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Was wurde im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert in den Häusern der Londoner High Society zur Unterhaltung gespielt? Die neue CD der Barockgeigerin Amandine Beyer, des Blockflötisten Michael Oman und der Austrian Baroque Company bringt es lustvoll zu Gehör. SWR-Musikredakteurin Bettina Winkler hat sich beim Anhören der CD „London Calling“ mit Ayres, Fantasies und Musical Humours bestens unterhalten gefühlt.

Ayres, Fantasien und musikalische Scherze

„London Calling“ – „London ruft!“, eine Sammlung mit Ayres, Fantasien und musikalischen Scherzen, so der Untertitel. Passend dazu das Bild auf dem Cover: Ein alter englischer Doppeldecker-Bus, der auf der Kippe steht – kippt er oder kippt er nicht? Die gute Laune, die beim Hören dieser CD aufkommt, kippt jedenfalls nie. Auch nicht bei den anspruchsvollen Stücken von John Hilton, einem Komponisten aus Cambridge, der in erster Linie geistliche Musik geschrieben hat. Daneben gibt es von ihm aber auch muntere Fantasien und Tänze – und denen verdankt er seine große Popularität im 17. Jahrhundert.

Michael Oman, einer der besten österreichischen Blockflötenspieler

Der virtuose Solist auf dieser CD ist Michael Oman, einer der besten österreichischen Blockflötenspieler. Er hat 2001 die ABC, die Austrian Baroque Company gegründet, die gerade beim österreichischen Label Fra Bernardo ihre neue CD „London Calling“ vorgelegt hat. Mit dabei ist auch die Geigerin Amandine Beyer – alles Garanten für historisch-informierte Aufführungspraxis. Musik

Perfekter Soundtrack für das England des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts

Hier hat sich ein munteres Ensemble zusammengefunden, mit dem man gerne eine Reise ins England des 17. und 18. Jahrhunderts unternimmt. Einer, der diese Zeit sehr anschaulich beschrieben hat, ist der berühmte Autor und Tagebuchschreiber Samuel Pepys, ein genauer Beobachter, der kein Blatt vor den Mund nimmt und gerne auch mal Klatsch und Tratsch aufzeichnet. Uns so ist er eine wahre Fundgrube für jeden, der sich mit dieser Epoche beschäftigen möchte. Bei Pepys kommt auch die Musik nicht zu kurz – so kann man in seinem Tagebuch-Eintrag vom 2. März 1669 lesen:

 „Wir begannen zu tanzen und blieben, abgesehen von einem guten Abendessen, unablässig dabei, bis zwei in der Früh, denn die Musik war willkommen, dazu auch ein ganz vorzüglicher Violinist und Theorbist, die besten in der Stadt. Es herrschte eine Bombenstimmung, und hernach hatten einige noch Spaß am Jigtanzen, darunter Betty Turner, die sehr hübsch tanzte; und schließlich gab’s W. Batelier’s „Blackmore und ­Blackmore Mad“ und dann wieder einen Kontretanz, und so brach ich außerordentlich vergnügt auf, denn es war einer der Tage und Nächte meines Lebens, die ich mit der größten Zufriedenheit verbracht hatte und die einige wenige Male in meinem Leben wiederholen zu können ich nur hoffen kann.“

Samuel Pepys

Phantasievolle Interpretationen

Das bunte Spektrum, das die Musikerinnen und Musiker hier auf ihrer CD „London Calling“ präsentieren, macht einfach Freude. Das liegt sowohl an der ausgewählten Musik als auch an dem perfekten Spiel, den phantasievollen Interpretationen und der Verve dieser Aufnahme. Am 3. Juli will das Ensemble mit diesem CD-Programm im Kaisergarten der Kartause Mauerbach in der Nähe von Wien auftreten – ich drücke die Daumen, dass dieses Konzert stattfinden kann.

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