Psychotherapeut Dr. Wolfgang Krüger

Wie Sie in Ihrer Beziehung dauerhaft glücklich bleiben

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Steffi Stronczyk
Steffi Stronczyk

Vertrauen, Sicherheit, Geborgenheit – all das bekommen wir in einer Langzeitbeziehung. Doch auch in langen Beziehungen kann es zu Problemen kommen. Psychotherapeut Dr. Wolfgang Krüger erzählt im SWR1 Interview, wie man in einer langjährigen Beziehung glücklich bleibt.

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Viele Menschen wünschen sich eine lange Partnerschaft. Nicht alle Langzeitbeziehungen laufen jedoch so erfolgreich. Die Verliebtheit ist vorbei, manche Eigenheiten am Partner stören immer mehr und man redet nicht mehr miteinander. Psychotherapeut Dr. Wolfgang Krüger hat unter anderem das Buch “So gelingt die Liebe, auch wenn der Partner nicht perfekt ist” geschrieben und weiß, wie man mit solchen Problemen umgehen kann.

SWR1: Wie bleiben wir lange glücklich?

Dr. Wolfgang Krüger: Als erstes muss ich respektvoll mit meinem Partner umgehen. Auch wenn mich viele Dinge ärgern, ich darf den anderen nicht zu sehr beleidigen. Eine gute Stimmung ist die Basis einer Partnerschaft. Zweitens: Auch wenn mich vieles stört - ich muss dem Partner immer wieder Anerkennung geben. Anerkennung ist das Schmieröl der Liebe. Und drittens muss ich eigene Dinge im Leben machen. Eigene Freundschaften, eigene Lebensziele. Nur durch Abstand atmet eine Beziehung und der Partner bekommt wieder Sehnsucht. Das vierte ist: Ich muss mich vor allem um das eigene Leben kümmern. Ich brauche vor allem eine Partnerschaft mir mit selbst. Wir machen immer den Fehler, dass wir viel zu sehr am Partner rumpuzzlen und den verändern wollen. Wir sollten uns auf das eigene Leben konzentrieren und dann selbstbewusst und mit guter Stimmung auf den Partner zugehen. Das verändert Beziehungen.

Anerkennung ist das Schmieröl der Liebe

SWR1: Viele Paare, die lange zusammen sind, haben sich auseinander gelebt und reden kaum miteinander. Wie kriegt man das wieder hin?

Krüger: In den meisten Partnerschaften gibt es immer noch eine gewisse Glut der Liebe. Wenn wir anfangen, uns wieder zu umarmen, dann merkt man, dass der Partner in den meisten Fällen bereit ist, mitzumachen. Eine Partnerschaft lebt vor allem davon, dass beide lebendig sind und beide zufrieden sind. Wir konzentrieren uns oft viel zu sehr auf das Trennende und auf das, was uns nicht gefällt. Wenn ich aber mehr den Schwerpunkt in mir habe, habe ich die Lebensweisheit, dass ich genieße, was der andere hat. Manches muss ich beim Partner dann eben auch ertragen.

SWR1: Oft streitet man sich immer wieder über die gleichen Punkte. Manchmal sind die Fronten da total verhärtet. Wie kann man da wieder Bewegung reinbringen?

Krüger: Indem man mit dem Streiten aufhört. Wir haben meistens Streitgespräche, wo es immer um das gleiche geht und sie machen keinen Sinn. Insofern mache ich in meiner eigenen Ehe eines: Ich spreche Dinge einmal an und dann merke ich, dass meine Frau das sehr wohl registriert. Und dann sage ich es nicht mehr, sondern wir machen schöne Dinge miteinander. Ich merke, dass dies in meiner Frau arbeitet und irgendwann wird sie das tun, weil sie mich mag und weil ich nicht die ganze Zeit die Dinge anspreche.

Ein Paar sitzt im Bett und küsst sich
Kleine Aufmerksamkeiten und Zärtlichkeiten sich wichtig, um eine Beziehung lebendig zu halten.

SWR1: Wie wichtig ist Sexualität in einer langjährigen Beziehung?

Krüger: Sexualität ist wichtig, aber bedarf vieler Voraussetzungen. Sexualität ist das Endergebnis einer geglückten Annäherung. Das heißt, ich brauche zunächst einmal eine Beziehung, wo zwei gut miteinander umgehen. Es gibt ja Beziehungen, in denen man sich so verletzt fühlt vom anderen, dass man denkt "Bitte fasse mich nicht an". Da habe ich eine Dauerdistanz. Ich brauche eine Stimmung der Wertschätzung. Dann muss ich gucken, dass man sich regelmäßig am Tag umarmt, man zärtlich ist und sich küsst. Wenn wir das alles tun, haben wir eine gute Voraussetzung dafür, dass mit Sicherheit auch Sexualität gelingt.

SWR1: Wann ist aus Ihrer Sicht der Punkt erreicht, an dem die Langzeitbeziehung beendet werden sollte?

Krüger: Es gibt Beziehungen, die ausgesprochen schwierig sind. Ansonsten gilt, es ein Jahr lang wirklich zu probieren. Es hat ja Gründe gehabt, warum wir den anderen ausgesucht haben. In den meisten Fällen ging es die ersten Jahre gut und dann passieren Belastungen, wie zum Beispiel durch Kinder, durch Krankheit, man zieht zusammen. Dann verschlechtert sich eine Beziehung. Die meisten Beziehungen haben einen großen Spielraum zur Veränderung. Wenn man das ausprobiert, noch einmal auf eine andere Weise, auch mit Hilfe guter Strategien diese Beziehung zu ändern - in den meisten Fällen gelingt das.

Das Gespräch führte SWR1 Moderatorin Steffi Stronczyk.

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