Fahrgastverband Pro Bahn erhält viele Beschwerden

Deutschlandticket verärgert viele Kunden

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Der Fahrgastverband Pro Bahn kann sich der Begeisterung der Bahn nicht anschließen und sieht viele Kritikpunkte.

Um das Deutschland-Ticket wurde lange gestritten, wie teuer es sein soll und wer es finanziert. Seit Mai können wir nun für 49 Euro im Nahverkehr quer durch Deutschland fahren. 

Nach drei Monaten Deutschlandticket gibt es jetzt eine kleine Bilanz. Politik und Bahn halten das Angebot für einen Erfolg, die Zahl der Fahrgäste im Regionalverkehr sei um rund ein Viertel gestiegen. Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht das etwas anders. Wir haben mit Noah Wand gesprochen, er ist Landesvorsitzender des Landesverbands Rhein-Pfalz/ Saarland von Pro Bahn.  

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SWR1: Ein Viertel mehr Fahrgäste im Regionalverkehr und die Verkehrsgesellschaft Mainzer Mobilität sagt, dass die Zahl der Abonnenten von 6.000 im Mai auf 15.000 im Juli angestiegen ist. Das klingt doch erfolgreich. Warum widerspricht Pro Bahn?

Noah Wand: Erstmal begrüßen wir natürlich einen Zuwachs an Fahrgästen. Aber darüber hinaus muss auch das Angebot stimmen. Aktuell sehen wir sehr oft, dass Züge viel zu überfüllt sind, so dass das Personal nicht mehr durch die Züge gehen kann. Auch in den Bahnhöfen sind Treppen und Fahrstühle viel zu voll.

SWR1: Wir haben gehört, dass es massenhaft Beschwerden gebe, weil die Kündigung dieser Tickets so schwierig sei.

Wand: Ja, das ist leider richtig. Eigentlich müsste diese mit einem Klick kündbar sein, aber besonders bei der Deutschen Bahn stellen wir oft fest und nehmen auch Beschwerden entgegen, dass die Kündigung abgebrochen wird, dass weiterhin Geld abgebucht wird oder Ähnliches.

SWR1: Die Zahlen sind natürlich für ganz Deutschland. In Nordrhein Westfalen oder Berlin funktioniert so ein Ticket für den Nahverkehr vielleicht. Aber wie sieht es denn im ländlichen Rheinland-Pfalz aus?

Wand: Besonders im ländlichen Raum haben wir ein Riesenproblem, weil das Angebot einfach unzureichend ist. Wir haben Busse, die vielleicht nur im Ein- oder Zwei-Stunden-Takt fahren. Oft gibt es noch nicht mal eine gute Bahnanbindung, die die Leute von A nach B bringen könnte.

SWR1: Bundesverkehrsminister Wissing sieht jetzt tatsächlich genau im ländlichen Raum Chancen für das Ticket, weil die Monatskarten dort im Vergleich sehr teuer seien. Reicht das jetzt aus, um die Leute für das Deutschland Ticket zu begeistern?

Wand: Nein, das denke ich nicht. Da muss definitiv noch am Angebot gefeilt werden und besonders der "intermodale" Verkehr, wovon Wissing gerne spricht, muss natürlich auch so stimmen: Also dass ich entsprechend Fahrrad-Stellplätze und Auto-Parkplätze direkt am Bahnhof oder an der Bushaltestelle habe.

Werbung zum Deutschlandticket (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
Ein Mann geht am Frankfurter Hauptbahnhof mit seinem Fahrrad zwischen der Werbung für das Deutschlandticket und einer Regionalbahn vorbei.

SWR1: Was hat man denn im ländlichen Raum überhaupt von dem 49-Euro-Ticket?

Wand: Das kommt ganz auf die persönlichen Lebensumstände an. Besonders, wenn man weit reist, kann man das 49-Euro-Ticket oder dann auch mit Anschluss an den Fernverkehr durchaus empfehlen. Für kurze Strecken oder einfach nur zur Arbeit zu fahren, falls man nah wohnt, lohnt sich das Ticket dann meist leider nicht.

SWR1: Es scheint so, dass der Preis von 49 Euro nur dann zu halten ist, wenn genug Abonnenten da sind. Wird das klappen?

Wand: Aktuell haben wir das Gefühl, dass das Deutschlandticket mehr Leute verärgert als begeistert. Wenn das weiterhin so ist, befürchten wir tatsächlich einen Rückgang. Aber natürlich würden wir es begrüßen, wenn wir weiterhin viele Abonnenten in dem Bereich haben.

Das Gespräch führte SWR1 Moderator Michael Lueg.

Weitere Informationen zum Deutschlandticket

Infos vom Fahrgastverband Pro Bahn (Landesverband RLP/ Saarland)

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