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Trotzige Heldinnen und humorlose Diktatoren – Literatur, die sich nicht unterkriegen lässt

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Neue Bücher von Herta Müller, Ronja von Rönne, Emma Cline und Emmanuel Carrère. Und mit einer Mainzer Buchhandlung, die mit einem Safe Space junge Leser*innen anlockt.

Redaktion und Moderation: Kristine Harthauer

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Humor war für sie überlebenswichtig, erzählt uns die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller. Auch wenn sie sich nur schlecht Witze merken kann, bewundert sie Menschen, die mit einem passenden Witz die schlimmsten Situationen erträglicher machen. Ein Talent, das Diktatoren Angst macht. Darüber sprechen wir mit ihr und darüber schreibt Herta Müller auch in ihrem neuen Band „Eine Fliege kommt durch einen halben Wald" mit gesammelten Texten von ihr aus den letzten 10 Jahren. Der Band ist anlässlich ihres 70. Geburtstag am 17. August erschienen.

Trotzig weitermachen, das ist das Lebensmotto von Alex, der Heldin in Emma Clines Roman „Die Einladung". Alex rennt ihren Problemen davon und schnorrt sich einen Sommer lang durch die Upper Class in den Hamptons. Das neue Buch von Emma Cline gilt als der Sommerroman, wir klären, ob der Hype berechtigt ist.

Trotz ist auch die Haltung, die Autorin Ronja von Rönne immer weitermachen lässt, gegen Widerstände von außen und von innen. Darüber schreibt sie in einem sehr persönlichen Essay und sie spricht mit uns über die revolutionäre, aber auch blockierende Kraft, die eine trotzige Haltung haben kann.

V13 – Freitag der Dreizehnte, das ist die Abkürzung für den bisher größten Terror-Prozess der französischen Geschichte. Dieser Prozess arbeitet die Terroranschläge vom 13. November 2015 in Paris auf, als islamistische Terroristen ein Blutbad vor dem Stade de France, auf den Terrassen der Cafés und im Konzertsaal Bataclan anrichteten. Der Schriftsteller Emmanuel Carrère hat den Prozess verfolgt und darüber geschrieben. Nicht die Täter stehen in seiner Gerichtsreportage im Fokus, sondern die Überlebenden und Hinterbliebenen.

Bücher können Rückzugsorte sein, das weiß nicht nur Herta Müller. Auch eine Mainzer Buchhandlung setzt darauf und hat eine Leseecke für Jugendliche eingerichtet. Ein Safe Space, wo ohne Kaufdruck geschmökert werden kann – das schauen wir uns an.

Literaturnobelpreisträgerin wird 70
Herta Müller – Eine Fliege kommt durch einen halben Wald

Hanser Verlag, 128 Seiten, 24 Euro
ISBN 978-3-446-27848-6
Gespräch mit Herta Müller

Emma Cline – Die Einladung
Aus dem Englischen von Monika Baark
Hanser Verlag, 320 Seiten, 26 Euro
ISBN 978-3-446-27757-1
Rezension von Pia Masurczak

Ronja von Rönne – Trotz
dtv, 112 Seiten, 15 Euro
ISBN 978-3-423-28371-7
Gespräch mit Ronja von Rönne

Emmanuel Carrère – V13. Die Terroranschläge in Paris
Aus dem Französischen von Claudia Hamm
Matthes & Seitz Verlag, 275 Seiten, 25 Euro
ISBN 978-3-7518-0942-9
Rezension von Sabine Wachs

Mit New Adult-Büchern junge Leser anlocken
Mainzer Buchhandlung richtet Safe Space ein
Reportage von Mareike Gries

Musik:
Arlo Parks – My Soft Machine
Label: Transgressive Records

Buch der Woche vom 11.3.2019 Herta Müller - Im Heimweh ist ein blauer Saal

Die Nobelpreisträgerin Herta Müller sammelt Wörter. Sie schneidet sie aus Zeitschriften aus und setzt die Fundstücke neu zusammen. Die entstehenden Wort-Bilder sind Collagen und Gedichte zugleich. | Carl Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-26175-4, 128 Seiten, 22 Euro

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Buchkritik Emmanuel Carrère - Julies Leben

Emmanuel Carrère erzählt die Lebensgeschichte von Julie, einer drogenabhängigen jungen Frau in San Francisco. Das Buch basiert auf die Aufnahmen einer Fotojournalistin, die Julie bis zu ihrem frühen Tod begleitet hat. Ein empathischer Bericht über den Kreislauf aus Armut, Drogen und Gewalt.
Rezension von Sharon Hodge.

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