Publikation zum 175-jährigen Jubiläum der Wiener Philharmoniker Klar, sachlich, leicht lesbar

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Buchkritik vom 4.1.2018

Im Jahre 1842 gründete Otto Nicolai in Wien aus einem Zusammenschluss des Hofopernorchesters das berühmteste Symphonieorchester der Welt: die Wiener Philharmoniker. Otto Nicolai war bekennender Mozartianer:

In der Geschichte der Wiener Philharmoniker nehmen Mozart und seine Geburtsstadt seither einen besonderen Stellenwert ein. In Salzburg trat das Orchester 1877 erstmals außerhalb Wiens auf. 1922 brachten die Wiener Philharmoniker erstmals Oper zu den 1920 eröffneten Festspielen. Seit 1925 ist die sommerliche Residenz in Salzburg ein Fixpunkt im Jahreskalender des Orchesters.

Clemens Hellsberg ist als Musiker und Historiker, der ab 1980 Mitglied des Orchesters war, dem er von 1997 bis 2014 auch vorstand, aber auch als ehemaliger Archivar der Wiener Philharmoniker der vielleicht berufenste Chronist der Zusammenarbeit der Wiener Philharmoniker und der Salzburger Festspiele.

Sein Buch dokumentiert die Vorgeschichte der Festspielgründung, die Gründungsjahre, die Festspiele im NS-Staat, den Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg und die Entwicklung bis zur Gegenwart. Man liest Aufschlussreiches über einige der wichtigsten Dirigenten des Jahrhunderts, die die Salzburger Festspiele prägten.

Einen besonderen Platz in Hellsbergs Buch nimmt Herbert von Karajan ein, der 1948 zum ersten Mal in Salzburg dirigierte. 1956 bis 1960 war er Leiter der Salzburger Festspiele. Daneben war er seit 1956 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker auf Lebenszeit und von 1957 bis 1964 künstlerischer Leiter auch der Wiener Staatsoper. Trotz mancher Differenzen, Auseinandersetzungen, Kräche und Jahren der Abstinenz – spielte Karajan als Dirigent, als Gründer der Osterfestspiele und später als Mitglied des Direktoriums eine wichtige Rolle. Damals, so Hellsberg …

Darüber schreibt Clemens Hellsberg, der 41 Sommer hindurch als Orchestermusiker in Salzburg hautnah die wechselhaften Erscheinungsformen der unter dem Strich „geglückten Symbiose“ zwischen den Salzburger Festspielen und den Wiener Philharmonikern beobachtete und miterlebte. Er beschreibt knapp, aber präzise, faktenreich, aber überschaubar die wechselhafte Geschichte, die Programmpolitik, die Rolle der Gastdirigenten, vor allem aber den „Kampf der Titanen und der Eitelkeiten“ hinter den Kulissen des Festivals.

Über all das berichtet Hellsberg aus intimer Kenntnis: Über Glück und Unglück, Verdienste wie Versäumnisse auch der jüngsten Intendanten, ob Gerard Mortier, Peter Ruzicka, Jürgen Flimm, Alexander Pereira oder Markus Hinterhäuser, mit denen als Philharmoniker zusammenzuarbeiten nicht nur Vergnügen gewesen sei. Aber:

So das Fazit des Buches von Clemens Hellsberg, das sich zweisprachig, deutsch und englisch präsentiert. Der Autor hat sich, obwohl er den Philharmonikern wie den Festspielen so eng und so lange verbunden war, den kritischen Blick nicht trüben lassen. Er schreibt klar und sachlich, zuweilen mit ironischem Witz und leicht lesbar. Abbildungen und Fotografien machen das mit vielen Anmerkungen, Nachweisen und Literaturhinweisen ausgestatte Buch zu einer sehr anschaffenswerten Publikation.

Buchkritik vom 4.1.2018 aus der Sendung „SWR2 Cluster“

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