner kommen ausdrucksstark zur Geltung. Die gestalterische Freiheit des Satzes wirft dabei ansatzweise vielleicht schon etwas von den dunkel-romantischen Künsten der späteren Opern Webers voraus.

Einem vergleichsweise kurzen, zerklüfteten Menuetto folgt ein schnelles, rollendes Scherzo als Finale. Wie im Menuett gibt es hier immer wieder markante Pausen des gesamten Orchesters, die den musikalischen Fluss deutlich unterbrechen. Dennoch findet die Musik noch zu einem Höhepunkt: einem ausgedehnten Solo des Horns. Eine Coda bleibt Weber bei dieser Sinfonie seinen Hörern allerdings schuldig: Nach der Wiederholung des Anfangsteils hört der Satz plötzlich auf.

Erstaunlicher Schluss

In einer Zeit, als Beethoven Sinfonien wie die „Eroica“ mit vielen wuchtigen Tutti-Schlägen beendete, mag das erstaunen. Es ist jedoch gut möglich, dass Weber zu diesem Zeitpunkt Beethovens Dritte noch gar nicht kannte. Und auch, ob seine eigene zweite Sinfonie überhaupt jemals in Carlsruhe uraufgeführt wurde, bleibt ein Rätsel der Musikgeschichte.

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