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Musiker, Komponist, Filmregisseur, Produzent und Avantgardist: Am 20. Dezember 2020 wäre der Ausnahmekünstler Frank Zappa, der in seiner Karriere an über 100 Alben mitwirkte, 80 Jahre alt geworden.

Vielseitig interessierter Multi-Instrumentalist

Wer an Zappa denkt, der sieht vor seinem inneren Auge in den meisten Fällen den langhaarigen Bartträger an der E-Gitarre. Doch neben der Gitarre spielt Zappa auch E-Bass, Klavier, Keyboard, Synklavier und Schlagzeug und komponiert bereits mit 16 Jahren Stücke für Sinfonieorchester.

Eine tiefe Faszination für Noten führt ihn schon früh zu Werken von Bartók, Strawinski oder Varèse – Künstler, die sein Schaffen nachhaltig beeinflussen sollten. Einem Genre allein lässt sich der Tausendsassa Zappa bis heute nicht zuordnen, Zappa bleibt bis zum Ende seines Lebens voller Überraschungen, vielseitig und facettenreich.

Ein Rockstar, der eigentlich keiner sein wollte

Mit dem ersten Doppelalbum der Rockgeschichte gelingt Zappa und seiner Band „The Mothers of Invention“ 1966 der große Durchbruch. Der richtungsweisende Sound der Band zeichnet sich durch verworrene Beats und Breaks aus und die sozialkritischen Texte, die den Rock'n'Roll der 50er Jahre parodieren sollen, sorgen schnell dafür, dass die Band in der Undergroundszene zum Kult wird.

Zwischen Wahnsinn und Genie: Am 21.12.2020 wäre der Ausnahmemusiker Frank Zappa 80 Jahre alt geworden. (Foto: Imago, United Archives)
Frank Zappa und die „Mothers of Invention“ Imago United Archives

Doch dem Klischee des klassischen Rockstars entspricht der damals 26-jährige Zappa keinesfalls: Drogen lehnt er entschieden ab und mit der Ende der 60er Jahre aufblühenden Hippie-Bewegung kann er wenig anfangen. Generell ist die Rockmusik nicht sein Hauptanliegen:

„Ich hatte nie die Absicht Rockmusik zu schreiben. Ich wollte immer Musik komponieren, die Gehalt hat und in Konzerthallen aufgeführt wird. Aber ich wusste auch, dass niemand meine Musik spielen würde. Also dachte ich mir, um jemals etwas von mir zu Gehör zu bringen, muss ich eine Band gründen und Rock spielen.“

Frank Zappa, 1993

Trotzdem trägt er mit seinen von Stilanleihen und rhythmischer Vielfalt geprägten Kompositionen entscheidend zur Weiterentwicklung des Genres bei. Musikalische Strukturen, Texte und Arrangements bricht er auf und erschafft so auf satirische Weise eine Musik, die für Viele bis heute den besonderen Reiz Zappas ausmacht.

Zwischen Provokation und Kunstfreiheit

Nach der Auflösung der „Mothers of Invention“ im Jahr 1976 macht Zappa als Solo-Musiker weiter und eckt mit seinen obszönen Texten immer mehr an. Als man seine Musik verbieten lassen will, wehrt er sich gegen die Einflussnahme auf seine Kunst sogar beim damaligen Präsidenten Reagan.

Fortan werden die Texte Zappas noch drastischer, gleichzeitig beginnt eine neue Epoche seines Schaffens. Er öffnet sich den elektronischen Klängen und nähert sich Funk und Disco an. Seine Musik, die früher als sperrig galt, findet allmählich auch bei einem breiten Publikum Gehör.

„Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch.“

Frank Zappa, 1973

In den 80er Jahren ist Zappa vor allem als Produzent tätig, der nach Unabhängigkeit von großen Plattenfirmen strebt. Musikalisch tritt die Gitarre in seinen Produktionen immer mehr in den Hintergrund, stattdessen produziert er zwei Alben, bei denen das Synclavier im Fokus steht.

1993 geht das Ensemble Modern mit Orchesterkompositionen Zappas auf große Welttournee – die Begleitung der Tournee muss der Komponist jedoch wegen seiner fortgeschrittenen Krebserkrankung abbrechen. Am 04. Dezember 1993 stirbt mit Frank Zappa ein musikalisches Genie.

Zwischen Wahnsinn und Genie: Am 21.12.2020 wäre der Ausnahmemusiker Frank Zappa 80 Jahre alt geworden. (Foto: Imago, Michael Putland)
Frank Zappa war ein Tausendsassa, aus dessen facettenreichem Leben man zahlreiche Anekdoten berichten kann. Wir haben ein paar besonders prägnante Situationen aus dem Leben Zappas für Sie zusammengetragen. Imago Michael Putland Bild in Detailansicht öffnen
1971 spielt Frank Zappa mit den „Mothers of Invention“ ein Konzert in einem Casino im schweizerischen Montreux. Während der Show kommt es zu einem verheerenden Brand, das Casino muss evakuiert werden und brennt später vollständig aus. Anwesend sind an diesem Abend auch Musiker der Band Deep Purple, die von den Ereignissen inspiriert ein paar Jahre später den Welthit „Smoke on the water“ schreiben. Keystone Bild in Detailansicht öffnen
Viele der Texte Zappas gelten als obszön, was maßgeblich auf einen Vorfall aus dem Jahr 1965 zurückzuführen ist. Zappa erhielt den Auftrag, ein Tonband mit Sexgeräuschen zu produzieren. Mit seiner damaligen Freundin nahm er in seinem Studio ein Band auf. Bei der Übergabe stellte sich dann aber heraus, dass der Auftraggeber von der Bezirkspolizei war – Zappa und seine Freundin wurden daraufhin festgenommen und wegen Verschwörung zur Pornographie inhaftiert. Imago ZUMA Bild in Detailansicht öffnen
Zwar liebte Zappa Zigaretten und Kaffee, doch Drogen verabscheute er zutiefst. Er kritisierte den in seiner Branche fast üblichen Drogenmissbrauch scharf und verbot Freunden, in seinem Haus Drogen zu konsumieren. Auch hier äußerte sich seine Gefängniserfahrung aus dem Jahr 1965: „Es scheint mir auch ein unpraktischer Zeitvertreib zu sein, da man dafür ins Gefängnis kommen kann.“ NTB Bild in Detailansicht öffnen
Bei einem Auftritt mit dem Rainbow Orchestra in London wurde Zappa 1971 von einem wütenden Zuschauer in den Bühnengraben gestoßen. Der Sturz war so schwer, dass Zappa für den Rest seines Lebens an chronischen Rückenschmerzen zu leiden hatte. Außerdem wurde sein Kehlkopf in Mitleidenschaft gezogen, was möglicherweise dafür sorgte, dass er fortan mit tieferer und teilweise heiserer Stimme sang. Imago Mary Evans Bild in Detailansicht öffnen
1971 erschien Frank Zappas erster Film „200 Motels“, mit dem auch ein gleichnamiger Soundtrack veröffentlicht wird. Obwohl der Film das Tourleben einer Rockband thematisiert, bildet orchestrale Musik den Rahmen für den viersätzigen Soundtrack für Orchester und Rockband. Imago Courtesy Everett Collection Bild in Detailansicht öffnen
Der ikonische Bart Zappas schaffte es sogar bis vor den Bundesgerichtshof Karlsruhe: Die Witwe Zappas, Gail, verklagte 2012 ein deutsches Festival namens „Zappanale“, das den Bart ihres verstorbenen Gatten als Logo verwendete. Jedoch ohne Erfolg – das Gericht wies die Klage ab und betonte, dass die Klage dem Geist Zappas widerspräche, der sich immer für die Freiheit der Kunst stark machte. Imago ZUMA Press Bild in Detailansicht öffnen
Zappas politische Aktivität beschränkte sich nicht nur auf die Kunstfreiheit. Unter anderem war er Kulturattaché der Tschechoslowakei und in seiner 1989 erschienenen Biogaphie entwickelte er Ideen zu Steuerrecht und Verteidigung. Er plante sogar eine Kandidatur für die US-Präsidentschaft, die er jedoch wegen seiner Krebserkrankung verwerfen musste. Imago Avalon / Michael Putland Bild in Detailansicht öffnen

Erklär mir Pop „Moggio": Denkmal für Frank Zappa vom Frankfurter Ensemble Modern

Frank Zappa verstarb am 4. Dezember 1993 - nur einen Monat vor seinem Tod erschien sein Album „Yellow Shark". Eingespielt hatte es der Ausnahmemusiker mit dem Frankfurter Ensemble Modern. „Ich war 20, als ich meinen ersten Rock'n'Roll-Song schrieb. Davor war alles Kammermusik", soll er bei den Proben gestanden haben. Die Zusammenarbeit zwischen dem Ensemble für zeitgenössische Musik und dem Komponisten Zappa war für beide Seiten eine spannende Grenzüberschreitung. Das beweist auch der Titel „Moggio", der 10 Jahre später auf dem Album „Ensemble Modern plays Frank Zappa - Greggery Peccary & other persuasions" erschien.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

Erklär mir Pop „Happy Together" von The Turtles

Der immens eingängige Titel aus dem Jahr 1967 erreichte Platz eins der Billboard Hot 100 in den USA und verdrängte damit sogar „Penny Lane" der Beatles von der Topposition. „Happy Together" von The Turtles wurde komponiert von den Songschreibern Garry Bonner und Alan Gordon, die auch Songs für andere namhafte Künstler wie die Simpsons, Barbra Streisand oder Frank Zappa geschrieben haben.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

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