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Horrorvision des Klimawandels: „Extrapolations“ von Scott Z. Burns

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Karsten Umlauf

2015 hat die Weltklimakonferenz in Paris beschlossen, dass die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Level möglichst nicht mehr als 1,5 Grad betragen solle. Stand heute sind wir davon noch sehr viele Schritte entfernt. Wie wird die Welt wohl im Jahr 2037 aussehen? Oder danach? Eine neue Serie auf Apple TV+ geht dieser Frage nach.

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Permanente Dürre weltweit

Im Jahr 2037 liegt New York unter einer dichten Nebelglocke, in Grönland droht einer der letzten Eisberge zu brechen, in vielen Ländern leiden Menschen unter permanenter Dürre.

Bei der Weltklimakonferenz in Tel Aviv verspricht ihnen das Unternehmen Alpha Hilfe bei der Wassergewinnung. Und bekommt dafür Erlaubnis, in der Arktis Rohstoffe abzubauen. Klimaschützer in der ganzen Welt protestieren gegen die Macht des Konzerns.

Filmstill (Foto: Apple TV+)
Die Geschichte von Extrapolations erstreckt sich vom Jahr 2037 bis ins Jahr 2070 und erforscht die chaotischen Auswirkungen des unaufhaltsamen Klimawandels und wie sich das Leben der Menschen in der nicht allzu fernen Zukunft verändert haben könnte. (Daveed Diggs als Marshall Zucker) Bild in Detailansicht öffnen
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In den acht Episoden sind die Auswirkungen des Klimawandels bereits zum Alltag geworden. (Sienna Miller als Rebecca Shearer) Bild in Detailansicht öffnen
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Acht miteinander verwobenen Geschichten erzählen aus der ganzen Welt über die Liebe, die Arbeit, den Glauben und das Familienleben. (Eiza González und Tobey Maguire als Elodie und Elodie). Bild in Detailansicht öffnen
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Die Serie erzählt von persönlichen Schicksalen und Entscheidungen, die getroffen werden müssen, wenn sich der Planet schneller verändert als seine Bevölkerung. (Marion Cotillard als Sylvie Bolo) Bild in Detailansicht öffnen
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Jede Geschichte ist anders, aber der Kampf um die Zukunft der Menschheit bleibt der gleiche. (Gemma Chan als Natasha Alper) Bild in Detailansicht öffnen
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In einer Zeit, in der das Schicksal der Menschheit gegen die tickende Uhr läuft, ist die Entscheidung zwischen Mut und Bequemlichkeit so dringlich wie nie zuvor. (Meryl Streep als Eve Shearer) Bild in Detailansicht öffnen
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Sind die Protagonisten mutig genug, selbst zur Lösung für unsere eigenen Verfehlungen zu werden, bevor es zu spät ist? (Matthew Rhys, Heather Graham, Alexander Sokovikov und Noel Arthur) Bild in Detailansicht öffnen

Horrorvisionen des Klimawandels

Neun Jahre später: Im Jahr 2046 haben Forscher bei Alpha die Technik entwickelt, mit Walen zu kommunizieren und ihre Gesänge in menschliche Sprache zu übersetzen.

Allerdings ist nur noch ein Buckelwal übrig geblieben. Die Serie „Extrapolations“ bemüht sich, im großen Bogen eine Vision des Klimawandels zu entwerfen. Den Titel könnte man mit Ableitung oder Hochrechnung übersetzen.

Fortschreitende Lebensfeindlichkeit der Erde

Ein „Was wäre wenn“ in acht Folgen, wobei jeder Folge die Zunahme der Erderwärmung vorangestellt ist, von 1,8 Grad im Jahr 2046 bis 2,59 Grad im Jahr 2070.

Unterschiedliche Geschichten, die lose miteinander verbunden sind und die mit fortschreitender Lebensfeindlichkeit des Planeten die immer gleiche Frage aufwerfen: schaffen es Menschen irgendwann, sich grundlegend zu ändern oder versuchen sie, aus jedem Stadium der Katastrophe den größtmöglichen Profit zu schlagen?

Kein Katastrophen-Actionkracher

Die Atmosphäre der Bilder ist meist kühl, technisch. „Extrapolation“ ist kein Katastrophen-Actionkracher, was gut ist.

Die Storys versuchen, globale und persönliche familiäre Verantwortung engzuführen, entwickeln aber keinen richtigen Sog, und das obwohl eine ganze Latte von Hollywood-Stars mitgemacht hat, von Kit Harrington über Forest Whitaker bis Meryl Streep. Vielleicht, weil es weniger eine Serie ist als ein Thema mit Variationen.

Trotz dramaturgischer Schwächen eine wichtige Serie

Der moralische Wumms mit dem „Extrapolation“ aufrütteln will, vor Augen führen, was heute nur als abstrakte Hochrechnung auf Wissenschaftsseiten zu lesen ist, er führt stellenweise zu wirklich dichten, bedrückenden Bildern, häufig trieft die Serie aber auch vor sattem Pathos.

Die Geschichten sind angerissen aber nicht auserzählt, bevölkert von Figurenskizzen, die allenfalls diffuse Betroffenheit und ein ehrenwertes Plädoyer für Mitmenschlichkeit hinterlassen.

Und doch: Im Jahr 2023 herrschen Überflutungen in Kalifornien, in Uganda müssen Naturreservate Ölpipelines weichen, auf den Meeresoberflächen schwimmen 170 Billionen Plastikteilchen. Es sieht so aus als wäre „Extrapolation“ zwar keine rundum gelungene aber dennoch sehr wichtige Serie für unsere Zeit.

Trailer „Extrapolations“ ab 17.3. auf Apple TV+

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Karsten Umlauf