Max Emanuel Cencic singt Opernarien von Nicola Antonio Porpora Mit lyrischem Ausdruck

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CD-Tipp vom 16.03.2018

Furios ist diese neue CD des Countertenors Max Emanuel Cencic! Gehören Philippe Jaroussky und Valer Sabadus eher zu den lyrischen Vertretern dieser Stimmgattung, Behun Mehta zu den betont männlichen und Franco Fagioli, dessen Händel-CD Jürgen Kesting vorgestellt hat, vielleicht zu den vielseitigsten, so ist Cencic immer wieder für eine
Überraschung gut. Einen deutlichen Hang zur Exzentrik findet man nicht nur bei seinen CD-Covern. Für Nicola Porporas Oper „Germanico in Germania“, deren Aufnahme gerade einen Diapason d’or bekommen hat, lässt er sich mit wolfsähnlichem Hund, prachtvollem Halsgeschmeide und einem Fell über den Schultern fotografieren. Für die Opernarien
desselben Komponisten, auf der hier vorgestellten CD, liegt er fast lasziv auf einem türkisgoldenen Sessel in einem üppigen Barock-Kostüm. Nein, zurückhaltend oder unauffällig gibt sich Cencic sicherlich nicht – und das gilt auch für seinen Gesang.

Geschmeidige Stimme

„Wenn du ihn im Fluge hältst, werde ich den Siegesadler immer auf den tarpejischen Fels zurückkehren sehen“ – so singt Valentiniano in Nicola Porporas Oper „Ezio“, auf dieser CD mit der Stimme von Max Emanuel Cencic. Begleitet wird er von dem griechischen Orchester Armonia Atenea unter der Leitung von George Petrou, ein Ensemble, das sich der historisch informierten Aufführungspraxis verschrieben hat und das den Countertenor perfekt unterstützt und in Szene setzt. Für ein ganzes Album mit Arien aus den Opern von Nicola Porpora gibt es einen guten Grund: Porporas Todestag hat sich am 3. März zum 250. Mal gejährt, ein willkommener Anlass, diesen Virtuosen der italienischen Vokalmusik, der nicht nur in seinem Heimatland, sondern auch in London und Dresden große Triumphe feierte, einmal wieder vermehrt ins Blickfeld bzw. Hörfeld zu rücken. Und Cencic scheint dafür genau der richtige zu sein. Mit geschmeidiger Stimme meistert er alle Koloraturen, gibt ihnen aber auch die nötigen Ecken und Kanten, die ihnen einen unverkennbaren Charakter schenken.

Emotionale Tiefe

Es muss aber nicht immer exaltiert und an der Grenze zum Hysterischen sein, dieser Sänger kann durchaus mit lyrischem Ausdruck und emotionaler Tiefe punkten, wie in der Arie des Teseus aus Nicola Porporas Oper „Arianna in Nasso“: „O Gottheit, Meeresbeherrscher, besänftige den Sturm, auf dass der Stern der Liebe mit seinen Strahlen zwei treue Liebende leite.“ Ja, er kann mehr als nur virtuose Koloraturen schmettern, nicht umsonst steht der Countertenor auf allen wichtigen Opernbühnen der Welt und glänzt mit seiner Kunst, mal als herrischer Regent, mal als hysterischer Mörder, aber eben auch als zarter Liebender, der seinen Gefühlen Ausdruck verleiht. Erschienen ist diese Produktion mit Arien aus Nicola Porporas Opern beim Label Decca.

CD-Tipp aus der Sendung SWR2 Treffpunkt Klassik - Neue CDs

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