Game Boy von Nintendo mit Tetris | Retro-Spielekonsolen

Spielspaß von vorgestern

Alles über Retro-Spielekonsolen

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Marcus Netscher
SWR1 Redakteur Marcus Netscher

Video- oder Tele-Spiele sind nun seit über 40 Jahren in unseren Wohnzimmern zu Hause. Gameboy, NES oder VCS – die Spielekonsolen von damals sind heute retro, machen aber noch genauso viel Spaß.

1972 kommt das erste Tele-Spiel auf den US-Markt, die "Magnavox Odyssey". Sie kostet 95 US-Dollar und wird ab 1973 von ITT-Schaub-Lorenz für knapp 400 DM auch bei uns vertrieben. Vom Ping-Pong-Spiel des Entwicklers Ralph Baer ist es ein weiter Weg zur aktuell erfolgreichen Playstation.

Auch nach 50 Jahren haben die Retro-Konsolen nichts von ihrem Charme verloren und erfreuen sich im eigenen Genre "Retro-Gaming" großer Beliebtheit. Wir zeigen Ihnen Konsolen, die auch heute noch garantiert für den 8-Bit-Spielspaß sorgen, sagen Ihnen, was Sie beim Kauf beachten sollten und wie Sie selbst eine Retro-Konsole bauen können.

Retro-Spielekonsole: ATARI VCS 2600

1977 stellt Atari die erste Spielekonsole, die "VCS 2600" in Holzoptik vor. Das wirklich neue ist: Es gibt "echte" Grafik und nicht nur Balken. Bis 1984 werden weltweit über 30 Millionen Exemplare verkauft. Neben zwei Joysticks gibt es jeweils auch ein Spielmodul in Form einer Plastik-Cartridge dazu.

Der Klassiker unter den Retro-Spielekonsolen, das Atari VCS 2600, kommt Ende der 1970er zu uns.
Der Klassiker unter den Retro-Spielekonsolen, das Atari VCS 2600, kommt Ende der 1970er zu uns.

Die Spiele haben klangvolle Namen wie "Space Invader", "Ping-Pong" oder "Breakout". Insgesamt wirft Atari bis zum Produktionsende rund 130 eigene Spiele auf den Markt. Die Zahl der Spiele von Drittherstellern wird weltweit auf über 1.000 geschätzt. Und das wird für Atari zum Problem. 1983 bricht der Spielemarkt in den USA für Atari völlig zusammen. Die VCS-Ära ist zu Ende.

VCS-Preise heute

Gebrauchte Konsolen der ersten Serie werden heute mit über 200 Euro gehandelt. Die letzte Generation ist ab rund 60 Euro zu haben. Besonders gesucht in Deutschland sind Modelle von vor 1981. Sie wurden von der Wiesbadener Firma Unicom vertrieben. Spiele gibt es gebraucht ab runden 3 Euro. White-Label-Cartridges oder original-verpackte Atari-Exemplare liegen im dreistelligen Bereich.

Retro-Spielekonsole: NES

Im Juli 1983, als der Markt für Atari in den USA zusammenbricht, stellt Nintendo in Japan eine neue 8-Bit-Konsole, die "Famicom" vor. Sie kostet rund 90 Euro und mausert sich bis Ende 1984 in Fernost zum Verkaufsschlager. In die USA und nach Europa kommt die "Famicom" dann als "NES", Das NES steht für "N-intendo E-ntertainment S-ystem". 1986 kostet das NES in Deutschland runde 190 Euro.

Damals bahnbrechend war das Nintendo Entertainment System, kurz NES und ist auch heute noch eine beliebte Retro-Spielekonsole.
Heute retro, damals bahnbrechend: Das NES ist noch immer eine beliebte Spielekonsole.

Wirklich neu am NES ist, neben der deutlich besseren Grafik, auch die Geschäftspolitik von Nintendo. Der Konzern behält nämlich, anders als Atari, die Kontrolle über die Spiele-Lizenzen und sichert sich somit eine weitgehende Marktstabilität.

Das NES will deutlich mehr als nur eine Konsole sein und mutiert mit diversem Zubehör wie einer externen Tastatur, Infrarot-Joysticks, einem Datasetten-Laufwerk und eigener Programmiersprache fast zum Home-Computer. Bis zum Serienende 1990 wandelt sich die Konsole mehrfach. 1990 debütiert mit dem S-NES, dem "Super-NES", der 16-Bit-Nachfolger, der bis 2016 rund 49 Millionen Mal verkauft wurde.

Untrennbar mit dem Begriff NES verbunden ist auch die Spielewelt "Super Mario". Der Jump-'n'-Run-Klassiker mit dem Klempner Mario in der Hauptrolle wurde 1985 erstmals vorgestellt. Bis heute spricht Nintendo von über 400 Millionen verkauften Exemplaren aller Mario-Games.

NES-Preise heute

Klassische NES-Konsolen kosten heute zum Teil über 200 Euro. Nachbauten, so genannte "FamiClones" gibt es schon ab 50 Euro. Das Spiel "Mario Bros." wird je nach Zustand ab runden 25 Euro gehandelt.

Retro-Spielekonsole: Game Boy & Spiel Tetris

Im April 1989 stellt Nintendo eine tragbare 8-Bit-Spielekonsole mit dem Namen "Game Boy" vor. Sie kostet in Deutschland 169 DM. Dafür gab es auch "nur" ein lichtschwaches schwarz-weiß Display mit 160x144 Bild-Pixeln und vier Mignon-Batterien, die gefühlt nie leer wurden, sollen für 30 Stunden Spielspaß sorgen. Kritiker geben dem Game Boy wegen der mageren Hardware keine Chance.

Der Game Boy kostete zur Markteinführung nicht mal 90 Euro, heute werden für gebrauchte Retro-Spielekonsolen der Serie bis zu 500 Euro aufgerufen.
Der Game Boy kostete zur Markteinführung nicht mal 90 Euro, heute werden für gebrauchte Retro-Spielekonsolen der Serie bis zu 500 Euro aufgerufen.

Nintendo beweist schnell das Gegenteil. Bis 2006 verkauft der Konzern rund 118 Millionen Exemplare der verschiedenen Game-Boy-Modelle. Dazu kommen geschätzte 500 Millionen verkaufte Spiele.

Game-Boy-Preise heute

Game-Boy-Classic-Konsolen werden heute gebraucht knapp unter 200 Euro gehandelt. Für einen "Game Boy Micro" werden bis zu 500 Euro bezahlt. Deutlich günstiger zu bekommen sind die späteren Versionen des "Game Boy Color". Für eine Classic-Version von Tetris werden ab 25 Euro fällig.

New-Retro: Spielekonsole Nachbauten

Der Erfolg von NES oder VCS schwingt bis heute nach. Immer wieder gibt es, sogar unter dem Label der damaligen Hersteller, "neue" Retro-Konsolen. Oft steht dabei das Original für Form und Gestaltung Pate. Die meisten dieser Konsolen werden heute mit mehreren Spielen ausgeliefert und können nicht mehr mit den alten originalen Spielemodulen arbeiten.

Nintendo NES Classic Edition ist ein Beispiel für eine neue Retro-Spielekonsole mit vielen Spielen und bekanntem Look.
Nintendo NES Classic Edition ist ein Beispiel für eine neue Retro-Spielekonsole mit vielen Spielen und bekanntem Look.

Daneben gibt es, spätestens seit dem Siegeszug des Rasperry Pi-Einplatienencomputer, vor allem aus Fernost nicht lizensierte Retro-Konsolen in allen nur erdenklichen Formen und Ausstattungen, deren tatsächliche Legalität fraglich sein dürfte.

Eine Retro-Spielekonsole kaufen

Wer sich heute eine echte Retro-Konsole ins Wohnzimmer holen möchte, der kommt um einen Gebrauchtkauf über Kleinanzeigenportale oder über den spezialisierten Fachhandel nicht herum. Das Angebot ist groß und relativ unübersichtlich. Es lohnt sich also zu vergleichen, oder mit einem Flohmarkt-Schnäppchen ins Kalte Wasser zu springen.

Tipp: Schon wegen der teilweise horrenden Einstiegspreise und der Tatsache, dass diese Konsolen allesamt heute mehrere Jahrzehnte alt sind, lohnt sich der Kauf beim Fachhändler allemal.

DIY-Retro: Die Spielekonsole Marke Eigenbau

Wer gerne selbst bastelt und etwas Geschick hat, kann sich auch selbst an den Bau einer Retro-Konsole wagen. Grundlage ist in der Regel ein Emulator und ein passender Einplatinen-Camputer. Bei der Spielesoftware betritt der DIY-Nutzer denn aber unter Umständen eine Grau-Zone. Viele Spiele sind zwar online kostenlos erhältlich, ob die Nutzung aber tatsächlich legal ist, sollte im Einzelfall geklärt werden.

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