Musikstück der Woche

András Schiff spielt Schuberts Klaviersonate a-Moll D 784

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AUTOR/IN
Bettina Müller-Hesse
REDAKTEUR/IN
Doris Blaich und Kerstin Unseld

Wenn es um Musik gehe, sagt der Pianist András Schiff, sei er ein Snob. Er spiele nur gute Musik. Und dazu zählt er vor allem Bach, Beethoven und Schubert. Es sei ein Privileg, die berühmten Klavierwerke der alten Meister lebendig zu halten. In diesem Falle die Sonate D 784, die Schubert mit 26 Jahren komponiert. Eine schwere Krankheit ist im Anzug und wird ihm fünf Jahre später das Leben kosten.

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Ein kurzes, produktives Leben

Franz Schubert stirbt mit 31 Jahren an der Syphilis. Einige Jahre zuvor hat er sich angesteckt. Die Symptome sind schlimm und er spürt sie früh. Etwa Schwindel und starkes Kopfweh. Auch Ausschlag. Dennoch komponiert Schubert unverdrossen.

30.000 Stunden, hat ein Zahlenfreak mal errechnet, soll Franz Schubert in seinem kurzen Leben mit Komponieren zugebracht haben, selbst beim Schlafen soll er seine Brille nie abgezogen haben, um sofort Einfälle notieren zu können. Seine Klaviersonate a-Moll legt auch Zeugnis ab von seinen körperlichen Leiden.

Seelendrama

Es ist immer wieder Schuberts unglaubliche Fähigkeit, mit wenigen Noten eine große Intimität herzustellen, so viel auszusagen. Auch über sich selbst. Auch über seine Not in dieser Zeit. Im Kopfsatz hört man das. Da hat einer schwer zu tragen.

Franz Schubert kann 1823, als er die Sonate schreibt, wegen seiner Erkrankung das Haus nicht verlassen Aber Schubert wäre nicht Schubert, wenn er nicht mitten in dieser Trostlosigkeit nicht auch kleine idyllische Inseln aufleuchten ließe, etwa im 2. Satz, einem Andante. Die Sonate schließt mit einem Allegro vivace, das seinen Namen wahrlich verdient.

Zen in der Kunst des Klavierspielens

András Schiff ist vom Zen beeinflusst. Er kennt Japan gut, ist mit einer Japanerin verheiratet. Aber vor allem sei die Haltung des Zen gerade fürs Musizieren wichtig und hilfreich. Viele Musiker:innen hetzten von Wettbewerb zu Wettbewerb, wären an Erfolgen orientiert, an Ergebnissen interessiert, daran perfekt zu spielen. Sie hätten aber das Spirituelle, das Musikmachen vermitteln könne, nicht erfahren.

„Musik kommt aus der Stille und endet auch wieder dort“, sagt er. Das meint man zu hören bei András Schiff. Sein Schubert berührt, wirkt natürlich und spontan - und atmet. Wie man es eben auch in der Zen-Meditation erleben kann.

András Schiff

András Schiff ist 1953 in Budapest in ein musikbegeistertes Elternhaus hinein geboren. Mit 14 wird er Jungstudent an der Franz-Liszt-Musikakademie Budapest. Einige Jahre später entdeckt er die Musik Bachs für sich und lehnt ab da rein technische Übungen am Klavier ab. Bach habe alles, was ein Pianist brauche, sagt er. Bach ist auch nach wie vor sein Lieblingskomponist.

2014 wurde Schiff in den englischen Ritterstand erhoben und heißt seitdem Sir András Schiff. Er arbeitet auch als Dirigent.

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