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Keinesfalls sollte man sich von diesem in gedeckt-harmonischen Farben gehaltenen Cover mit der Schreibschrift darauf täuschen lassen: Die Schottin Ali Smith schreibt keine Wohlfühlbücher und hat auch keinen Hang zur Verklärung. Im Gegenteil: Ihre Romane sind kluge und komplexe Erzählungen, die mitten in unsere Gegenwart hineinführen. Im vergangenen Jahr erschien „Herbst“, Teil eins von Smiths Jahreszeiten-Zyklus, in deutscher Übersetzung. Darin zeigte Smith anhand zweier Hauptfiguren mit unterschiedlichem Erfahrungshorizont die Abschottung und Vereinzelung von Individuen vor dem Hintergrund des Brexit-Referendums.

Nun also „Winter“. Heimelig oder gar gemütlich geht es hier ganz und gar nicht zu. Das wird schon auf der ersten Seite deutlich, in der die Erzählstimme aufzählt, wer oder was alles tot ist. Zum Beispiel: Gott (versteht sich!), Poesie und Kunst, Anstand, die Werte der Familie, Marxismus, aber auch Feminismus, die Medien, die Liebe. Was nicht tot ist: der Hass. Das muss gesagt werden, bevor Smith ihre vier Hauptfiguren zu einem verregneten Weihnachtsfest in Cornwall zusammenkommen lässt. Dort, auf einem riesigen, kalten Anwesen, lebt Sophia. Ihr Sohn Arthur kommt zu Besuch und bringt Lux mit, eine kroatische Austauschstudentin, die seine Freundin spielt, weil Arthur kurz zuvor von Charlotte verlassen wurde. Arthurs Tante Iris, Beufsaktivistin in allen Bereichen, und das seit Jahrzehnten, komplettiert das Quartett.

Es geht um Kleinigkeiten, unterschiedliche Perspektiven auf die Politik, um Feindseligkeiten und um die Unfähigkeit sich zuzuhören. Die Gräben in dieser Familie stehen paradigmatisch für den Riss, der Großbritannien durchzieht.

SWR Bestenliste Dezember

Die SWR Bestenliste empfiehlt seit über 40 Jahren verlässlich monatlich zehn lesenswerte Bücher, unabhängig von Bestsellerlisten. Nicht die Bücher, die am häufigsten verkauft werden, bestimmen die Liste, sondern eine Jury, bestehend aus 30 namhaften LiteraturkritikerInnen, wählt die Bücher aus, denen sie möglichst viele LeserInnen wünscht.  mehr...

Buch der Woche Ali Smith - Herbst

Das Sterben eines alten Mannes, die aggressive Agonie einer Nation, die gerade für den Brexit gestimmt hat, das Ende eines Jahres in der Natur: In "Herbst", dem ersten Teil eines Quartetts von Romanen, die nach den Jahreszeiten benannt sind, untersucht Ali Smith die gegenwärtige Stimmung in Großbritannien.  mehr...

SWR2 lesenswert Kritik SWR2

Lesung und Diskussion Ali Smith: Herbst

Der erste Teil ihres vierbändigen Jahreszeiten-Zyklus, der die britische Gegenwart der Jahre 2015 und 2016 literarisch begleitet. Ali Smith zeigt eine zersplitternde Gegenwart mit den Mitteln der Collage. Der Brexit als Symptom der Abschottung.  mehr...

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