Gespräch

„Krisenmodus“ ist das Wort des Jahres: Die Verdrängung der Welt

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INTERVIEW
Sauvageot, Philine

Die Menschen hätten das Gefühl, Krisen würden nicht mehr verschwinden. Sie seien ewig geworden. So kommentiert Stephan Grünewald, Psychologe und Geschäftsführer des Rheingold-Instituts, das Wort des Jahres 2023.

Ein Ausweg aus dem Krisenmodus scheint aussichtslos

Das Wort des Jahres würde sehr gut die aktuelle Stimmungslage der Deutschen beschreiben. Sie wüssten nicht mehr, „wie man aus diesen Krisen rauskommen könnte“. Dieses Empfinden, sagt Grünewald im Gespräch bei SWR2, würde zu einer Verdrängung führen.

Die meisten Menschen, die er für sein Forschungsprojekt befrage, seien in ihrem Privatleben „enorm zuversichtlich“. Wenn es aber um die Zuversicht mit Hinblick auf Politik und Gesellschaft gehe, blieben nur 23 Prozent der Befragten positiv.

Eine resignative und passive Haltung

Viele würden den Krisen ausweichen, indem sie sich in die eigene Welt zurückziehen und „die bedrohliche Welt da draußen vermeiden“, erklärt Grünewald. Trotzdem gebe es Krisen, die in den eigenen Alltag und somit in das eigene Wohlbefinden eindringen, „wie die Klima- oder die Haushaltkrise“.

In seinen Forschungen konnte der Psychologe feststellen, dass Menschen gelernt haben, „sich die Krisen vom Leib zu halten“: Sie lesen wenig Nachrichten oder pflegen ihre privaten Kontakte. Als Psychologe beobachte er eine „resignative und passive Haltung nicht im eigenen Kosmos, sondern in Bezug auf das, was draußen passiert“.

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